Ergebnisse der Europawahl 2024

Von Manuel Müller.
Dieser Text wird laufend aktualisiert. Letzte Bearbeitung: 20.6.2024.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP 2019 406814897187627627
Mai 2024 3772139102176694961
EP 2024 (B) 40531367819084614632
EP 2024 (D) 425313681191857359

Wahlergebnis 2024.

Historische Wahlergebnisse.

Am 6.-9. Juni 2019 hat Europa gewählt; alle nationalen Wahlergebnisse sind auf der Website des Europäischen Parlaments zu finden. Wie viele Sitze jede Fraktion wirklich haben wird, steht allerdings noch nicht fest: Zahlreiche nationale Einzelparteien entscheiden erst in den Wochen nach der Wahl, welcher Fraktion sie sich anschließen werden. Bis zur Konstituierung des neuen Parlaments am 16. Juli 2024 kann sich deshalb noch einiges bewegen – und auch danach ist nicht ausgeschlossen, dass es noch zu weiteren Fraktionswechseln kommt.

Unsicherheit entsteht dabei zum einen durch Parteien, die zum ersten Mal ins Europäische Parlament einziehen. Einige von ihnen haben sich schon vor der Wahl öffentlich auf eine Fraktion festgelegt, andere nicht. Zum anderen gibt es auch unter den Parteien, die dem Parlament schon länger angehören, einige, die vor der Wahl den Übertritt zu einer anderen Fraktion nicht ausgeschlossen haben.

Neue Fraktionen?

Zudem werden einige Parteien, die neu ins Parlament einziehen oder bislang fraktionslos waren, voraussichtlich die Gründung neuer, eigenständiger Fraktionen versuchen. Dafür sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus sieben verschiedenen Mitgliedstaaten erforderlich. Die Gründung einer neuen Fraktion ist sowohl am Anfang als auch im späteren Verlauf einer Wahlperiode möglich.

Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung zwischen den Fraktionen im neuen Europäischen Parlament nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario (B), in dem die nationalen Parteien jeweils ihrer bisherigen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind. Parteien, die bislang nicht im Parlament vertreten waren und keiner europäischen Partei angehören, verbleiben in der Spalte „Sonstige“.

Alle sonstigen Parteien sowie Parteien, die nach der Europawahl die Fraktion wechseln könnten, sind in der Tabelle farbig markiert. Die Markierung kennzeichnet jeweils eine Fraktion, der die Partei plausiblerweise beitreten könnte. Dies ist die Grundlage für das dynamische Szenario (D).

Lässt man am Bildschirm die Maus längere Zeit über dem Namen einer farbig markierten Partei ruhen, erscheint im Mouseover-Text der Name der Fraktion sowie ein Hinweis, welchen weiteren Fraktionen diese Partei plausiblerweise beitreten könnte. Parteien, die potenziell für eine mögliche links-konservative Fraktion um das deutsche BSW und das italienische M5S in Frage kämen, sind zusätzlich mit einem Asterisk (*) gekennzeichnet; Parteien, die sich einer neuen Rechtsaußenfraktion anschließen könnten, mit einem hochgestellten Kreis (°). In einer zweiten Übersichtstabelle weiter unten wird die Situation aller markierten Parteien im Einzelnen näher erläutert. Beide Tabellen werden laufend aktualisiert.



Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP 2019 406814897187627627
Mai 2024 3772139102176694961
EP 2024 (B) 40531367819084614632
EP 2024 (D) 425313681191857359

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
DE 3 Linke
1 Tier
12 Grüne
1 ÖDP
3 Volt
14 SPD 5 FDP
3 FW
29 Union
1 Familie


15 AfD°
2 Partei
1 PdF
6 BSW*
FR 9 LFI*
5 EELV 13 PS 13 RE 6 LR 4 ex-REC
1 REC°
30 RN

IT 2 SI 3 EV 21 PD
8 FI
1 SVP
24 FdI 8 Lega 8 M5S* 1 AVS
ES 2 Pod
1 Sumar
1 Bildu
1 ERC
1 BNG
1 CatComù
1 Comp
20 PSOE 1 PNV
22 PP 6 Vox
1 Junts*
3 SALF°
PL

