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17 Dezember 2021

„Föderaler Bundesstaat“ und „strategische Souveränität“: Die europapolitischen Pläne der Ampelkoalition

Olaf Scholz hält ein Exemplar des Koalitionsvertrags in der Hand
Bringt dieser Kanzler den europäischen Bundesstaat?

Am 8. Dezember hat die neue Bundesregierung ihr Amt angetreten; gleich in den darauffolgenden Tagen reisten Kanzler und Außenministerin zu Antrittsbesuchen in Paris, Brüssel und Warschau. Nach sechzehn Jahren wurde die Ära Merkel durch eine Ampelkoalition abgelöst – eine Zäsur für Deutschland, aber auch für die Europäische Union, in der mit man großem Interesse neue Impulse aus dem größten Mitgliedstaat erwartet.

Mit SPD (SPE), Grünen (EGP) und FDP (ALDE) versammelt die neue Regierung die drei Parteien, die sich in ihren Bundestagswahlprogrammen am markantesten die Weiterentwicklung der EU zum Ziel gesetzt hatten. So will die SPD „die EU zur modernsten Demokratie der Welt machen“ und ein „souveränes Europa in der Welt“ schaffen. Die FDP spricht sich für einen „Verfassungskonvent“ aus, der „die Grundlage für einen föderal und dezentral verfassten Europäischen Bundesstaat“ legen soll. Und die Grünen haben eine „Föderale Europäische Republik mit einer europäischen Verfassung“ zu ihrem „Fixstern“ erklärt.

Der „Bundesstaat“ als Ziel

Es ist deshalb nur folgerichtig, dass es auch im Koalitionsvertrag der drei Parteien nicht an ambitionierten Formulierungen zur Europapolitik mangelt. Am auffälligsten ist zweifellos die Forderung, die bis Mai 2022 laufende Konferenz zur Zukunft Europas solle „in einen verfassungsgebenden Konvent münden und zur Weiterentwicklung [der EU] zu einem föderalen europäischen Bundesstaat führen“. Nach langen Jahren, in denen die deutsche Bundesregierung europapolitischen Visionen nach Möglichkeit aus dem Weg ging, ist diese deutliche Ansage zur Finalität der EU eine erfrischende Veränderung. Vor allem unter Föderalist:innen war die Begeisterung darüber groß.

Andere Reaktionen fielen hingegen skeptisch aus. Immerhin hatte auch die letzte Große Koalition 2018 durchaus prominent von einem „neuen Aufbruch für Europa“ gesprochen, diesen sogar ganz an den Anfang des Koalitionsvertrags gestellt – und dann wenige Taten folgen lassen, wenigstens bis zum Beschluss des historischen Corona-Wiederaufbaufonds im Sommer 2020. Kann man wirklich glauben, dass es der Ampel gelingen wird, die EU innerhalb von vier Jahren in einen Bundesstaat zu verwandeln? Papier ist bekanntlich geduldig.

Reaktionen in anderen Mitgliedstaaten

Auf jeden Fall aber sind die starken Worte im Koalitionsvertrag ein symbolischer Paukenschlag, der auch in anderen EU-Mitgliedstaaten vernommen wurde. Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán sagte der neuen Bundesregierung dann auch gleich in einem Essay den Kampf an; sein polnischer Amtskollege Mateusz Morawiecki bezeichnete ein föderales Europa als gefährlichen „bürokratischen Zentralismus“.

Der frühere belgische Premierminister und liberale Fraktionschef im Europäischen Parlament Guy Verhofstadt begrüßte hingegen, dass Deutschland wieder eine Führungsrolle in Europa übernehme. Und in Frankreich halten nach einer Umfrage 58 Prozent der Bevölkerung die europapolitische Linie der Ampelkoalition für eine „gute Sache“ – mit großer Zustimmung in allen Lagern mit Ausnahme der extremen Rechten.

Die Erwartungen an die neue Bundesregierung sind also hoch. Selbst wenn es mit dem europäischen Bundesstaat so schnell nichts wird, hat sie mit diesem Schlagwort einen Maßstab gesetzt, an dem sie ihre praktische Europapolitik wird messen lassen müssen. Was aber kündigt der Koalitionsvertrag konkret an?

Die Vorhaben im Koalitionsvertrag

In Sachen institutionelle Reform liegt die Ampel ganz auf föderalistischem Kurs: Unter anderem will sie ein stärkeres Europäisches Parlament, ein einheitliches Europawahlrecht mit transnationalen Listen und Spitzenkandidat:innen sowie eine Ausweitung von Mehrheitsabstimmungen im Rat. Großen Raum nimmt zudem die Verteidigung des Rechtsstaats ein – was auch der Hauptgrund für die harschen Reaktionen aus Budapest und Warschau sein dürfte.

Die Pläne in der Wirtschafts-, Fiskal- und Sozialpolitik klingen weniger ambitioniert, aber auch hier gibt sich die Ampel reformbereit und für eine Vertiefung offen. Eine Neuauflage des Corona-Wiederaufbauinstruments in künftigen Krisen wird nicht versprochen, aber auch nicht ausdrücklich ausgeschlossen. In Sachen Freizügigkeit will die Koalition die „Integrität des Schengenraums“ wiederherstellen und Ausnahmeregelungen (die die temporäre Wiedereinführung von Grenzkontrollen ermöglichen) „restriktiver“ nutzen. Asylpolitisch soll es eine „faire Verteilung“ bei der Aufnahme von Geflüchteten sowie eine „europäisch getragene Seenotrettung im Mittelmeer“ geben.

Wofür wird die Ampel politisches Kapital einsetzen?

Auch die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik spielt im Koalitionsvertrag eine große Rolle. Mehrfach ist von einer „strategischen Souveränität der EU“ die Rede – ein Schlagwort, das auch der französische Präsident Emmanuel Macron immer wieder gebraucht und das der Koalitionsvertrag als „eigene Handlungsfähigkeit im globalen Kontext“ sowie als eine verringerte Abhängigkeit in Bereichen wie „Energieversorgung, Gesundheit, Rohstoffimporte und digitale Technologie“ definiert. Dafür sollen außenpolitische Entscheidungen im Rat künftig mit qualifizierter Mehrheit erfolgen, der Europäische Auswärtige Dienst gestärkt werden und die Hohe Vertreter:in als „echte ‚EU-Außenministerin‘“ fungieren – was auch immer Letzteres genau bedeuten mag.

Aber wie das in der Europapolitik so ist: Die meisten dieser Ziele wird die Ampelkoalition nicht allein durchsetzen können, sondern nur durch Kompromisse mit anderen Mitgliedstaaten im Rat. Dies wirft die Frage auf, für welches Vorhaben sie wie viel politisches Kapital einzusetzen bereit ist. Eine Antwort darauf kann sich erst in der Praxis zeigen, und es ist durchaus möglich, dass nicht alle Parteien der Koalition hier immer dieselben Schwerpunkte setzen werden.

Das Europa-Team der neuen Koalition

Nicht zuletzt deshalb sind auch die Personen bedeutsam, die in den nächsten Jahren die europapolitische Verantwortung übernehmen werden. Wenig überraschend haben sich im Kabinett alle Koalitionsparteien relevante Ressorts gesichert: Während die SPD mit Olaf Scholz das Kanzleramt kontrolliert, liegen die für die Europakoordination zuständigen Ministerien – Auswärtiges Amt und Wirtschaftsministerium – in den Händen der grünen Minister:innen Annalena Baerbock und Robert Habeck. Die FDP wiederum holte für Christian Lindner das europapolitisch ebenfalls einflussreiche Finanzministerium.

