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26 Februar 2026

Wenn an diesem Sonntag Europawahl wäre (Februar 2026): Starke Verluste der Liberalen, Erholung für S&D und EKR

Von Manuel Müller


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
Wahl 24 46531367718878842533
EP heute 46531367518779842832
Jan. 26 (B) 53371227117780104382711
Feb. 26 (B) 54371246417583104372418
Feb. 26 (D) 553712665176901043730
Basis-Szenario,
Stand: 23.2.2026.
Grafiken zum Vergrößern anklicken.


Dynamisches Szenario,
Stand: 23.2.2026.
Grafiken zum Vergrößern anklicken.

In den vergangenen Jahren hat der Wind der politischen Stimmung in der EU nur selten nach links geweht: Seit der Europawahl 2024 gab es keine einzige Sitzprojektion, in der nicht mindestens eine der drei Fraktionen links der Mitte – die sozialdemokratische S&D, die grüne G/EFA und die Linke – Verluste verzeichnen musste. Zusammengenommen verloren sie zwischen der Europawahl und der letzten Projektion von Anfang Januar fast ein Zehntel ihrer Sitze: Von 235 Mandaten, schon das ein historischer Tiefpunkt, rutschten sie ab auf 212.

In diesem Abwärtstrend bietet die aktuelle Projektion den Parteien des linken Spektrums einen kleinen Lichtblick. Sowohl S&D als auch Linke können leicht zulegen, während die Grünen/EFA sich auf ihrem Januar-Niveau halten. Zwar sind die Veränderungen viel zu klein, um bereits von einer Trendumkehr zu sprechen. Aber wie schon die leichten Rückschläge für die Rechtsaußen-Fraktionen in der November- und der Januar-Projektion ist auch diese Erholung der linken Parteien mindestens ein Zeichen dafür, dass der Rechtsrutsch in den europäischen Umfragen zuletzt an Schwung verloren hat.

Lichtblick für das linke Spektrum

Der wichtigste Verlierer der letzten Wochen ist diesmal allerdings nicht das Rechtsaußen-Lager, das gegenüber der Januar-Projektion unter dem Strich sogar leicht dazugewinnt. Harte Einbußen machen vielmehr die Liberalen: Mit nur noch 64 Sitzen fallen sie auf ihren schlechtesten Wert seit dem Beginn regelmäßiger Europawahl-Sitzprojektionen im Sommer 2014. Und auch die christdemokratisch-konservative EVP-Fraktion verliert leicht und sinkt auf ihren schlechtesten Wert in dieser Wahlperiode.

Betrachtet man die Umfragedaten im Einzelnen, so sind wie schon im Januar in kaum einem Mitgliedstaat dramatische Veränderungen zu beobachten – mit einer Ausnahme, von der weiter unten noch die Rede sein wird. Die meisten nationalen Einzelparteien erfahren nur kleinere Schwankungen, durch die sie in der Projektion um höchstens ein oder zwei Sitze steigen oder fallen. Für die Gesamtfraktionen können dabei teilweise Gewinne in einem Mitgliedstaat Verluste in einem anderen wettmachen; teilweise summieren sich jedoch auch mehrere kleine Änderungen zu einer größeren auf. Ob sich die Entwicklung über die Mitgliedstaaten und die Zeit hinweg verstetigt, kann erst die Zukunft zeigen.

Durchmischte EVP-Bilanz

Im Fall der EVP brachten die Umfragen der letzten Wochen jedenfalls eine recht bunte Mischung von Erfolgen und Rückschlägen. Zugewinne verzeichnete etwa die tschechische STAN, die seit ihrem Gang in die Opposition nach der nationalen Parlamentswahl 2025 deutlich an Zustimmung gewonnen hat. Auch die ungarische Tisza kann zu Beginn des Wahlkampfauftakts für die ungarische Parlamentswahl im kommenden April leicht zulegen – aber wie bereits an anderer Stelle beschrieben sind die ungarischen Umfragen sehr stark vom politischen Bias der jeweiligen Meinungsforschungsinstitute geprägt und daher nur begrenzt aussagekräftig.