3 Lewica 1 PL2050
21 KO
2 KP
20 PiS

6 Konf°
RO
1 Ştefănuţă 11 PSD
2 USR 8 PNL
2 UDMR
1 PMP
6 AUR

2 SOS
NL 1 PvdD
4 GL
2 Volt
4 PvdA 4 VVD
3 D66
3 CDA
2 BBB
1 NSC
1 SGP
6 PVV
BE 2 PTB 1 Groen
1 Ecolo
2 Vooruit
2 PS
1 O-VLD
3 MR
2 CD&V
1 CSP
1 LE
3 N-VA 3 VB

CZ 2 Stačilo*
1 Piráti

7 ANO 2 STAN
2 TOP09
1 KDU-ČSL
3 ODS 1 SPD
2 Přísaha
EL 4 Syriza
3 PASOK
7 ND 2 EL
2 KKE 1 PE*
1 NIKI°
1 FL°
HU

2 DK

7 TISZA
1 KDNP


10 Fidesz 1 MHM°
PT 1 BE
1 CDU

8 PS 2 IL 7 PSD
2 CH

SE 2 V 3 MP 5 S 2 C
1 L
4 M
1 KD
3 SD


AT
2 Grüne 5 SPÖ 2 Neos 5 ÖVP
6 FPÖ

BG

2 BSP 3 DPS 5 GERB
1 DB
1 ITN
3
2 PP
DK 1 Enhl. 3 SF 3 S 2 V
1 M
1 RV
1 K
1 LA
1 DD 1 DF

SK


6 PS 1 KDH

5 Smer*
2 REP
1 Hlas*
FI 3 Vas 2 Vihreät 2 SDP 2 Kesk
1 SFP
4 Kok
1 PS


IE 2 SF
1 Flanagan
1 Labour 4 FF 4 FG


1 II
1 McNamara*
HR
1 Možemo 4 SDP
6 HDZ 1 DP


LT
1 DSVL
2 LSDP 1 LRLS
1 LP
3 TS-LKD 1 LLRA
1 LVŽS


1 TTS
LV
1 Prog 1 SDPS 1 LA 2 JV
2 NA
1 LRA


1 LPV
SI
1 Vesna 1 SD 2 GS 4 SDS
1 NSi




EE

2 SDE 1 RE
1 KE
2 Isamaa
1 Madison

CY 1 AKEL
1 DIKO

2 DISY 1 ELAM

1 Fidías
LU
1 Gréng 1 LSAP 1 DP 2 CSV 1 ADR


MT

3 PL
3 PN




Die folgende Übersichtstabelle stellt etwas ausführlicher die Situation der Parteien dar, die neu ins Parlament einzogen oder deren Fraktionszuordnung zum Zeitpunkt der Europawahl aus anderen Gründen noch unklar war. Parteien, die nach der Europawahl ihren Beitritt zu einer Fraktion öffentlich bestätigt haben, sind farbig markiert; die neue Fraktion ist fett gedruckt.