Interessant für das Profil der Regierung ist aber auch die zweite Reihe: Als europapolitischen Berater im Kanzleramt bringt Scholz seinen Vertrauten Jörg Kukies, einen der Architekten des Corona-Wiederaufbauinstruments, aus dem Finanzministerium mit. Kukies’ Nachfolger als Europa-Staatssekretär wird dort Carsten Pillath, zuvor langjähriger Generaldirektor für Wirtschaft im EU-Ratssekretariat.

Die nächste Kommissar:in könnte ein Grüne:r sein

Im Wirtschaftsministerium werden der Finanzpolitiker Sven Giegold, bisher Leiter der Grünen-Delegation im Europäischen Parlament, sowie Franziska Brantner, bisher europapolitische Sprecherin der grünen Bundestagsfraktion, als Staatssekretär:innen für Europathemen zuständig sein. Die neue Europa-Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Anna Lührmann, hat hingegen einen Hintergrund im Bereich Demokratieförderung – offenbar ein Zeichen für den Stellenwert, den die Rechtsstaatsfrage künftig für die deutsche Europapolitik spielen soll.

Der Vorsitz im Europaausschuss des Bundestags geht ebenfalls an die Grünen. Ihn übernimmt der ehemalige Fraktionsvorsitzende Anton Hofreiter, der bislang vor allem als Umwelt- und Verkehrspolitiker bekannt ist. Und schließlich sollen die Grünen laut Koalitionsvertrag auch das nächste deutsche Kommissionsmitglied vorschlagen, jedenfalls „sofern Deutschland nicht die Kommissionspräsidentin stellt“. Letzteres könnte passieren, falls sich Ursula von der Leyen (CDU/EVP) bei der Europawahl 2024 als Spitzenkandidatin der Europäischen Volkspartei eine zweite Amtszeit sichert. Dem würde sich die neue Bundesregierung offenbar nicht in den Weg stellen.

Mehr europapolitische Debatte zu erwarten

Wie harmonisch das Ampel-Team in den nächsten vier Jahren zusammenarbeiten wird, muss sich zeigen. Eine Drei-Farben-Koalition auf Bundesebene gab es in Deutschland noch nie; und als SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich kurz vor dem Amtsantritt der neuen Regierung erklärte, dass deutsche Außenpolitik „insbesondere im Kanzleramt gesteuert“ würde, kam das bei den Grünen nicht allzu gut an. Auch inhaltlich sind sich die drei Parteien gewiss nicht in allen Fragen einig.

Aber mehr europapolitische Debatte – auch in der Öffentlichkeit – muss ja kein Schaden sein. Der Start der neuen Regierung stimmt jedenfalls zuversichtlich, dass Deutschland in der Europapolitik und die Europapolitik in Deutschland in den kommenden Jahren an Präsenz gewinnen wird.

Dieser Beitrag ist in leicht gekürzter Form auch im Journal für Internationale Politik und Gesellschaft (IPG) erschienen.


Bild: Olaf Scholz mit Koalitionsvertrag: Sandro Halank [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons.

05 November 2021

Eine Ampel für Europa: Perspektiven nach der Bundestagswahl in Deutschland

In der Policy-Brief-Serie #BerlinPerspectives veröffentlicht das Institut für Europäische Politik (IEP) Analysen der deutschen Europapolitik für ein englischsprachiges Publikum. Die Autor:innen beschreiben die deutschen Positionen zu aktuellen Fragen und Debatten und geben auf dieser Grundlage Empfehlungen.

Der aktuelle Beitrag von Funda Tekin und İlke Toygür erscheint auf diesem Blog in deutscher Übersetzung. Das englischsprachige Original ist hier zu finden.

Eine Verkehrsampel, an der das rote, gelbe und grüne Licht zugleich leuchten, vor schwarzem Hintegrund
„Von der nächsten deutschen Regierung wird erwartet, dass sie eine konstruktive Rolle in Europa spielt und dabei klug zwischen Kontinuität und Wandel wählt.“

Die deutschen Bundestagswahlen im September dieses Jahres beendeten die Ära Merkel und stellen die nächste Regierung vor die Herausforderung, ihrem Erbe gerecht zu werden. Angela Merkel erwarb sich einen Ruf als Krisenmanagerin und perfektionierte mit ihrer Fähigkeit, Einigungen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner herbeizuführen, die goldene Regel der europäischen Integration. Das war nicht immer im Sinne aller EU-Mitgliedstaaten. In mehreren Krisen – wie der Krise in der Eurozone, die Griechenland fast aus der Union getrieben hätte, oder den irregulären Migrationsströmen im Jahr 2015, die mit einem Deal mit der Türkei endeten – setzte sie den deutschen Weg durch. Im Jahr 2020 waren es Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, die die Weichen für den bis dahin ehrgeizigsten Konjunkturfonds „Next Generation EU“ stellten.

Der Weg, der vor uns liegt, wenn es um die Zukunft der EU geht, wird nicht weniger holprig sein. Der nächste Regierungschef des größten Mitgliedstaates wird sehr bald wichtige Entscheidungen treffen müssen. Die Liste der offenen Fragen ist lang und reicht von den Fiskalregeln über die Beziehungen zu China bis hin zur Kontinuität von „Next Generation EU“, dem Europäischen Green Deal und dem Migrationspakt. Bedeutet das deutsche Wahlergebnis also Kontinuität oder Wandel für Europa?

Bilanz der Bundestagswahl

Das Wahlergebnis entsprach weitgehend dem, was Umfragen vorausgesagt hatten. Die Sozialdemokratische Partei (SPD/SPE) lag mit 25,7 Prozent der Stimmen in Führung. Die zweitstärkste politische Kraft, die konservative Union (CDU-CSU/EVP), kam auf 24,1 Prozent – 8,8 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2017. Die Grünen (EGP) kamen mit 14,8 Prozent auf den dritten Platz, gefolgt von der Freien Demokratischen Partei (FDP/ALDE) mit 11,5 Prozent. Die rechtsextreme Alternative für Deutschland (AfD/ID-nah) verlor zwar Stimmen, erhielt aber immer noch 10,3 Prozent, während Die Linke (EL) nur 4,9 Prozent erhielt, aber aufgrund von drei Direktmandaten dennoch in den Deutschen Bundestag einziehen konnte.

Auch wenn eine „Jamaika“-Koalition (CDU/CSU, Grüne und FDP) oder eine eventuelle weitere große Koalition zwischen SPD und CDU/CSU nicht völlig ausgeschlossen werden können, ist aktuell davon auszugehen, dass die nächste Regierung aus einer „Ampel“-Koalition (SPD, Grüne und FDP) bestehen wird. Das Wahlergebnis und aktuelle Umfragen deuten darauf hin, dass die Wählerinnen und Wähler Letztere bevorzugen, nicht zuletzt, weil die drei beteiligten Parteien ihren Stimmenanteil gegenüber der Wahl 2017 steigern konnten. Die jeweiligen Parteivorsitzenden haben nach Sondierungsgesprächen in der zweiten Oktoberhälfte Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Das erklärte Ziel ist es, zum Nikolaustag am 6. Dezember 2021 den Koalitionsvertrag präsentieren zu können.

Vieles wird von den Grünen und der FDP abhängen, die als Königsmacher im Koalitionsbildungsprozess fungieren und deren Standpunkte in verschiedenen entscheidenden Fragen erheblich voneinander abweichen. In den Sondierungsgesprächen für die Ampelkoalition haben sie jedoch ihre unterschiedlichen Auffassungen als Mehrwert und nicht als Hindernis für die Bildung einer innovativen Koalition hervorgehoben.

Welchen Weg bereitet die Ampel für Europa?