Diesen Zugewinnen stehen für die EVP allerdings Verluste in verschiedenen anderen Mitgliedstaaten gegenüber – etwa in Bulgarien, wo ebenfalls eine nationale Parlamentswahl bevorsteht, in Portugal, wo es der Kandidat der regierenden EVP-Mitgliedspartei bei der nationalen Präsidentschaftswahl im Januar nicht einmal in die Stichwahl schaffte, sowie in Rumänien. Unter dem Strich bleibt für die EVP damit ein kleiner Verlust; mit 175 Sitzen (–⁠2 gegenüber der Januar-Projektion) stellt sie ihren schlechtesten Wert seit der Europawahl 2024 ein.

S&D gewinnt leicht dazu

Auch für die S&D-Fraktion brachten die Umfragen der letzten Wochen gemischte Ergebnisse. In Dänemark und in Finnland können die Sozialdemokrat:innen jeweils ihre Position als stärkste nationale Kraft ausbauen, und auch in Zypern verzeichnen sie Zugewinne. Der spanische PSOE hingegen schnitt zuletzt etwas schwächer ab, und die bulgarische BSP würde nach den aktuellen Umfragen sogar an der nationalen Sperrklausel scheitern.

Dennoch reicht es für die S&D insgesamt für einen leichten Zugewinn auf 124 Sitze (+⁠2). Im langfristigen Vergleich ist das zwar immer noch einer der schlechtesten Werte, den die Fraktion jemals erzielt hat, nach den zahlreichen historischen Tiefpunkten der letzten Monate aber immerhin eine kleine Verbesserung.

Liberale im Zwölf-Jahres-Tief

Auch bei der liberalen RE-Fraktion fielen die Verluste der verschiedenen nationalen Einzelparteien in den letzten Wochen in jedem Fall nur klein aus. Ihre Mitgliedsparteien in Spanien (PNV), Österreich (Neos), Bulgarien (PP), der Slowakei (PS), Slowenien (GS), Irland (FF) und Dänemark (RV) rutschen in den Umfragen allenfalls geringfügig ab – jeweils gerade weit genug, um in der Projektion einen Sitz zu verlieren.

Allerdings stehen diesen Verlusten der Liberalen fast nirgendwo Gewinne gegenüber. Lediglich die dänischen Moderaterne können sich in den Umfragen so weit verbessern, dass sie nun wieder einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen würden.

Unter dem Strich bleibt für die RE-Fraktion damit ein deutlicher Verlust: Mit 64 Sitzen (–⁠7) fällt sie auf ihren tiefsten Stand seit mindestens zwölf Jahren. Allein seit Herbst 2022 haben die Liberalen in der Projektion mehr als ein Drittel ihrer Sitze eingebüßt.

Grüne stabil, Linke leicht im Plus

Bei der Fraktion der Grünen/EFA halten sich leichte Zugewinne in Italien und Lettland die Waage mit leichten Verlusten in Tschechien und Dänemark. In der Projektion halten sich die Grünen damit nun bereits zum zweiten Mal in Folge unverändert bei 37 Sitzen (±⁠0). Nach den starken Einbußen in den ersten Monaten nach der Europawahl 2024 scheinen sie sich nun auf niedrigem Niveau stabilisiert zu haben.

Auch bei der Linksfraktion sind die Veränderungen im Einzelnen nur klein. Die irische SF erleidet leichte Verluste, hält sich aber als stärkste nationale Partei. Die slowenische Levica sowie die zyprische AKEL legen hingegen im Vorfeld ihrer jeweiligen nationalen Parlamentswahlen (die in Slowenien im März, in Zypern im Mai stattfinden werden) zu. Im Ganzen verzeichnet die Linksfraktion damit einen leichten Zugewinn und steht nun bei 54 Sitzen (+⁠1).

EKR legt zu, ESN verliert

Auf der rechten Seite des politischen Spektrums zählt die EKR-Fraktion zu den Gewinnern der letzten Wochen. Unter anderem in Rumänien, Litauen, Lettland und der Slowakei gewinnen ihre Mitgliedsparteien in den Umfragen hinzu. Dem stehen zwar leichte Verluste in Polen sowie Finnland gegenüber. Insgesamt aber steigt die EKR-Fraktion auf 83 Sitze (+⁠3) und steht in der Projektion damit wieder nahe an ihrem bisherigen Höchstwert von September 2025.