Land Partei Sitze Bisher Künftig Anmerkung
DE AfD 15 ID fʼlos
AfD
ID
Angesichts mehrerer Skandale wurde die AfD im Mai aus der ID-Fraktion ausgeschlossen. Die Partei hofft zwar auf eine Rückkehr in die Fraktion, hat aber wohl nur schlechte Aussichten. Möglicherweise wird sie deshalb versuchen, eine eigene neue Rechtsaußenfraktion zu gründen. Dafür benötigt sie Partner aus mindestens sechs weiteren Mitgliedstaaten. In Frage kämen etwa die polnische Konfederacja, die bulgarische Vǎzrashdane, die ungarische MHM, die griechische NIKI, die spanische SALF sowie einzelne Überläufer:innen von EKR- und ID-Mitgliedsparteien.
DE BSW 6 neu f’los
BSW
Das BSW wird versuchen, eine eigene Fraktion zu bilden und, falls das scheitert, wohl fraktionslos bleiben.
DE FW 3 RE RE
EKR
Die FW sind seit der letzten Europawahl politisch nach rechts gerückt. In der EKR-Fraktion, in der es noch keine andere größere deutsche Partei gibt, könnten sie sich besser profilieren als in der RE. Allerdings haben sich die Wechselgerüchte bislang nicht konkretisiert.
DE Volt 3 G/EFA G/EFA
RE
Volt gehörte bisher der G/EFA-Fraktion an, verhandelt aber mit RE über einen möglichen Wechsel. Die drei deutschen und die zwei niederländischen Abgeordneten von Volt werden jedenfalls in derselben Fraktion bleiben.
DE Tier 1 (neu) Linke Die Tierschutzpartei gewann bei der Europawahl 2019 einen Sitz und gehörte der Linksfraktion an, bis ihr einziger Europaabgeordneter aus der Partei und der Fraktion austrat. Nach der Wahl 2024 schloss sie sich erwartungsgemäß erneut der Linksfraktion an.
DE PdF 1 neu f’los Die Kleinpartei PdF steht programmatisch den Mitte-links-Fraktionen am nächsten. Allerdings lehnt sie jede Vereinnahmung für ein politisches Lager ab und will keiner bestehenden Fraktion beitreten. Da ihr für das erklärte Ziel, eine eigene Fraktion zu gründen, die Partner fehlen, wird sie fraktionslos bleiben.
FR LFI 9 Linke Linke
BSW
Das LFI ist eine der stärksten Mitgliedsparteien der Linksfraktion, wird aber auch als mögliche Zielpartei des deutschen BSW für eine gemeinsame Fraktion gesehen. Sollte es zu einem solchen Wechsel kommen, würde das wohl zu einer Spaltung der Linksfraktion führen.
FR LR 6 EVP EVP
f’los
ID
EKR
Im Vorfeld der französischen Parlamentswahl Ende Juni sind die konservativen LR in heftige interne Debatten über ein mögliches Wahlbündnis mit dem ID-Mitglied RN verwickelt. Sollte ein solches Bündnis zustandekommen, will die deutsche CDU/CSU auf einen Ausschluss von LR aus der EVP hinwirken. In diesem (unwahrscheinlichen) Fall könnte die Partei fraktionslos werden oder sich einer der Rechtsfraktionen anschließen.
FR ex-REC 4 EKR EKR Vor der Europawahl war die Partei Reconquête im Europäischen Parlament mit einem vom RN übergetretenen Abgeordneten vertreten, der sich der EKR-Fraktion angeschlossen hatte. Nach der Wahl wurden infolge eines internen Konflikts vier der fünf neu gewählten Abgeordneten aus der Partei ausgeschlossen. Die vier ausgeschlossenen Abgeordneten traten der EKR bei. Die Fraktionszugehörigkeit des in der Partei verbleibenden Abgeordneten ist offen.
FR REC 1 EKR f’los
AfD
Vor der Europawahl war Reconquête im Europäischen Parlament mit einem vom RN übergetretenen Abgeordneten vertreten, der sich der EKR-Fraktion angeschlossen hatte. Nach der Wahl wurden infolge eines internen Konflikts über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem RN vier der fünf neu gewählten Abgeordneten aus der Partei ausgeschlossen. Die vier ausgeschlossenen Abgeordneten traten der EKR bei. Die Fraktionszugehörigkeit des in der Partei verbleibenden Abgeordneten ist offen. Am wahrscheinlichsten ist aber die Fraktionslosigkeit, da in der ID-Fraktion bereits das RN vertreten ist.
IT M5S 8 fʼlos fʼlos
G/EFA
Linke
BSW