Die nächste Regierung wird in jedem Fall eine pro-europäische sein. Außerdem verspricht eine Ampelkoalition einen progressiven Neuanfang für Deutschland. Wie viel Wandel oder Kontinuität dies für die Zukunft Europas bedeutet, wird jedoch von den Ambitionen der Regierung in Bezug auf Institutionen und Werte, Außen- und Sicherheitspolitik mit besonderem Augenmerk auf die transatlantischen Beziehungen und die Beziehungen zu China sowie eine grünere Wirtschaft und Finanzen bestimmt werden.

Die geringste Veränderung in der deutschen EU-Politik ist bei den Institutionen und Werten festzustellen. Merkel war im Allgemeinen nicht für große Visionen für die Zukunft Europas bekannt. Ihre pragmatische Herangehensweise, die europäische Integration voranzutreiben, wo dies erforderlich war, kollidierte oft mit den großen Reden Macrons. Was den Pragmatismus angeht, scheint ihr designierter Nachfolger, Olaf Scholz von der SPD, in ihre Fußstapfen zu treten.

Viel Zuspruch für institutionelle Reformen

Dies schließt jedoch kein Reformpotenzial für den künftigen europäischen Integrationsprozess aus. Im Gegenteil: In den Wahlprogrammen der drei Ampelparteien findet sich viel Zuspruch für aktuell in der EU debattierte Reformen, die vom Initiativrecht des Europäischen Parlaments oder der Reform des Europawahlrechts bis zur Stärkung der Rolle der Hohen Vertreter:in der Union für Außen- und Sicherheitspolitik oder der Abschaffung des Einstimmigkeitsprinzips im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik reichen.

Auch für die Konferenz zur Zukunft Europas gibt es breite Unterstützung. Die drei Parteien schließen Vertragsänderungen als Ergebnis der Konferenz nicht aus. Trotz dieser allgemeinen Unterstützung für die Konferenz ist es Deutschland bisher nicht gelungen, eine klare Haltung zu finden. Die Wahlprogramme der Grünen und der Liberalen bieten jedoch die Chance für eine deutlichere Vision – beide halten die Konferenz für eine perfekten Ausgangspunkt, um einen europäischen Bundesstaat zu schaffen. Es wird sich zeigen, wie viel politische Energie eine Ampelregierung für die Konferenz aufwenden wird.

Härteres Vorgehen gegen Rechtsstaatsverstöße

Eines der schwierigen Themen auf der Agenda der nächsten Regierung ist die Verteidigung der Rechtsstaatlichkeit innerhalb der EU und die Frage, was mit Polen und Ungarn geschehen soll. Die Merkel-Regierung kann sich nicht auf die Fahne schreiben, den Regierungen dieser beiden Länder die Stirn geboten zu haben. Auch während der Eskalation mit Polen im Oktober 2021 aufgrund eines Urteils des polnischen Verfassungsgerichts, das den Vorrang des EU-Rechts negiert, hat Merkel für Gespräche und gegen die Anwendung der Rechtsstaatsmechanismen plädiert.

Mit Blick auf die Ampelkoalition ist jedoch zu erwarten, dass in Berlin zukünftig ein härteres Vorgehen gegen Verstöße gegen die Rechtsstaatlichkeit erfolgen wird. In den Wahlprogrammen der drei Parteien kommt ein klares Bekenntnis zur Verteidigung der europäischen Werte, einschließlich Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, zum Ausdruck. Die Grünen betonen die Notwendigkeit eines EU-Mechanismus für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte und fordern die Durchsetzbarkeit der EU-Grundrechtecharta.

Neukalibrierung der Außen- und Sicherheitspolitik

Auch in der Außen- und Sicherheitspolitik ist Veränderungsbedarf festzustellen. Der außenpolitische Ansatz Deutschlands wurde als der eines „zögerlichen Hegemons“ beschrieben. Nach der Annexion der Krim durch Russland im Jahr 2014 zeichnete sich ein langsamer Transformationsprozess hin zu mehr Führungsverantwortung ab. Dies setzte sich mit der von Außenminister Heiko Maas (SPD) wiederholt diskutierten Frage fort, wie die europäische Souveränität in einer multipolaren Weltordnung oder während der COVID-19-Pandemie gesichert werden kann.

Eine Ampelregierung dürfte in verschiedenen Dossiers Kontinuität bevorzugen, aber einige Veränderungen und wichtige Schritte werden angesichts der aktuellen grundlegenden Veränderungen in der Weltordnung unumgänglich sein. Die drei Parteien haben in ihren Sondierungsgesprächen anerkannt, dass sich Deutschland seiner globalen Verantwortung stellen muss.

„Europäische Souveränität“

In den Parteiprogrammen von SPD, Grünen und FDP finden sich klare Bekenntnisse zur Bedeutung der NATO und zu stabilen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Historisch waren die deutschen militärischen Eliten zurückhaltend gegenüber allem, was die transatlantischen Beziehungen schwächen könnte. Deutschland ist deshalb nicht dafür bekannt, sich besonders für die europäische strategische Autonomie zu begeistern (lehnt diese aber auch nicht grundsätzlich ab).

Dennoch wird die nächste Regierung ihre Politik neu kalibrieren müssen, und es sieht so aus, als würden die drei Parteien dies an dem ausrichten, was sie als europäische Souveränität bezeichnen. Nach den chaotischen Jahren der Trump-Administration hatte man in Deutschland gehofft, dass die transatlantischen Beziehungen mit Präsident Joe Biden im traditionellen Sinne wiederhergestellt werden würden. Doch die Art und Weise des Abzugs aus Afghanistan hat deutlich gemacht, dass die transatlantischen Verbündeten über die kommenden Jahre und Jahrzehnte hinweg ihre Kommunikation und Koordination verbessern müssen. Deutschland wird bei der Festlegung der europäischen Prioritäten in dieser Hinsicht eine wichtige Rolle spielen.

Doppelstrategie gegenüber China

In den ersten Merkel-Jahren stand Deutschland China in Bezug auf die Menschenrechte noch kritischer gegenüber und ging manchmal sogar auf Konfrontationskurs, zum Beispiel durch einen Empfang des Dalai Lama. Im Laufe der Jahre schwächte sich die Haltung jedoch im Hinblick auf die wichtigen wirtschaftlichen Beziehungen ab. Auch die Ampelparteien vertreten eine Doppelstrategie, die darin besteht, China gegenüber hart aufzutreten, sofern es notwendig ist, und eine Zusammenarbeit aufzubauen, wo es von Vorteil ist.

Die Beziehungen zwischen der EU und China gehen über die reine Außenpolitik hinaus und erstrecken sich auf die Wirtschaft im Allgemeinen und die Industrie- und Klimapolitik im Besonderen. Das macht es für Deutschland sehr schwer, sich explizit kritisch zu Menschenrechten und Minderheiten in China zu äußern. Die Grünen und die FDP haben jedoch das Investitionsabkommen der EU mit China offen kritisiert – eine von Merkels Prioritäten während der deutschen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2021.

Russland: Diskussion um Nord Stream 2

In Bezug auf Russland würde oder könnte keine Koalitionsregierung die Nord-Stream-2-Pipeline rückgängig machen – ein Projekt, das von der vorherigen Regierung als rein wirtschaftspolitische Angelegenheit behandelt wurde. Allerdings lehnen die Grünen dieses Projekt nicht nur aus menschenrechtlichen, sondern auch aus klima- und umweltpolitischen Gründen offen ab. Die FDP schlägt ein Moratorium für die Pipeline vor, solange Russland seine Menschenrechtspolitik nicht verbessert.

