Dienstag, 14. September 2021

Wenn am nächsten Sonntag Europawahl wäre (September 2021): Sozialdemokratie im Aufschwung


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637136
Juli 2152451339716771743135
Sept. 2154421419816070753332
dynamisch564814510716022*11651

Basis-Szenario,
Stand: 13.9.2021.


Dynamisches Szenario,
Stand: 13.9.2021.

In Deutschland steht die Bundestagswahl vor der Tür, und wenn die Umfragen nicht sehr trügen, wird sie einige Veränderungen mit sich bringen. Nach sechzehn Jahren an der Regierung könnte die CDU/CSU (EVP) wieder in der Opposition landen, während die SPD (SPE) stärkste Partei wird und ins Kanzleramt einzieht. Auch für die EU hätte das beachtliche Folgen: Die Europäische Volkspartei, die noch vor zehn Jahren die europäische Politik dominierte, würde in keinem der fünf größten Mitgliedstaaten mehr die Regierung anführen. Das wäre eine absolute Neuheit – abgesehen von vierzehn Monaten 1981/82 war seit Beginn der europäischen Integration zu jedem Zeitpunkt in mindestens einem der drei großen Gründungsländer Deutschland, Frankreich und Italien eine Mitte-Rechts-Regierungschef:in im Amt.

Auch in der Sitzprojektion für das Europäische Parlament machen sich der Aufschwung der SPD und der Absturz der CDU deutlich bemerkbar. Im Vergleich zur letzten Projektion von Mitte Juli gewinnt die sozialdemokratische S&D-Fraktion acht Sitze hinzu, während die EVP sieben Sitze verliert. In beiden Fällen ist das ausschließlich auf die Entwicklung in Deutschland zurückzuführen. Die EVP hält sich zwar weiterhin als stärkste Kraft, doch mit 19 Sitzen im Basis- und sogar nur 15 Sitzen im dynamischen Szenario ist ihr Vorsprung auf die S&D so knapp wie seit dem Brexit nicht mehr.

CDU zieht EVP herab

Im Einzelnen kommt die EVP noch auf 160 Sitze (–7). Das ist nicht nur der schwächste Wert, den sie in der seit 2014 berechneten Sitzprojektion jemals erreicht hat; mit einem Sitzanteil von weniger als 23 Prozent läge sie auch unterhalb ihres bislang schlechtesten Wahlergebnisses bei der Europawahl 1989.

Doch nicht überall ist die Lage für die EVP so schlecht wie in Deutschland. Lässt man die CDU/CSU außer Acht, so bleiben die Werte der Fraktion seit Juli insgesamt unverändert. In Polen konnte die PO ihre Position als stärkste Oppositionspartei konsolidieren, in Bulgarien profiliert sich das konservativ-grüne Wahlbündnis DB (mit DSB/EVP und ZD/G-EFA) als Mitte-rechts-Alternative zur als korrupt geltenden langjährigen Regierungspartei GERB. In Spanien verteidigt der PP seinen erst vor kurzem wiedergewonnenen ersten Platz in den nationalen Umfragen und liegt in der Sitzprojektion fast mit der deutschen CDU/CSU gleichauf.

SPD stärkt S&D

Umgekehrt ist das Bild bei den Sozialdemokrat:innen, die mit 141 Sitzen (+8) in der Projektion ihren besten Wert seit einem Jahr erreichen. Auch hier ist der starke Zuwachs nur auf die deutsche SPD zurückzuführen, die nun zum ersten Mal in dieser Wahlperiode auch wieder die stärkste Einzelpartei in der S&D-Fraktion wäre.

In den meisten übrigen Mitgliedstaaten sind die sozialdemokratischen Parteien hingegen nur stabil. Während sie in Rumänien und Litauen leicht zulegen können, fallen sie in Kroatien zurück. In der Slowakei kann das S&D-Mitglied Smer-SSD zwar hinzugewinnen, doch geht dies vor allem auf Kosten der ebenfalls sozialdemokratischen Hlas-SD. Trotz des deutschen Höhenflugs bleibt die S&D damit wenigstens im Basisszenario der Projektion auch noch unterhalb ihres Wahlergebnisses von 2019, das bereits das schlechteste aller Zeiten war. Immerhin scheint der europaweite Abwärtstrend aber fürs Erste etwas gebremst worden zu sein.