Das Movimento 5 Stelle hat sich in den letzten Jahren von einer populistischen Protestpartei zu einer NATO-skeptischen Mitte-links-Partei entwickelt und würde gern der grünen Fraktion beitreten. Entsprechende Gespräche blieben aber bislang ergebnislos. Als Alternativen kämen die Linke oder auch eine mögliche neue Fraktion mit dem deutschen BSW in Frage.
IT AVS 1 neu Linke
G/EFA
Die Kandidat:innen des Wahlbündnisses AVS stehen teils EV (G/EFA), teils SI (Linke) nahe. Die meisten der gewählten Abgeordneten können klar einer der beiden Fraktionen zugeordnet werden, in einem Fall ist die Zugehörigkeit jedoch noch offen.
ES Sumar 1 neu Linke Das Parteibündnis Sumar tritt erstmals bei einer Europawahl an. Die meisten Kandidat:innen auf der Liste sind Mitglieder von Parteien, die im Europäischen Parlament entweder der Fraktion der Grünen/EFA oder der Linksfraktion angehören. Die Spitzenkandidatin war allerdings parteilos und erklärte erst nach der Wahl ihren Beitritt zur Linksfraktion.
ES SALF 3 neu fʼlos
ID
AfD
Die 2024 neu gegründete rechtspopulistische Wählervereinigung SALF hat keine Aussage getroffen, welcher Fraktion sie sich anschließen wird. In Frage kämen die ID-Fraktion oder auch eine (unwahrscheinliche) neue Fraktion um die deutsche AfD. Ein Beitritt zur EKR ist unwahrscheinlich, da dort mit Vox bereits eine spanische Partei vertreten ist.
ES Junts 1 f’los f’los
BSW
Die fraktionslose katalanisch-separatistische Partei Junts gilt als mögliche Zielpartei für eine neue Fraktion um das deutsche BSW.
PL Konf 6 neu fʼlos
ID
AfD
Die hart-europaskeptische Konfederacja ist erstmals ins Parlament eingezogen. Vorgängerparteien von ihr hatten Beziehungen zur ID, die aber immer schwierig waren. Ein Beitritt zur EKR erscheint noch unwahrscheinlicher, da dort aus Polen bereits die PiS Mitglied ist. Deshalb könnte Konfederacja letztlich fraktionslos bleiben oder sich einer neuen Fraktion um die deutsche AfD anschließen.
RO AUR 6 neu EKR Die Rechtsaußenpartei AUR hatte vor der Wahl angekündigt, der EKR beizutreten – aber nur, wenn nicht auch die ungarische Fidesz beitritt. Dies wurde nach der Wahl bestätigt.
RO SOS 2 neu ID Die russlandfreundliche Rechtsaußenpartei SOS România hat angekündigt, der ID beitreten zu wollen.
NL VVD 4 RE RE
EVP
EKR
Da die VVD auf nationaler Ebene mit der rechtsextremen PVV (ID) koaliert, wird die RE-Fraktion über einen Ausschluss der VVD abstimmen. Die zunächst für den 10. Juni geplante Entscheidung wurde allerdings um einige Wochen verschoben. Sollte es tatsächlich zu einem Ausschluss kommen, könnten EVP oder EKR bereit sein, die VVD aufzunehmen. Ein ähnlicher Fall betrifft die schwedischen Liberalerna.
NL Volt 2 neu G/EFA
RE
Während die niederländische Volt zum ersten Mal ins Parlament eingezogen ist, gehörten Volt-Abgeordnete aus anderen Ländern bisher der G/EFA-Fraktion an. Nach der Wahl verhandeln sie nun aber mit RE über einen möglichen Wechsel. Die drei deutschen und die zwei niederländischen Volt-Abgeordneten werden sich jedenfalls derselben Fraktion anschließen.
NL BBB 2 neu EVP Wie vor der Wahl angekündigt, ist die BBB der EVP beigetreten.
NL NSC 1 neu EVP Wie vor der Wahl angekündigt, ist NSC der EVP beigetreten.
BE N-VA 3 EKR EVP
RE
EKR
Die N-VA „fühlt sich in der EKR nicht mehr ganz zu Hause“ und würde lieber der EVP beitreten. Dort gibt es angesichts der flämisch-separatistischen Positionen der N-VA allerdings noch Vorbehalte. Eine denkbare Alternative wäre die RE – oder auch der Verbleib in der EKR.
BE LE 1 EVP RE LE strebt einen Wechsel zur RE-Fraktion an.
CZ ANO 7 RE RE
EKR