Im Ganzen unverändert zeigt sich die PfE-Fraktion, die noch weiter rechts steht als die EKR und diese seit der Europawahl als stärkste Rechtsaußen-Gruppierung abgelöst hat. In den letzten Wochen konnten unter anderem die spanische Vox und die portugiesische Chega ihren Aufstieg fortsetzen. Die niederländische PVV hingegen verliert nach heftigen internen Konflikten an Zustimmung. Diese Veränderungen halten sich die Waage, sodass die PfE-Fraktion in der Projektion unter dem Strich weiterhin bei 104 Sitzen (±⁠0) steht – knapp unter ihrem Höchststand von vergangenem Herbst.

Leichte Verluste erfährt schließlich die rechtsextreme ESN-Fraktion. Während ihre niederländische Mitgliedspartei FvD von der Schwäche der PVV profitiert, fallen die deutsche AfD leicht und die bulgarische Vǎzraždane deutlich zurück. Insgesamt erreicht die ESN in der Projektion nun 37 Sitze (–⁠1) und liegt damit wieder gleichauf mit den Grünen/EFA.

Fraktionslose und Sonstige

Deutliche Verluste verzeichnet die Gruppe der fraktionslosen Parteien. Vor allem die linkskonservative slowakische Regierungspartei Hlas sowie die liberalpopulistische DPS-NN aus Bulgarien erfahren Einbußen. Auch das linkskonservative BSW aus Deutschland fällt leicht zurück, und die populistische ADK aus Zypern, die erst vor wenigen Monaten von dem YouTuber und derzeitigen Europaabgeordneten Fidías Panayiótou gegründet wurde, würde nun gar nicht mehr ins Europäische Parlament einziehen. Wieder im Tableau vertreten ist hingegen die spanische Rechtsaußenpartei SALF. Insgesamt stehen die Fraktionslosen damit nun bei 24 Sitzen (–⁠3).

Und dann gibt es noch die „sonstigen“ Parteien, die bislang nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und keiner Fraktion klar zugerechnet werden können. Unter allen Gruppierungen machten sie zuletzt die größten Zugewinne und erreichen nun 18 Sitze (+⁠7). Zulegen können etwa die niederländische Rechtsaußenpartei JA21, die irische Mitte-Links-Partei SD sowie die Mitte-Rechts-Partei Demokrati aus Slowenien. Die agrarisch-konservative ZZS und die russische Minderheitspartei Stabilitātei aus Lettland sowie die rechtspopulistische MECh aus Bulgarien würden hingegen allesamt keinen Sitz mehr im Europäischen Parlament gewinnen.

Starker Newcomer aus Bulgarien

Den größten Zuwachs aber erfährt eine Partei, die offiziell noch gar nicht gegründet ist: die Partei von Rumen Radew, der im Januar als bulgarischer Staatspräsident zurückgetreten ist. Radew vertritt nationalpopulistische Positionen; zuletzt hat er sich unter anderem gegen Militärhilfen für die Ukraine ausgesprochen und kritisiert, dass Bulgarien ohne vorheriges Referendum der Eurozone beigetreten ist.

Bei den bulgarischen Präsidentschaftswahlen 2016 und 2021 wurde er jeweils als parteiloser Kandidat von der sozialdemokratischen BSP (S&D) unterstützt, 2021 auch von der liberalen PP (RE). Mit beiden Parteien überwarf er sich später allerdings. Mit Bojko Borissow, dem Parteichef der konservativen GERB (EVP), verbindet ihn ohnehin eine lange Feindschaft. Zugleich war Radews Präsidentschaft eine der wenigen institutionellen Kontinuitäten in der instabilen bulgarischen Politik der letzten Jahre.

Bleibt der dickste Fisch unter den „Sonstigen“ fraktionslos?

Vor der im April anstehenden vorgezogenen nationalen Parlamentswahl – der achten in fünf Jahren – hat Radew nun sein Amt aufgegeben, um sich künftig mit einer eigenen Partei in die aktive Tagespolitik einzubringen. Zwar wird die Gründung dieser Partei aus administrativen Gründen wohl erst nach der Wahl stattfinden; bislang hat sie noch nicht einmal einen Namen. Dennoch ist sie schon jetzt in allen bulgarischen Umfragen enthalten – und erreicht dort aus dem Stand mit großem Vorsprung den ersten Platz.