Sonne und Schatten bei RE

Für die liberale RE-Fraktion brachten die letzten Wochen sowohl gute als auch schlechte Nachrichten (98 Sitze/+1). In Spanien haben sich die Ciudadanos nach ihrem dramatischen Absturz im Frühling wieder etwas gefangen. In Tschechien baut die ANO vor der nationalen Parlamentswahl im Oktober ihre Führungsposition aus. In Deutschland erscheinen die Freien Wähler erstmals in bundesweiten Umfragen (und werden deshalb auch in der Sitzprojektion jetzt mit ihrem Umfragewert statt mit dem Ergebnis bei der Europawahl 2019 geführt).

Umgekehrt steckt die rumänische USR-PLUS in einem Tief; es bleibt abzuwarten, ob sie sich daraus durch den jüngst vollzogenen Rückzug aus der Regierungskoalition befreien können. Auch die ungarische Momentum befindet sich seit Anfang des Jahres im Abwärtstrend. In Litauen würde die erst 2019 gegründete, rasch aufgestiegene und seit 2020 mitregierende Laisvės Partija nun wieder knapp an der Fünfprozenthürde scheitern.

Grüne erneut schwächer

Die grüne G/EFA-Fraktion zählt wie die EVP zu den Leidtragenden des deutschen Bundestagswahlkampfs. Mit 42 Sitzen (–3) erreicht sie in der Projektion den schlechtesten Wert seit Herbst 2018. Doch während sie sich damals mitten in einem langanhaltenden Aufschwung befand (der „grünen Welle“, die dann im Rekordergebnis bei der Europawahl 2019 gipfelte), sind ihre Werte nun schon seit einiger Zeit rückläufig.

Eine Ausnahme bildeten die deutschen Grünen, die sich lange auf sehr hohem Niveau halten konnten. In den letzten Wochen sind jedoch auch sie in den Umfragen deutlich zurückgefallen, was sich auch auf die Werte der Fraktion insgesamt niederschlägt. Außerhalb Deutschlands gibt es bei den Grünen hingegen wenig Veränderungen. In den Niederlanden würde Volt den Einzug ins Europäische Parlament nun wieder knapp verpassen; die bulgarische ZD hingegen könnte als Teil des schwarz-grünen Bündnisses DB einen Sitz gewinnen.

Linke legt zu, rechts wenig Neues

Die Linksfraktion im Europäischen Parlament wiederum kann in der Sitzprojektion leicht zulegen und erreicht mit 54 Sitzen (+2) ihren besten Wert in dieser Wahlperiode. Der Zuwachs geht zurück auf die italienische Linke, die sich zuletzt knapp oberhalb der nationalen Vierprozenthürde stabilisiert hat, und auf die irische Sinn Féin, die in den nationalen Umfragen nun recht deutlich vor den beiden Regierungsparteien FF (RE) und FG (EVP) den ersten Platz einnimmt.

Wenig Neues gibt es auf der rechten Seite des politischen Spektrums. Die rechtskonservative EKR-Fraktion verliert in der Projektion minimal (70 Sitze/–1), da ihre niederländische Mitgliedspartei JA21 nun knapp nicht mehr ins Parlament einziehen würde.

Hingegen kann die Rechtsaußenfraktion ID leicht zulegen (75/+1). Während die deutsche AfD und die österreichische FPÖ minimal hinzugewinnen, fällt die italienische Lega weiter zurück und liegt jetzt in fast allen Umfragen hinter den um ein ähnliches Wählerpotenzial konkurrierenden FdI (EKR).

Fraktionslose und sonstige Parteien

Wieder etwas größer als im Sommer ist auch die Gruppe der fraktionslosen Parteien (33 Sitze/+2). Hier kann das italienische M5S leicht dazugewinnen. Erstmals ins Parlament einziehen würde außerdem die rechtsextreme slowakische Partei Republika, die sich im März 2021 de facto von der neofaschistischen ĽSNS abgespalten und diese in den Umfragen inzwischen überholt hat.

Einige Veränderungen gibt es schließlich auch bei den „sonstigen Parteien“, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und keiner Fraktion eindeutig zugeordnet werden können (32 Sitze/–3). In Polen fällt die zentristische PL2050, in den Umfragen vor einigen Monaten noch stärkste Oppositionskraft, weiter zurück. Auch die populistische ITN aus Bulgarien erleidet Einbußen. Sie hatte im Juli die nationalen Parlamentswahl gewonnen, war dann aber bei der Regierungsbildung gescheitert, sodass es im November nun zu den dritten Wahlen innerhalb eines Jahres kommen wird. Hingegen könnte die nationalistisch-irredentistische Vuzrashdane nun knapp einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen.