Über einen möglichen Austritt der ANO aus der RE-Fraktion wird schon seit längerem spekuliert. Ein Wechsel zur EKR wäre möglich, insbesondere falls die bisherige tschechische EKR-Mitgliedspartei ODS zur EVP übertritt.
CZ ODS 3 EKR EKR
EVP
Die nationalkonservative ODS arbeitet im Rahmen des Parteibündnisses SPOLU eng mit zwei tschechischen EVP-Parteien zusammen und versucht im Europäischen Parlament Brücken zwischen EVP und EKR zu schlagen. Falls die EKR die ungarische Fidesz aufgenommen hätte, hätte die ODS das zum Anlass für einen Fraktionswechsel nehmen können. Dies scheint nach der Wahl allerdings zunehmend unwahrscheinlich.
CZ Přísaha 2 neu EKR
EVP
Přísaha strebt einen Beitritt zur EKR an. Ende 2023 hatte die Partei noch angekündigt, der EVP beizutreten.
CZ Stačilo 2 Linke Linke
BSW
Die wirtschaftspolitisch linke, aber gesellschaftspolitische konservative Stačilo gilt als naheliegende Zielpartei für eine mögliche neue Fraktion um das deutsche BSW.
EL Syriza 4 Linke Linke
S&D
Teile der Syriza-Parteiführung streben einen Wechsel zur S&D-Fraktion an, die dafür grundsätzlich offen ist. Der Vorschlag ist innerhalb der Partei aber umstritten.
EL PE 1 neu Linke
BSW
fʼlos
Die linkspopulistische PE hat zum ersten Mal einen Sitz im Parlament gewonnen. Denkbar wäre ein Beitritt zur Linksfraktion oder zu einer neuen Fraktion um das deutsche BSW, aber auch die Fraktionslosigkeit.
EL NIKI 1 neu fʼlos
ID
AfD
Die christlich-nationalkonservative NIKI hat angekündigt, fraktionslos zu bleiben. Angesichts ihrer russlandfreundlichen Positionen wären die einzig plausiblen Alternativen ein Beitritt zur ID oder zu einer neuen Fraktion um die deutsche AfD.
EL FL 1 neu fʼlos
ID
AfD
Die rechtspopulistische FL könnte fraktionslos bleiben, aber sich auch einer der Rechtsfraktionen anschließen.
HU Fidesz 10 fʼlos ID
fʼlos
Fidesz kündigte vor der Wahl an, nach Möglichkeit der EKR beitreten zu wollen, was einige derzeitige EKR-Mitglieder (PiS) unterstützten, andere (ODS, SD, AUR sowie Teile der PiS) aber strikt ablehnten. Nach der Wahl erklärte Fidesz, den EKR-Beitritt nicht mehr anzustreben, da dort auch die rumänische AUR vertreten sei. Ein plausibleres Ziel könnte hingegen die ID-Fraktion sein, die sich schon vor der Wahl für einen Fidesz-Beitritt offen gezeigt hat. Das gilt insbesondere, seitdem die ID-Fraktion die deutsche AfD ausgeschlossen hat, mit der die Fidesz nicht kooperieren will.
HU TISZA 7 neu EVP Die von Péter Magyar geführte Mitte-rechts-Partei TISZA hat sich wie erwartet der EVP angeschlossen. Indirekt ging damit der EVP-Austritt der KDNP einher.
HU KDNP 1 EVP ID
fʼlos
Die KDNP ist eine Kleinpartei, die der Fidesz nahesteht und bei Wahlen immer auf einer gemeinsamen Liste mit ihr antritt. Anders als die Fidesz war die KDNP 2021 zunächst in der EVP verblieben. Infolge des EVP-Beitritt der TISZA trat die KDNP nach der Europawahl jedoch aus der EVP aus und könnte sich jetzt derselben Fraktion wie die Fidesz anschließen.
HU MHM 1 neu fʼlos
AfD
Die rechtsextreme MHM würde im Europäischen Parlament gern eine eigene Fraktion gründen, wofür sie möglicherweise auch auf die deutsche AfD setzen könnte.
PT Chega 2 neu ID Chega zieht erstmals ins Parlament ein, ist aber bereits Mitglied der ID-Partei.
SE L 1 RE RE
EVP
Die schwedischen Liberalerna arbeiten auf nationaler Ebene mit den rechtsextremen SD (EKR) zusammen. Die schwedische Centerpartiet fordert deshalb, sie aus der RE-Fraktion auszuschließen. Falls es tatsächlich dazu kommen sollte, könnten die Liberalerna wohl Zuflucht in der EVP-Fraktion suchen. Ein ähnlicher Fall betrifft die niederländische VVD.
BG PP 2 neu RE Die liberale PP hat erstmals Sitze im Europäischen Parlament gewonnen und wird sich wohl der RE-Fraktion anschließen. PP trat als Teil eines zentristischen Wahlbündnisses mit DB an, dessen einziger Europaabgeordneter der EVP angehört.