Sollte eine solche Radew-Formation eines Tages ins Europäische Parlament einziehen, so wäre sie mit Abstand der dickste Fisch unter den „sonstigen“ Parteien. Ob sich eine Fraktion dazu bereit fände, sie aufzunehmen, ist allerdings fraglich. Die größte inhaltliche Ähnlichkeit hat Radews nationalpopulistisch-russophiles Profil wohl mit dem des slowakischen Premierministers Robert Fico und seiner Partei Smer, die im Europäischen Parlament ebenfalls fraktionslos ist.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem die nationalen Parteien jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind. Parteien, die weder im Parlament vertreten sind noch einer europäischen Partei angehören, verbleiben in der Spalte „Sonstige“.

Das dynamische Szenario der Sitzprojektion baut auf dem Basisszenario auf, ordnet jedoch auch alle „sonstigen Parteien“ jeweils Fraktionen zu, denen diese plausiblerweise beitreten könnten. In der Tabelle sind die Veränderungen vom Basis- zum dynamischen Szenario durch farbige Schrift und durch Hinweise im Mouseover-Text gekennzeichnet. Gegebenenfalls sind im Mouseover-Text zudem noch alternative Zielfraktionen für die betreffende Partei angeführt.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.



Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
Wahl 24 46531367718878842533
EP heute 46531367518779842832
Jan. 26 (B) 53371227117780104382711
Feb. 26 (B) 54371246417583104372418
Feb. 26 (D) 553712665176901043730

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
DE 10 Linke
1 Tier
10 Grüne
3 Volt
13 SPD 3 FDP
3 FW
23 Union
1 Familie
1 ÖDP