Trotz der Beschlüsse über konfliktbezogene Sanktionen und der Unterstützung Deutschlands für den Oppositionsführer Alexej Nawalny im Jahr 2020 zeigte die Russlandpolitik der Ära Merkel stets ein hohes Maß an Dialogbereitschaft. Auch wenn die Grünen bereit sind, die Möglichkeit schärferer Sanktionen in Betracht zu ziehen, ist von einer Ampelregierung keine grundlegende Änderung zu erwarten, solange die Annexion der Krim nicht gelöst ist.

Wirtschaft und Finanzen: Wie weiter mit „Next Generation EU“?

Im Bereich einer grüneren Wirtschaft und Finanzen wird ein Geben und Nehmen bei den Koalitionsverhandlungen den Umfang der Veränderungen in der deutschen EU-Politik bestimmen. Eine der Schlüsselfragen wird die Fortführung des Wiederaufbaufonds „Next Generation EU“ sein. Gemeinsame Schulden und die Einhaltung der Frist für die Wiederherstellung des Stabilitäts- und Wachstumspakts sind entscheidend für die Zukunft der europäischen Integration. SPD und Grüne wollen den Pakt in einen Nachhaltigkeitspakt umwandeln, der sich stärker auf die Erleichterung von Investitionen konzentriert. Die FDP hat sich dagegen für die Beibehaltung der Regeln stark gemacht.

Die Notwendigkeit von Ausgaben nicht nur für den grünen und digitalen Wandel, sondern auch für die öffentliche Infrastruktur ist in Deutschland ohnehin unumstritten. Die Sondierungsgespräche für die Ampelkoalition haben dem Rechnung getragen und gleichzeitig die Erwartungen bestätigt, dass sich die drei Parteien in der Frage des Stabilitäts- und Wachstumspakts gegenseitig neutralisieren werden. Sie teilen die allgemeine Erkenntnis, dass der Pakt ausreichend flexibel ist und den Rahmen für die Gewährleistung von Wachstum und Schuldentragfähigkeit sowie für klimaneutrale Investitionen bieten sollte.

Streit um EU-Steuern, aber Unterstützung für CO2-Grenzausgleich

In Bezug auf die Transformation der Wirtschaft sind es insbesondere die Grünen, die für eine „klimafreundliche“ Regierung stehen wollen. Während alle drei Parteien das Ziel der europäischen Klimaneutralität bis 2050 oder früher teilen, unterscheiden sich ihre Positionen in Bezug auf die Mittel, um dies zu erreichen. FDP und Grüne setzen auf Emissionshandelssysteme, wobei Erstere einen marktwirtschaftlichen Ansatz bevorzugt, während Letztere auf staatliche Regelungen, eine CO2-Grenzausgleichssteuer oder eine Plastiksteuer abzielen. Allgemein befürworten die Grünen EU-weite Besteuerungen, auch von großen Digitalkonzernen, die zur Aufstockung des EU-Haushalts beitragen würden, während die FDP EU-Steuern grundsätzlich ablehnt.

Dennoch ist zu erwarten, dass die Ampelkoalition den Weg für eine grünere Wirtschaft ebnen wird. Auch die SPD teilt die Forderung der beiden anderen Parteien, dass die EU die Einnahmen aus dem CO2-Grenzausgleich zurückerhalten soll. Entscheidend ist, dass dieses Thema im Wahlkampf eine wichtige Rolle spielte und in der Öffentlichkeit große Aufmerksamkeit erregte.

Schlussfolgerungen und politische Empfehlungen

Die nächste deutsche Regierung wird noch gespaltener sein als ihre Vorgänger. Mit drei Koalitionspartnern wird der nächste Bundeskanzler gezwungen sein, Differenzen auf politischer Ebene auszugleichen, was seine Handlungs- und Einflussmöglichkeiten auf europäischer Ebene einschränken könnte – zumindest in den ersten Monaten seiner Amtszeit. Die Aufteilung der Ministerien auf die drei Parteien wird entscheidend sein. Die Kooperationsfähigkeit der Ministerien wird sich auf die Handlungsfähigkeit Deutschlands auf europäischer Ebene auswirken.

Jedenfalls wird die nächste deutsche Regierung eine pro-europäische sein. Wie erwähnt ist unter einer Ampelkoalition kein grundlegender Wandel in der deutschen Europapolitik zu erwarten, auch wenn die Vorsitzenden der Parteien entschlossen sind, einen Neuanfang für Deutschland zu begründen. Wie mutig die Regierung die europäische Integration vorantreiben wird, bleibt jedoch abzuwarten.

Alles in allem wird von der nächsten deutschen Regierung erwartet, dass sie eine konstruktive Rolle in Europa spielt und dabei klug zwischen Kontinuität und Wandel wählt. Die folgenden Empfehlungen könnten sie leiten.

Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und EU-Prioritäten verdeutlichen

Die nächste Regierung sollte versuchen, der deutschen Öffentlichkeit die Gemeinsamkeiten zwischen den deutschen und europäischen Prioritäten zu verdeutlichen, anstatt ihre Unterschiede zu betonen. Dies würde das deutsche Engagement für das Integrationsprojekt für die kommenden Jahre sichern. Der Kampf gegen den Klimawandel und der digitale Wandel sind wichtige Agendapunkte, die zu Synergien auf beiden Ebenen führen könnten.

Verhältnis zu Frankreich pflegen, aber auch andere einbeziehen

Die Chemie zwischen Berlin und Paris wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die Zukunft der europäischen Integration geht. Auch wenn es zwischen Frankreich und Deutschland strukturelle Unterschiede in der Politikgestaltung gibt, ist die Notwendigkeit der Zusammenarbeit offensichtlich. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Fragmentierung in der EU sollte Deutschland jedoch mehr tun, um andere Länder – wie Italien, Spanien und die Niederlande – mit einzubeziehen.

Supranationale Institutionen unterstützen

Die nächste Regierung sollte nach Möglichkeiten suchen, die Europäische Kommission zu unterstützen, wenn es um wichtige Themen wie den Klimawandel geht. Zwischenstaatliche Führung ist gut, aber supranationale Institutionen sollten unterstützt werden.

Klare Haltung zur Zukunftskonferenz entwickeln

Die nächste Regierung sollte auch eine klare Position zur Konferenz zur die Zukunft Europas formulieren, um das Beste aus diesem Format zu machen und die institutionelle Reformagenda der EU aktiv mitzugestalten.

Deutlicher Position zur Rechtsstaatlichkeit beziehen

Die Beziehungen zwischen Brüssel und den mittel- und osteuropäischen Mitgliedsstaaten waren schon immer sehr stark von der Haltung Deutschlands abhängig. Angesichts der zunehmenden Spannungen beim Schutz der Rechtsstaatlichkeit in Europa muss sich Deutschland in dieser Frage deutlicher äußern und die übrigen Mitgliedsstaaten in die Debatte einbeziehen.

Außenpolitische Strategie überdenken

Global gesehen sollte die Widerstandsfähigkeit der EU für die kommenden Jahre und Herausforderungen entscheidend sein. Zu diesem Zweck sollte ihre Strategie in den Schlüsselregionen der Welt überdacht werden. Ein Vorstoß zur Konsolidierung der Allianzen im indopazifischen Raum ist dringend erforderlich. Die EU sollte auch ihre Nachbarschaftsstrategie überdenken, da die Erweiterungspolitik nicht mehr die gleichen Ergebnisse zeigt wie früher.

Offener für differenzierte Integration werden

Nicht zuletzt gibt es eine historische Spannung zwischen denjenigen, die eine „Koalition der Willigen in der EU“ befürworten, und denjenigen, die betonen, dass niemand zurückgelassen werden darf. Deutschland gehörte unter Merkel eher zum zweiten Lager. Zukünftig sollte man offener für Allianzen innerhalb der Union sein, um in Schlüsselbereichen der Integration voranzukommen. Dies sollte jedoch im Einklang mit der europäischen Solidarität geschehen.