BG DB 1 EVP EVP DB trat bei der Wahl als Teil des zentristischen Wahlbündnisses PP-DB an. Während sich PP wohl der RE-Fraktion anschließen wird, gehört der gewählte Europaabgeordnete von DB bereits vor der Wahl der EVP an und wird voraussichtlich auch dort verbleiben.
BG V 3 neu ID
AfD
NI
Vǎzrashdane ist seit Anfang 2024 Mitglied der ID-Partei. Allerdings will sich Vǎzrashdane nach Möglichkeit an der Gründung einer neuen Rechtsaußenfraktion um die deutsche AfD beteiligen. Ob sie dafür genügend Partner finden werden, ist allerdings zweifelhaft.
BG ITN 1 neu EKR Wie vor der Wahl angekündigt, ist ITN der EKR-Fraktion beigetreten.
DK LA 1 neu EVP Wie vor der Wahl angekündigt ist die LA der EVP beigetreten.
DK DD 1 neu EKR Wie vor der Wahl angekündigt, sind die DD der EKR-Fraktion beigetreten.
SK Smer 5 fʼlos fʼlos
S&D
BSW
Die slowakische Regierungspartei Smer wurde 2023 von der S&D suspendiert und ist seitdem fraktionslos. Falls die S&D die Suspendierung aufhebt, könnte sie in die Fraktion zurückkehren. Eine Alternative könnte auch eine neue Fraktion mit dem deutschen BSW sein.
SK Hlas 1 neu fʼlos
S&D
BSW
Hlas, die Partei von Staatspräsident Peter Pellegrini, wurde ebenso wie ihr Koalitionspartner Smer von den europäischen Sozialdemokrat:innen suspendiert. Ihre Bündnisoptionen im Parlament sind ähnlich wie die von Smer.
IE II 1 neu fʼlos
EVP
RE
Der Parteichef der rechtspopulistischen II hatte 2023 an einer EKR-Veranstaltung teilgenommen. Der gewählte Europaabgeordnete der Partei schließt einen EKR-Beitritt jedoch aus. Der Beitritt zu einer Mitte-rechts-Fraktion (EVP oder RE) erscheint denkbar, aber unwahrscheinlich, da dort bereits die beiden großen irischen Parteien FG und FF vertreten sind.
IE McNamara 1 neu fʼlos
BSW
S&D
EKR
McNamara ist ein früheres Mitglied der Irish Labour Party, aber vertritt in der Familien- und Umweltpolitik eher konservative Positionen. Er wäre deshalb ein plausibles Ziel für eine neue Fraktion um das deutsche BSW. S&D oder EKR sind denkbare Alternativen.
HR DP 1 neu EKR DP hatte vor der Wahl angekündigt, der ID beizutreten, schloss sich dann aber doch der EKR-Fraktion an.
LT LVŽS 1 G/EFA EKR Die grün-konservative LVŽS trat nach der Wahl von der Fraktion der Grünen/EFA zur EKR-Fraktion über.
LT TTS 1 neu EKR Die TTS hat angekündigt, der EKR beizutreten.
LV LRA 1 neu EKR Bei der regionalistischen LRA war unklar, welcher Fraktion sie sich anschließen würde. Kurz nach der Wahl trat sie der EKR bei.
LV LPV 1 neu EKR
fʼlos
Die rechtspopulistische, aber eher NATO-freundliche LPV steht programmatisch der EKR am nächsten, könnte aber auch fraktionslos bleiben.
EE Madison 1 ID EKR
EVP
ID
Jaak Madison gewann als einziger Kandidat der EKRE (ID) einen Sitz, trat jedoch wenige Tage nach der Wahl aus der Partei aus. Er hat öffentlich sein Interesse erklärt, bei einem „besseren Angebot“ die Fraktion wechseln zu wollen, und ausdrücklich EVP und EKR als Möglichkeiten erwähnt. Da es in der estnischen EVP-Mitgliedspartei Isamaa Vorbehalte gegen seine Aufnahme gibt, könnte die EKR-Fraktion letztlich das plausiblere Ziel sein.
CY ELAM 1 neu EKR Die ELAM stand der EKR schon vor der Wahl nahe und schloss sich ihr erwartungsgemäß an.
CY Fidías 1 neu fʼlos Der YouTuber Fidías Panayiótou hat als unabhängiger Kandidat einen Sitz gewonnen. Welcher Fraktion er sich anschließen wird, ist unklar; nach eigenen Angaben würde er gern eine eigene Fraktion gründen. Da ihm dafür die Partner fehlen, könnte er letztlich fraktionslos bleiben.

Bilder: alle Grafiken: Manuel Müller.

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