22 AfD 3 BSW
2 Partei
1 PdF

FR 8 LFI

13 PS 14 RE 12 LR
34 RN


IT 11 M5S
2 SI
4 EV 20 PD
6 FI
1 SVP
26 FdI 6 Lega


ES 2 Pod
2 Sumar
1 Bildu
2 Sumar
1 ERC

17 PSOE
22 PP
13 Vox
1 SALF

PL

4 Lewica
18 KO
14 PiS 6 Konf 6 Konf 5 KKP
RO

8 PSD
3 USR
1 PMP
6 PNL
15 AUR



NL
2 GL
3 PvdA 7 D66
5 VVD
4 CDA

4 PVV 3 FvD
3 JA21

BE 3 PTB 1 Groen
1 Vooruit
3 PS
1 Anders
2 MR
1 LE
2 CD&V
1 CSP
4 N-VA 3 VB


CZ
1 Piráti


4 STAN
1 TOP09
4 ODS 9 ANO
2 SPD

EL 1 Syriza
3 PASOK
7 ND 3 EL 1 FL
3 PE
2 KKE
1 MéRA

HU



11 TISZA

9 Fidesz 1 MHM

PT
1 Livre
6 PS 2 IL 6 AD
6 Chega


SE 2 V 1 MP 7 S 1 C
4 M
1 KD
5 SD



AT
2 Grüne 4 SPÖ 1 Neos 4 ÖVP
9 FPÖ


BG


2 PP
4 GERB
1 DB


1 V 2 DPS-NN
7 Radew

DK 1 Enhl. 2 SF 4 S 2 V
1 M
2 LA
1 K
1 DD 1 DF



SK


3 PS 2 Slov
1 KDH
1 D
2 SaS

2 REP 3 Smer
1 Hlas

FI 2 Vas 1 Vihreät 5 SDP 2 Kesk
3 Kok
2 PS



IE 5 SF


3 FF
4 FG



2 SD
HR
2 Možemo 4 SDP
5 HDZ



1 Most
LT
2 DSVL 2 LSDP 1 LS
2 TS-LKD 2 LVŽS



2 NA
LV
2 Prog

2 JV
2 NA
1 LRA
2 LPV



SI 1 Levica

1 SD 2 GS 3 SDS
1 N.Si




1 D
EE

1 SDE 1 RE
1 KE
2 Isamaa 1 KE 1 EKRE


CY 2 AKEL
1 DIKO

1 DISY 1 ELAM


1 ALMA
LU

1 LSAP 2 DP 2 CSV


1 ADR
MT

3 PL
3 PN





Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
23.02.26 54 37 124 64 175 83 104 37 24 18
07.01.26 53 37 122 71 177 80 104 38 27 11
10.11.25 51 37 124 71 175 81 105 39 24 13
01.09.25 55 40 123 66 176 85 105 37 21 12
01.07.25 51 44 124 73 181 80 99 36 20 12
19.05.25 49 40 130 76 179 79 100 35 23 9
24.03.25 52 41 131 73 177 79 99 33 24 11
27.01.25 48 43 130 81 185 77 93 29 24 10
02.12.24 43 41 131 83 186 73 100 27 24 12
07.10.24 44 41 136 79 186 74 96 26 29 9
12.08.24 44 45 137 77 191 73 88 25 31 9
Wahl 24 46 53 136 77 188 78 84 25 33

Verlauf (dynamisches Szenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
23.02.26 55 37 126 65 176 90 104 37 30
07.01.26 54 37 123 73 177 86 106 38 26
10.11.25 52 37 126 73 175 86 109 39 23
01.09.25 56 40 125 68 177 89 107 37 21
01.07.25 52 44 126 75 181 84 101 37 20
19.05.25 49 40 132 78 179 82 101 36 23
24.03.25 52 41 132 74 179 82 103 33 24
27.01.25 49 43 132 82 185 80 96 29 24
02.12.24 43 42 133 82 186 77 104 27 26
07.10.24 46 41 137 79 187 77 97 26 30
12.08.24 45 46 138 78 191 76 89 25 32
Wahl 24 46 53 136 77 188 78 84 25 33

Die Zeile „Wahl 24“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 16. Juli 2024, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Juni 2024.
Für Übersichten von Sitzprojektionen aus früheren Wahlperioden siehe hier (2014-2019) und hier (2019-2024).