Dr. İlke Toygür ist Analystin für europäische Angelegenheiten am Real Instituto Elcano und lehrt Politikwissenschaft an der Universidad Carlos III Madrid.

Dieser Beitrag baut auf Überlegungen auf, die die Autorinnen in ihrem Papier „What’s in the German ballot box for European integration? – Continuity and Change“ (Real Instituto Elcano) dargelegt haben.


Übersetzung aus dem Englischen: Julina Mintel.
Bild: Ampel: Niels Sienaert [CC BY-NC-ND 2.0], via Flickr.

19 September 2021

Wie stehen die deutschen Parteien zur EU? Der EUROMAT zur Bundestagswahl 2021

Welche Partei steht Ihnen europapolitisch am nächsten?

Die Bundestagswahl steht vor der Tür – und damit auch eine Richtungsentscheidung für die Europäische Union. Die neue Bundesregierung, die aus dieser Wahl hervorgeht, wird im Rat der EU an der Gesetzgebung und der Ernennung zahlreicher europäischer Amtsträger:innen beteiligt sein. Bei vielen wichtigen Entscheidungen, etwa in der gemeinsamen Außen-, Steuer- oder Sozialpolitik, wird sie ein Vetorecht besitzen. Und wenn es um die institutionelle Weiterentwicklung der EU oder um Vertragsreformen geht, führt ohnehin kein Weg am größten Mitgliedstaat und seinem Parlament vorbei.

Im Wahlkampf kommt Europa bislang kaum vor

Mit ihrem Stimmzettel werden die deutschen Wähler:innen deshalb großen Einfluss auf die Ausrichtung der EU in den kommenden vier Jahren nehmen. Um eine bewusste Entscheidung zu treffen, müssten sie dazu allerdings wissen, wo die Parteien europapolitisch eigentlich stehen. Im Bundestagswahlkampf ist die EU bislang jedoch auf fast schmerzhafte Weise abwesend. Das ist kein neues Phänomen, in diesem Jahr aber besonders auffällig. Wahlplakate mit Europamotiven beispielsweise findet man diesmal – anders als noch vor vier Jahren – allenfalls bei Kleinparteien wie Volt oder den Republikanern. In den Kanzlerkandidaten-Triellen kam Europa ebenfalls kaum vor, abgesehen von einer WDR-Sendung im Mai, die lange vor der eigentlichen heißen Wahlkampfphase lief.

Und auch der bekannte Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung ist keine echte Hilfe, um die doch durchaus existierenden europapolitischen Unterschiede zwischen den Parteien zu verstehen. In der Ausgabe zur Bundestagswahl befasst sich nur eine einzige These explizit mit der EU. Und diese lautet: „Deutschland soll aus der Europäischen Union austreten“ – eine Forderung, die keine einzige Partei mit Regierungsaussichten vertritt und die in der politischen Debatte so gut wie überhaupt keine Rolle spielt.

Ein europapolitischer Wahlkompass

Um diese Lücke zu schließen, ist auf diesem Blog ab heute der EUROMAT zu finden – ein interaktives Instrument, mit dem Nutzer:innen ihre eigenen europapolitischen Standpunkte mit denen der deutschen Parteien vergleichen können.

Der EUROMAT funktioniert ähnlich wie der Wahl-O-Mat: Als Nutzer:in bewerten Sie wie die Parteien 23 Thesen zur europäischen Integration mit „Stimme zu“, „Stimme nicht zu“ oder „Neutral“. Das Programm berechnet dann, wie weit Ihre Antworten mit denen der Parteien übereinstimmen. Anders als die Parteien können Sie auch einzelne Thesen überspringen sowie im Nachhinein die Thesen markieren, die Ihnen besonders wichtig sind. Zum Abschluss können Sie schließlich sämtliche Positionen der Parteien miteinander vergleichen und nachlesen, wie die Parteien ihre Standpunkte jeweils begründet haben.

Vier Betreiber-Organisationen

Dies ist nicht die erste Ausgabe des EUROMAT. Tatsächlich hatte er gleich drei Vorläufer bei der Bundestagswahl 2017: Damals gab es den „europapolitischen Wahlkompass“ auf diesem Blog, den „Euromat“ der beiden Vereine Pulse of Europe und Polis 180 sowie den „EUromat“ der Jungen Europäischen Föderalisten. In diesem Jahr haben wir unsere Kräfte gebündelt, sodass der neue EUROMAT 2021 ein gemeinsames Projekt von vier Institutionen ist:

  • die Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland, die sich als Jugendverband der Europa-Union Deutschland seit über 70 Jahren für ein demokratisches und föderales Europa einsetzen,
  • Pulse of Europe, eine 2016 gegründete unabhängige Bürgerbewegung mit dem Ziel, den europäischen Gedanken wieder sichtbar und hörbar zu machen,
  • Polis180, ein 2015 gegründeter Graswurzel-Thinktank für Außen- und Europapolitik,
  • und natürlich Der (europäische) Föderalist.

Alle vier Organisationen sind parteipolitisch unabhängig.

Neun Parteien

Bereits im Juli wurden alle deutschen Parteien, die bei der Europawahl 2019 Sitze im Europäischen Parlament gewonnen haben, eingeladen, sich am EUROMAT zu beteiligen. Neun von ihnen – SPD (SPE), CDU/CSU (EVP), Grüne (EGP), FDP (ALDE), Linke (EL), Freie Wähler (EDP), Volt, Piraten und Tierschutzpartei – haben auf die Anfrage reagiert, die Thesen beantwortet und ihre Antworten großteils auch begründet. Die Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit der Begründungen liegt allein bei den Parteien.

Eine Besonderheit gibt es allerdings für die beiden größten Parteien: CDU/CSU und SPD haben zwar zunächst zugesagt, die Thesen zu beantworten, dies aber bis zum Redaktionsschluss am 9. September 2021 nicht (im Fall der CDU/CSU) oder nicht vollständig (im Fall der SPD) getan. Die fehlenden Positionen dieser beiden Parteien wurden hier deshalb entsprechend ihren Wahlprogrammen ergänzt. Statt einer Begründung finden sich im EUROMAT die einschlägigen Auszüge aus dem Wahlprogramm oder anderen öffentlichen Stellungnahmen der Partei.

23 Thesen

Mit insgesamt 23 Thesen deckt der EUROMAT ein breites thematisches Spektrum ab – von der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik über die Asyl- und Klimapolitik bis zur institutionellen Reform der EU. Zur besseren Allgemeinverständlichkeit gibt es zu allen Thesen noch kurze Texte, die in wenigen Sätzen erklären, worum es dabei genau geht. Diese Erklärungen lassen sich beim Beantworten der Thesen durch einen Klick auf das Fragezeichen-Symbol aufrufen.

Darüber hinaus haben wir den Parteien noch einige weitere Thesen vorgelegt, die nicht in die finale Fassung des EUROMAT aufgenommen wurden. Das hatte unterschiedliche Gründe, lag aber häufig daran, dass sich die Antworten der Parteien nicht oder nur geringfügig unterschieden.

Immerhin: Auch dieser breite Konsens in einigen Fragen ist eine interessante Beobachtung und soll an dieser Stelle kurz dokumentiert werden. Alle Parteien, von denen wir bis zum 9. September 2021 Antworten erhalten haben, sprachen sich dafür aus, dass

  • die EU gegen die polnische und ungarische Regierung Sanktionen wegen Rechtsstaatlichkeitsverstößen verhängt,
  • die Konferenz zur Zukunft Europas in eine EU-Vertragsreform mündet,
  • das Europäische Parlament das Recht bekommt, eigene Gesetze vorzuschlagen,
  • die Mitglieder der EU-Kommission allein vom Europäischen Parlament gewählt werden,
  • auf Importe in die EU eine Grenzabgabe entsprechend der verursachten CO2-Emissionen gezahlt wird,
  • die EU ein neues Seenotrettungsprogramm im Mittelmeer startet,
  • die EU eine verpflichtende Tierwohl-Kennzeichnung für Lebensmittel einführt.