Deutliche Zugewinne erfährt zudem die links-grüne Možemo aus Kroatien, die in den jüngsten Umfragen zur stärksten Oppositionskraft des Landes gewachsen ist. Die rechtskonservative DPMŠ aus Kroatien und die zentristisch-populistische Přísaha aus Tschechien sind hingegen nicht mehr im Tableau vertreten.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem nationale Parteien in der Regel jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind; Parteien ohne klare Zuordnung werden als „sonstige Parteien“ ausgewiesen.

Demgegenüber geht das dynamische Szenario von stärkeren Annahmen aus. Zum einen ordnet es insbesondere die „sonstigen Parteien“ der Fraktion zu, der diese plausiblerweise am nächsten stehen. Zum anderen geht das dynamische Szenario von einer Neusortierung der Rechtsfraktionen aus, die hier näher beschrieben ist. Die Veränderungen im dynamischen Szenario gegenüber dem Basisszenario sind in der Tabelle durch farbige Schrift und durch einen Hinweis im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637136
Juli 2152451339716771743135
Sept. 2154421419816070753332
dynamisch564814510716022*11651

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
DE 6 Linke 15 Grüne
1 Piraten
1 ÖDP
1 Volt
23 SPD 11 FDP
3 FW
20 Union
1 Familie

11 AfD 2 Partei 1 Tier
FR 9 FI 6 EELV 6 PS 25 LREM 9 LR
24 RN

IT 4 Sinistra
16 PD
6 FI
1 SVP
18 FdI 17 Lega 14 M5S
ES 6 UP
1 Bildu
1 ERC 16 PSOE 2 Cʼs
1 PNV
19 PP 10 Vox
1 JxC 2 MP
PL

4 Lewica
14 KO
21 PiS

8 PL2050
5 Konf
RO

14 PSD 4 USR-PLUS 8 PNL
1 PMP
1 UDMR
5 AUR


NL 2 SP
1 PvdD
2 GL
2 PvdA 9 VVD
5 D66
2 CDA
1 CU
1 SGP 4 PVV

EL 6 Syriza
2 KINAL
10 ND 1 EL
1 KKE 1 MeRA25
BE 3 PTB-PvdA 1 Groen
1 Ecolo
1 Vooruit
2 PS
1 O-VLD
2 MR
1 CD&V
1 cdH
1 CSP
3 N-VA 4 VB