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt (siehe unten). Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten (also 7 der 27 Mitgliedstaaten) erforderlich. Gruppierungen, die diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen, müssten gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich (wieder) als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet. Zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren teils auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Bei „sonstigen“ Parteien und Parteien, bei denen nach der nächsten Europawahl ein Fraktionswechsel wahrscheinlich erscheint, nennt der Mouseover-Text zudem die Fraktionen, denen sich die Partei gegebenenfalls anschließen könnte. Dabei wird die Fraktion, der die Partei im dynamischen Szenario zugeordnet ist, als Erstes aufgeführt.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen die letzte spezifische Europawahlumfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt oder in den letzten zwei Wochen deutlich weniger Umfragen zur Europawahl als zur Wahl zum nationalen Parlament veröffentlicht wurden, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Länder, in denen es keine aktuellen Umfragen für Parlamentswahlen gibt, wird stattdessen gegebenenfalls auf Umfragen zu Präsidentschaftswahlen zurückgegriffen, wobei die Umfragewerte der Präsidentschaftskandidat:innen jeweils den Parteien der Kandidat:innen zugeordnet werden (dies kann insbesondere Frankreich und Zypern betreffen). Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft gegebenenfalls die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. In der Tabelle sind diese in der Regel unter der Bezeichnung des Wahlbündnisses oder der größten dazugehörigen Partei zusammengefasst. Manchmal gehören die Parteien eines Wahlbündnisses im Europäischen Parlament jedoch unterschiedlichen Fraktionen an. In diesem Fall wird (in der Regel auf Grundlage der Europawahl 2024) eine Plausibilitätsannahme über die Verteilung der Listenplätze getroffen. Das betrifft folgende Fälle: Spanien: Sumar: Sumar (1., 6. Listenplatz), CatComù (2.), Compromís (3.), IU (4.) und Más País (5.); Ahora Repúblicas: ERC (1., 4.), Bildu (2.) und BNG (3.); CEUS: PNV (1.) und CC (2.); Rumänien: ADU: USR (1.-2., 4.-5., 7.-9.), PMP (3.) und FD (6.); Niederlande: GL-PvdA: PvdA (1., 3., 5. etc.) und GL (2., 4., 6. etc.); Ungarn: DK: DK (1.-4., 6., 8.), MSZP (5.), PM (7.). In manchen Ländern ist die genaue Verteilung der Sitze unter den Parteien eines Wahlbündnisses von Vorzugsstimmen oder regionalen Wahlkreisergebnissen abhängig, sodass sich im Voraus nur eine Plausibilitätsannahme darüber treffen lässt. Dies betrifft folgende Fälle: Italien: AVS: EV (1., 3.-4., 6.-7. etc.) und SI (2., 5., 8. etc.); Polen: Konfederacja: NN (1., 3., 5. etc.) und RN (2., 4., 6. etc.). Vereinzelt kommt es auch vor, dass sich die Abgeordneten einer einzelnen Partei nach der Wahl auf mehrere Fraktionen aufteilen; in diesem Fall wird (in der Regel auf Grundlage des Status quo) eine Plausibilitätsannahme über die Aufteilung nach der nächsten Europawahl getroffen. Dies betrifft derzeit die Partei KE aus Estland. In Frankreich erfassen manche Umfragen PS (S&D), EELV (G/EFA), PCF (Linke) und manchmal auch LFI (Linke) zusammen; in diesen Fällen werden die erhobenen Werte zwischen den Parteien entsprechend dem Verhältnis in der letzten Umfrage aufgeteilt, in der diese getrennt ausgewiesen wurden. In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen, sofern sie mit einer größeren Partei kooperieren. Dies ist der Fall bei der SVP im Bündnis mit FI.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Da deutsche Umfrageinstitute für Kleinparteien jedoch in der Regel keine Werte ausweisen, wird in der Projektion jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 3 Sitze für Volt und FW, 2 Sitze für die PARTEI, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Familienpartei und PdF). Falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert genutzt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung der Umfragen; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung:
Deutschland: nationale Umfragen, 10.-23.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Frankreich: nationale Umfragen, 7.-8.10.2025, Quelle: Wikipedia;
Italien: nationale Umfragen, 19.-23.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Spanien: nationale Umfragen, 10.-20.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Polen: nationale Umfragen, 4.-17.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Rumänien: nationale Umfragen, 15.-23.1.2026, Quelle: Wikipedia;
Niederlande: nationale Umfragen, 16.-21.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: Umfragen für die nationale Parlamentswahl in der Wallonie, 9.12.2025, Quelle: Wikipedia;
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: Umfragen für die nationale Parlamentswahl in Flandern, 9.12.2025, Quelle: Wikipedia;
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnisse der Europawahl, 9.6.2024;
Tschechien: nationale Umfragen, 17.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Griechenland: nationale Umfragen, 9.-17.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Ungarn: nationale Umfragen, 6.-17.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Portugal: nationale Umfragen, 13.1.2026, Quelle: Wikipedia;
Schweden: nationale Umfragen, 26.1.-8.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Österreich: nationale Umfragen, 17.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Bulgarien: nationale Umfragen, 13.-18.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Dänemark: nationale Umfragen, 3.-15.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Slowakei: nationale Umfragen, 8.-9.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Finnland: nationale Umfragen, 3.-16.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Irland: nationale Umfragen, 3.-19.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Kroatien: nationale Umfragen, 20.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Litauen: nationale Umfragen, 24.-29.1.2026, Quelle: Wikipedia;
Lettland: nationale Umfragen, 26.12.2025, Quelle: Wikipedia;
Slowenien: nationale Umfragen, 8.-14.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Estland: nationale Umfragen, 9.-18.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Zypern: nationale Umfragen, 14.2.2026, Quelle: Wikipedia;
Luxemburg: nationale Umfragen, 29.9.2025, Quelle: Wikipedia;
Malta: nationale Umfragen, 19.2.2026, Quelle: Wikipedia.

Manuel Müller ist Europawissenschaftler und Herausgeber des Blogs „Der (europäische) Föderalist“. Er arbeitet vor allem zu Fragen der supranationalen Demokratie und institutionellen Reform der EU.

Bilder: alle Grafiken: Manuel Müller; Porträt Manuel Müller: Finnish Institute of International Affairs [alle Rechte vorbehalten].

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