Hingegen waren alle Parteien dagegen, dass

  • die seit 2015 existierenden Kontrollen an der deutschen Außengrenze auch nach dem Ende der Corona-Pandemie weitergeführt werden,
  • Deutschland aus der EU austritt. (Ja, auch wir haben diese Frage gestellt!)

Übrigens

Technisch umgesetzt wurde der EUROMAT von Moritz Kröger, der auch schon den Euromat 2017 von Pulse of Europe und Polis 180 programmiert hat. Auf diesem Blog ist der EUROMAT über die Website euromat.info eingebunden. Personenbezogene Daten fallen bei der Nutzung des EUROMAT kaum an. Die dazugehörige Datenschutzerklärung ist hier zu finden.



Bild: Eigenes Werk (Screenshot).

15 September 2021

Offener Brief: Mehr Europa im Endspurt des Bundestagswahlkampfs 2021, mehr Europa in der deutschen Berichterstattung!

Vor der Bundestagswahl 2021 haben die Jungen Europäischen Föderalisten, die Europa-Union Deutschland und die Europäische Bewegung Deutschland einen offenen Brief an die Chefredaktionen der privaten Sendeanstalten ProSieben, Sat.1 und Kabeleins sowie an die Chefredaktionen der deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF verfasst.

EU-Flagge vor dem Bundestag
„Bundestagswahlen sind auch Europawahlen. Trotzdem werden europäische Themen im bisherigen Bundestagswahlkampf kaum diskutiert.“

Berlin, den 14. September 2021

Sehr geehrter Herr Pietsch, sehr geehrter Herr Vaupel, sehr geehrte Frau Eßling, sehr geehrter Herr Carl,
sehr geehrter Herr Köhr, sehr geehrter Herr Frey,

Bundestagswahlen sind auch Europawahlen, weil europäische Politik nicht nur in den EU-Institutionen in Brüssel, sondern eben auch im Bundestag gestaltet wird. Trotzdem werden europäische Themen im bisherigen Bundestagswahlkampf kaum diskutiert und in publikumsstarken Sendeformaten wie den Triellen vom 29. August 2021 und vom 12. September 2021 blieben Fragen nach den Ideen der Kanzlerkandidat*innen zur Zukunft Deutschlands in Europa und der Welt aus.

Vor dem Hintergrund der vielfältigen Herausforderungen, vor denen wir gemeinsam in Europa derzeit stehen – die Klimakrise, eine fehlende funktionierende Asyl- und Migrationspolitik, ungenügende außenpolitische Handlungsfähigkeit, erodierende demokratische und rechtsstaatliche Prinzipien –, und angesichts der verantwortungsvollen Rolle, die Deutschland als bevölkerungsreichstem Mitgliedstaat zukommt, ist dies aus unserer Sicht ein großes Versäumnis!

Wir fordern daher: Mehr Europa im Endspurt des Bundestagswahlkampfs 2021, mehr Europa in der deutschen Medienlandschaft!

An die Chefredaktionen der privaten Sendeanstalten ProSieben, Sat.1 und Kabeleins: Nutzen Sie das Triell am 19. September 2021, um Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz auf den europapolitischen Zahn zu fühlen!

An die Chefredaktionen der deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ARD und ZDF: Nutzen Sie die gemeinsame Schlussrunde der Spitzenkandidat*innen am 23. September für die Platzierung europapolitischer Themen!

Bereits im Januar 2021 offenbarte eine repräsentative Studie des Meinungsforschungsinstitut Forsa, die von der Europäischen Bewegung Deutschland e.V. (EBD) in Auftrag gegeben wurde, dass 5 von 6 Deutschen sich europäische Themen im Wahlkampf wünschen. Das zeigt ganz klar: Deutsche Wähler*innen wollen über Europa debattieren! Damit Wähler*innen eine fundierte Wahlentscheidung treffen können, ist es wichtig, dass sie über die verschiedenen Positionen der Kandidat*innen informiert werden und wissen, welche konkreten Maßnahmen diese in den nächsten Jahren auch auf europäischer Ebene angehen wollen. Das ist entscheidend für eine funktionierende Demokratie!

Nutzen Sie die Chance und werden Sie Ihrer Aufgabe, zu einer starken öffentlichen Meinungsbildung beizutragen, gerecht. Wir zählen auf Ihr Mitwirken!

Mit freundlichen Grüßen

Clara Föller
Bundesvorsitzende Junge Europäische Föderalisten

Rainer Wieland, MdEP
Präsident Europa-Union Deutschland

Dr. Linn Selle
Präsidentin Europäische Bewegung Deutschland

Unterzeichnende Organisationen und Initiativen

Autorenteam HERR & SPEER
Der (europäische) Föderalist
Europäische Akademie Berlin
Pulse of Europe Deutschland

Unterzeichnende Personen

Harm Adam
Katharina Borngässer
Emmeline Charenton
Anna Depernay-Grunberg, MdEP
Daniel Freund, MdEP
Peter Funk
Sebastian Gröning-von Thüna
Simon Gutleben
Alessandro Hammerstaedt
Vincent Heer
Dr. Christian Johann
Szilvia Kalmár
Manuel Knapp
Moritz Körner, MdEP
Jula Lühring
Rosanna Martens
Christian Moos
Dr. Manuel Müller
Hanna Neumann, MdEP
Niklas Nienaß, MdEP
Terry Reintke, MdEP
Fritjof Rindermann
Jutta Paulus, MdEP
Friederike Schier
Marius Schlageter
Christoph F. Siekermann
Martin Speer
Malte Steuber
Vincent Venus
Christian Weickhmann

14 September 2021

Wenn am nächsten Sonntag Europawahl wäre (September 2021): Sozialdemokratie im Aufschwung


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637136
Juli 2152451339716771743135
Sept. 2154421419816070753332
dynamisch564814510716022*11651

Basis-Szenario,
Stand: 13.9.2021.


Dynamisches Szenario,
Stand: 13.9.2021.

In Deutschland steht die Bundestagswahl vor der Tür, und wenn die Umfragen nicht sehr trügen, wird sie einige Veränderungen mit sich bringen. Nach sechzehn Jahren an der Regierung könnte die CDU/CSU (EVP) wieder in der Opposition landen, während die SPD (SPE) stärkste Partei wird und ins Kanzleramt einzieht. Auch für die EU hätte das beachtliche Folgen: Die Europäische Volkspartei, die noch vor zehn Jahren die europäische Politik dominierte, würde in keinem der fünf größten Mitgliedstaaten mehr die Regierung anführen. Das wäre eine absolute Neuheit – abgesehen von vierzehn Monaten 1981/82 war seit Beginn der europäischen Integration zu jedem Zeitpunkt in mindestens einem der drei großen Gründungsländer Deutschland, Frankreich und Italien eine Mitte-Rechts-Regierungschef:in im Amt.

Auch in der Sitzprojektion für das Europäische Parlament machen sich der Aufschwung der SPD und der Absturz der CDU deutlich bemerkbar. Im Vergleich zur letzten Projektion von Mitte Juli gewinnt die sozialdemokratische S&D-Fraktion acht Sitze hinzu, während die EVP sieben Sitze verliert. In beiden Fällen ist das ausschließlich auf die Entwicklung in Deutschland zurückzuführen. Die EVP hält sich zwar weiterhin als stärkste Kraft, doch mit 19 Sitzen im Basis- und sogar nur 15 Sitzen im dynamischen Szenario ist ihr Vorsprung auf die S&D so knapp wie seit dem Brexit nicht mehr.