PT 1 BE
1 CDU

10 PS 1 IL 6 PSD
2 CH

CZ 1 KSČM 3 Piráti 1 ČSSD 7 ANO 1 TOP09
2 STAN
1 KDU-ČSL
3 ODS 2 SPD
HU

4 DK
1 MSzP
1 MM 1 KDNP

3 Jobbik
11 Fidesz

SE 2 V
6 S 2 C 5 M
1 KD
5 SD


AT
2 Grüne 4 SPÖ 2 Neos 7 ÖVP
4 FPÖ

BG
1 ZD 3 BSP 2 DPS 4 GERB
2 DSB



3 ITN
1 IBG-NI
1 Vuzr
DK 1 Enhl. 1 SF 5 S 2 V
1 RV
2 K
1 DF
1 NB
FI 1 Vas 2 Vihreät 2 Kesk 3 Kok
3 PS

SK

3 Smer-SSD 1 PS 2 OĽANO
1 KDH
2 SaS 1 SR 1 REP 3 Hlas-SD
IE 6 SF

3 FF 4 FG



HR

2 SDP
6 HDZ


1 Most
3 Možemo
LT
3 LVŽS 3 LSDP 1 LRLS
1 DP
3 TS-LKD



LV

2 SDPS 1 AP!
1 ZZS
1 JV
1 JKP
1 NA

1 Prog
SI 1 Levica
2 SD 1 LMŠ 3 SDS-SLS
1 NSi




EE


2 RE
2 KE


2 EKRE
1 E200
CY 2 AKEL
1 EDEK
3 DISY



LU
1 Gréng 1 LSAP 2 DP 2 CSV



MT

4 PL
2 PN




Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
13.09.2021 54 42 141 98 160 70 75 33 32
21.07.2021 52 45 133 97 167 71 74 31 35
24.05.2021 50 50 125 95 167 74 73 33 38
29.03.2021 52 46 136 96 164 71 73 34 33
02.02.2021 52 45 135 94 184 70 71 21 33
09.12.2020 52 47 136 93 188 67 73 20 29
12.10.2020 51 49 127 96 193 67 71 21 30
14.08.2020 50 53 145 88 196 65 64 20 24
25.06.2020 48 55 143 91 203 64 63 20 18
26.04.2020 47 53 151 88 202 66 66 19 13
10.03.2020 51 58 138 88 188 67 82 21 12
09.01.2020 49 58 135 93 186 65 82 24 13
23.11.2019 48 57 138 99 181 62 82 22 16
23.09.2019 49 61 139 108 175 56 82 24 11
30.07.2019 47 64 138 108 180 57 82 22 7
Wahl 2019 40 68 148 97 187 62 76 27

Die Zeile „Wahl 2019“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 2. Juli 2019, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2019.
Angegeben sind jeweils die Werte im Basisszenario ohne das Vereinigte Königreich. Eine Übersicht der Werte mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit bis Januar 2020 ist hier zu finden. Eine Übersicht älterer Projektionen aus der Wahlperiode 2014-2019 gibt es hier.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Sofern eine Partei im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet ist als im Basisszenario, ist dies ebenfalls im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Europawahl erklärt. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet; zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder die letzte solche Umfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. Dies betrifft folgende Parteien: Spanien: Más País (1., 3. Listenplatz), Compromís (2.) und Equo (4.); ERC (1., 3.-4.), Bildu (2.) und BNG (5.); PNV (1.) und CC (2.); Niederlande: CU (1., 3.-4.) und SGP (2., 5.); Tschechien: ODS (1., 3., 5., 7.), KDU-ČSL (2., 6.) und TOP09 (4., 8.); Piráti (1., 3.-4., 6.-7.) und STAN (2., 5., 8.); Ungarn: Fidesz (1.-6., ab 8.) und KDNP (7.); Bulgarien: DSB (1.-2.) und ZD (3.); Slowakei: PS (1.) und Spolu (2.).
In Ungarn haben sich mit Blick auf die nationale Parlamentswahl 2022 fast alle Oppositionsparteien (DK, MSZP, MM, LMP, Jobbik) zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen, sodass einige nationale Umfragen nur noch einen gemeinsamen Wert für sie ausweisen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Wahlbündnis auch bei der nächsten Europawahl Bestand hat. Für die Sitzprojektion werden deshalb bevorzugt Umfragen berücksichtigt, die die Umfragewerte der Oppositionsparteien einzeln ausweisen. Bei Umfragen, die einen gemeinsamen Wert für das Oppositionsbündnis ausweisen, wird dieser Wert auf die einzelnen Parteien aufgeteilt, und zwar entsprechend dem Verhältnis der durchschnittlichen Umfragewerte der Parteien in den Umfragen, die diese einzeln ausweisen.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Mangels zuverlässiger Umfragedaten wird für diese Kleinparteien in der Projektion in der Regel jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 2 Sitze für PARTEI und FW, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, Volt und Familienpartei). Nur falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert herangezogen.
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb stets mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung der Umfragen:
Deutschland: nationale Umfragen, 31.8.-12.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: nationale Umfragen, 21.6.2021, Quelle: Europe Elects.
Italien: nationale Umfragen, 30.8.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 27.8.-9.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 3.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 24.8.-5.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 31.8.-12.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 25.8.-7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 1.6.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 1.6.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnis der Europawahl, 26.5.2019.
Portugal: nationale Umfragen, 19.-20.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: nationale Umfragen, 8.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 25.-28.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 29.8.-8.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 2.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 22.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 26.-29.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 20.-31.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 10.-11.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 20.8.2021, Quelle: Europe Elects.
Litauen: nationale Umfragen, 5.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Lettland: nationale Umfragen, 31.8.2021, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 23.8.-2.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 7.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Zypern: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 30.5.2021.
Luxemburg: nationale Umfragen, 24.11.2020, Quelle: Europe Elects.
Malta: nationale Umfragen, 2.9.2021, Quelle: Wikipedia.

Bilder: Eigene Grafiken.

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