CDU zieht EVP herab

Im Einzelnen kommt die EVP noch auf 160 Sitze (–7). Das ist nicht nur der schwächste Wert, den sie in der seit 2014 berechneten Sitzprojektion jemals erreicht hat; mit einem Sitzanteil von weniger als 23 Prozent läge sie auch unterhalb ihres bislang schlechtesten Wahlergebnisses bei der Europawahl 1989.

Doch nicht überall ist die Lage für die EVP so schlecht wie in Deutschland. Lässt man die CDU/CSU außer Acht, so bleiben die Werte der Fraktion seit Juli insgesamt unverändert. In Polen konnte die PO ihre Position als stärkste Oppositionspartei konsolidieren, in Bulgarien profiliert sich das konservativ-grüne Wahlbündnis DB (mit DSB/EVP und ZD/G-EFA) als Mitte-rechts-Alternative zur als korrupt geltenden langjährigen Regierungspartei GERB. In Spanien verteidigt der PP seinen erst vor kurzem wiedergewonnenen ersten Platz in den nationalen Umfragen und liegt in der Sitzprojektion fast mit der deutschen CDU/CSU gleichauf.

SPD stärkt S&D

Umgekehrt ist das Bild bei den Sozialdemokrat:innen, die mit 141 Sitzen (+8) in der Projektion ihren besten Wert seit einem Jahr erreichen. Auch hier ist der starke Zuwachs nur auf die deutsche SPD zurückzuführen, die nun zum ersten Mal in dieser Wahlperiode auch wieder die stärkste Einzelpartei in der S&D-Fraktion wäre.

In den meisten übrigen Mitgliedstaaten sind die sozialdemokratischen Parteien hingegen nur stabil. Während sie in Rumänien und Litauen leicht zulegen können, fallen sie in Kroatien zurück. In der Slowakei kann das S&D-Mitglied Smer-SSD zwar hinzugewinnen, doch geht dies vor allem auf Kosten der ebenfalls sozialdemokratischen Hlas-SD. Trotz des deutschen Höhenflugs bleibt die S&D damit wenigstens im Basisszenario der Projektion auch noch unterhalb ihres Wahlergebnisses von 2019, das bereits das schlechteste aller Zeiten war. Immerhin scheint der europaweite Abwärtstrend aber fürs Erste etwas gebremst worden zu sein.

Sonne und Schatten bei RE

Für die liberale RE-Fraktion brachten die letzten Wochen sowohl gute als auch schlechte Nachrichten (98 Sitze/+1). In Spanien haben sich die Ciudadanos nach ihrem dramatischen Absturz im Frühling wieder etwas gefangen. In Tschechien baut die ANO vor der nationalen Parlamentswahl im Oktober ihre Führungsposition aus. In Deutschland erscheinen die Freien Wähler erstmals in bundesweiten Umfragen (und werden deshalb auch in der Sitzprojektion jetzt mit ihrem Umfragewert statt mit dem Ergebnis bei der Europawahl 2019 geführt).

Umgekehrt steckt die rumänische USR-PLUS in einem Tief; es bleibt abzuwarten, ob sie sich daraus durch den jüngst vollzogenen Rückzug aus der Regierungskoalition befreien können. Auch die ungarische Momentum befindet sich seit Anfang des Jahres im Abwärtstrend. In Litauen würde die erst 2019 gegründete, rasch aufgestiegene und seit 2020 mitregierende Laisvės Partija nun wieder knapp an der Fünfprozenthürde scheitern.

Grüne erneut schwächer

Die grüne G/EFA-Fraktion zählt wie die EVP zu den Leidtragenden des deutschen Bundestagswahlkampfs. Mit 42 Sitzen (–3) erreicht sie in der Projektion den schlechtesten Wert seit Herbst 2018. Doch während sie sich damals mitten in einem langanhaltenden Aufschwung befand (der „grünen Welle“, die dann im Rekordergebnis bei der Europawahl 2019 gipfelte), sind ihre Werte nun schon seit einiger Zeit rückläufig.

Eine Ausnahme bildeten die deutschen Grünen, die sich lange auf sehr hohem Niveau halten konnten. In den letzten Wochen sind jedoch auch sie in den Umfragen deutlich zurückgefallen, was sich auch auf die Werte der Fraktion insgesamt niederschlägt. Außerhalb Deutschlands gibt es bei den Grünen hingegen wenig Veränderungen. In den Niederlanden würde Volt den Einzug ins Europäische Parlament nun wieder knapp verpassen; die bulgarische ZD hingegen könnte als Teil des schwarz-grünen Bündnisses DB einen Sitz gewinnen.

Linke legt zu, rechts wenig Neues

Die Linksfraktion im Europäischen Parlament wiederum kann in der Sitzprojektion leicht zulegen und erreicht mit 54 Sitzen (+2) ihren besten Wert in dieser Wahlperiode. Der Zuwachs geht zurück auf die italienische Linke, die sich zuletzt knapp oberhalb der nationalen Vierprozenthürde stabilisiert hat, und auf die irische Sinn Féin, die in den nationalen Umfragen nun recht deutlich vor den beiden Regierungsparteien FF (RE) und FG (EVP) den ersten Platz einnimmt.

Wenig Neues gibt es auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Die rechtskonservative EKR-Fraktion verliert in der Projektion minimal (70 Sitze/–1), da ihre niederländische Mitgliedspartei JA21 nun knapp nicht mehr ins Parlament einziehen würde.

Hingegen kann die Rechtsaußenfraktion ID leicht zulegen (75/+1). Während die deutsche AfD und die österreichische FPÖ minimal hinzugewinnen, fällt die italienische Lega weiter zurück und liegt jetzt in fast allen Umfragen hinter den um ein ähnliches Wählerpotenzial konkurrierenden FdI (EKR).

Fraktionslose und sonstige Parteien

Wieder etwas größer als im Sommer ist auch die Gruppe der fraktionslosen Parteien (33 Sitze/+2). Hier kann das italienische M5S leicht dazugewinnen. Erstmals ins Parlament einziehen würde außerdem die rechtsextreme slowakische Partei Republika, die sich im März 2021 de facto von der neofaschistischen ĽSNS abgespalten und diese in den Umfragen inzwischen überholt hat.

Einige Veränderungen gibt es schließlich auch bei den „sonstigen Parteien“, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und keiner Fraktion eindeutig zugeordnet werden können (32 Sitze/–3). In Polen fällt die zentristische PL2050, in den Umfragen vor einigen Monaten noch stärkste Oppositionskraft, weiter zurück. Auch die populistische ITN aus Bulgarien erleidet Einbußen. Sie hatte im Juli die nationalen Parlamentswahl gewonnen, war dann aber bei der Regierungsbildung gescheitert, sodass es im November nun zu den dritten Wahlen innerhalb eines Jahres kommen wird. Hingegen könnte die nationalistisch-irredentistische Vuzrashdane nun knapp einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen.

Deutliche Zugewinne erfährt zudem die links-grüne Možemo aus Kroatien, die in den jüngsten Umfragen zur stärksten Oppositionskraft des Landes gewachsen ist. Die rechtskonservative DPMŠ aus Kroatien und die zentristisch-populistische Přísaha aus Tschechien sind hingegen nicht mehr im Tableau vertreten.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem nationale Parteien in der Regel jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind; Parteien ohne klare Zuordnung werden als „sonstige Parteien“ ausgewiesen.

Demgegenüber geht das dynamische Szenario von stärkeren Annahmen aus. Zum einen ordnet es insbesondere die „sonstigen Parteien“ der Fraktion zu, der diese plausiblerweise am nächsten stehen. Zum anderen geht das dynamische Szenario von einer Neusortierung der Rechtsfraktionen aus, die hier näher beschrieben ist. Die Veränderungen im dynamischen Szenario gegenüber dem Basisszenario sind in der Tabelle durch farbige Schrift und durch einen Hinweis im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637136
Juli 2152451339716771743135
Sept. 2154421419816070753332
dynamisch564814510716022*11651

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
DE 6 Linke 15 Grüne
1 Piraten
1 ÖDP
1 Volt
23 SPD 11 FDP
3 FW
20 Union
1 Familie

11 AfD 2 Partei 1 Tier
FR 9 FI 6 EELV 6 PS 25 LREM 9 LR
24 RN

IT 4 Sinistra
16 PD
6 FI
1 SVP
18 FdI 17 Lega 14 M5S
ES 6 UP
1 Bildu
1 ERC 16 PSOE 2 Cʼs
1 PNV
19 PP 10 Vox
1 JxC 2 MP
PL

4 Lewica
14 KO
21 PiS

8 PL2050
5 Konf
RO

14 PSD 4 USR-PLUS 8 PNL
1 PMP
1 UDMR
5 AUR


NL 2 SP
1 PvdD
2 GL
2 PvdA 9 VVD
5 D66
2 CDA
1 CU
1 SGP 4 PVV

EL 6 Syriza
2 KINAL
10 ND 1 EL
1 KKE 1 MeRA25
BE 3 PTB-PvdA 1 Groen
1 Ecolo
1 Vooruit
2 PS
1 O-VLD
2 MR
1 CD&V
1 cdH
1 CSP
3 N-VA 4 VB

PT 1 BE
1 CDU

10 PS 1 IL 6 PSD
2 CH

CZ 1 KSČM 3 Piráti 1 ČSSD 7 ANO 1 TOP09
2 STAN
1 KDU-ČSL
3 ODS 2 SPD
HU

4 DK
1 MSzP
1 MM 1 KDNP

3 Jobbik
11 Fidesz

SE 2 V
6 S 2 C 5 M
1 KD
5 SD


AT
2 Grüne 4 SPÖ 2 Neos 7 ÖVP
4 FPÖ

BG
1 ZD 3 BSP 2 DPS 4 GERB
2 DSB



3 ITN
1 IBG-NI
1 Vuzr
DK 1 Enhl. 1 SF 5 S 2 V
1 RV
2 K
1 DF
1 NB
FI 1 Vas 2 Vihreät 2 Kesk 3 Kok
3 PS

SK

3 Smer-SSD 1 PS 2 OĽANO
1 KDH
2 SaS 1 SR 1 REP 3 Hlas-SD
IE 6 SF

3 FF 4 FG



HR

2 SDP
6 HDZ


1 Most
3 Možemo
LT
3 LVŽS 3 LSDP 1 LRLS
1 DP
3 TS-LKD



LV

2 SDPS 1 AP!
1 ZZS
1 JV
1 JKP
1 NA

1 Prog
SI 1 Levica
2 SD 1 LMŠ 3 SDS-SLS
1 NSi




EE


2 RE
2 KE


2 EKRE
1 E200
CY 2 AKEL
1 EDEK
3 DISY



LU
1 Gréng 1 LSAP 2 DP 2 CSV



MT

4 PL
2 PN




Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
13.09.2021 54 42 141 98 160 70 75 33 32
21.07.2021 52 45 133 97 167 71 74 31 35
24.05.2021 50 50 125 95 167 74 73 33 38
29.03.2021 52 46 136 96 164 71 73 34 33
02.02.2021 52 45 135 94 184 70 71 21 33
09.12.2020 52 47 136 93 188 67 73 20 29
12.10.2020 51 49 127 96 193 67 71 21 30
14.08.2020 50 53 145 88 196 65 64 20 24
25.06.2020 48 55 143 91 203 64 63 20 18
26.04.2020 47 53 151 88 202 66 66 19 13
10.03.2020 51 58 138 88 188 67 82 21 12
09.01.2020 49 58 135 93 186 65 82 24 13
23.11.2019 48 57 138 99 181 62 82 22 16
23.09.2019 49 61 139 108 175 56 82 24 11
30.07.2019 47 64 138 108 180 57 82 22 7
Wahl 2019 40 68 148 97 187 62 76 27

Die Zeile „Wahl 2019“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 2. Juli 2019, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2019.
Angegeben sind jeweils die Werte im Basisszenario ohne das Vereinigte Königreich. Eine Übersicht der Werte mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit bis Januar 2020 ist hier zu finden. Eine Übersicht älterer Projektionen aus der Wahlperiode 2014-2019 gibt es hier.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Sofern eine Partei im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet ist als im Basisszenario, ist dies ebenfalls im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Europawahl erklärt. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet; zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder die letzte solche Umfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. Dies betrifft folgende Parteien: Spanien: Más País (1., 3. Listenplatz), Compromís (2.) und Equo (4.); ERC (1., 3.-4.), Bildu (2.) und BNG (5.); PNV (1.) und CC (2.); Niederlande: CU (1., 3.-4.) und SGP (2., 5.); Tschechien: ODS (1., 3., 5., 7.), KDU-ČSL (2., 6.) und TOP09 (4., 8.); Piráti (1., 3.-4., 6.-7.) und STAN (2., 5., 8.); Ungarn: Fidesz (1.-6., ab 8.) und KDNP (7.); Bulgarien: DSB (1.-2.) und ZD (3.); Slowakei: PS (1.) und Spolu (2.).
In Ungarn haben sich mit Blick auf die nationale Parlamentswahl 2022 fast alle Oppositionsparteien (DK, MSZP, MM, LMP, Jobbik) zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen, sodass einige nationale Umfragen nur noch einen gemeinsamen Wert für sie ausweisen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Wahlbündnis auch bei der nächsten Europawahl Bestand hat. Für die Sitzprojektion werden deshalb bevorzugt Umfragen berücksichtigt, die die Umfragewerte der Oppositionsparteien einzeln ausweisen. Bei Umfragen, die einen gemeinsamen Wert für das Oppositionsbündnis ausweisen, wird dieser Wert auf die einzelnen Parteien aufgeteilt, und zwar entsprechend dem Verhältnis der durchschnittlichen Umfragewerte der Parteien in den Umfragen, die diese einzeln ausweisen.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Mangels zuverlässiger Umfragedaten wird für diese Kleinparteien in der Projektion in der Regel jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 2 Sitze für PARTEI und FW, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, Volt und Familienpartei). Nur falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert herangezogen.
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb stets mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung der Umfragen:
Deutschland: nationale Umfragen, 31.8.-12.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: nationale Umfragen, 21.6.2021, Quelle: Europe Elects.
Italien: nationale Umfragen, 30.8.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 27.8.-9.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 3.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 24.8.-5.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 31.8.-12.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 25.8.-7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 1.6.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 1.6.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnis der Europawahl, 26.5.2019.
Portugal: nationale Umfragen, 19.-20.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: nationale Umfragen, 8.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 25.-28.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 29.8.-8.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 2.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 22.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 26.-29.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 20.-31.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 10.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 20.8.2021, Quelle: Europe Elects.
Litauen: nationale Umfragen, 5.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Lettland: nationale Umfragen, 31.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 23.8.-2.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Zypern: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 30.5.2021.
Luxemburg: nationale Umfragen, 24.11.2020, Quelle: Europe Elects.
Malta: nationale Umfragen, 2.9.2021, Quelle: Wikipedia.

Bilder: Eigene Grafiken.