Dienstag, 13. Oktober 2020

Wenn am nächsten Sonntag Europawahl wäre (Oktober 2020): Sozialdemokraten verlieren, Liberale und Rechte gewinnen


GUE/
NGL
Grüne/
EFA
S&D RE EVP EKR ID fʼlos Weitere
EP heute 39 69 145 98 187 62 75 30
Aug. 20 50 53 145 88 196 65 64 20 24
Okt. 20 51 49 127 96 193 67 71 21 30
dynamisch 52 52 136 102 193 71 71 28

Basis-Szenario,
Stand: 12.10.2020.


Dynamisches Szenario,
Stand: 12.10.2020.

Wer den Unterschied zwischen Parteipolitik in den USA und in der EU verstehen will, für den bieten die Ereignisse dieser Wochen reichliches Anschauungsmaterial. In weniger als einem Monat wird in den USA gewählt, und wie es aussieht, steht dem Land eine politische Wende bevor. Nach vier Jahren unter Donald Trump (R/IDU) hat sich die politische Stimmung im Land stark polarisiert, in zahlreichen Politikfeldern vom Klimaschutz über die Einwanderung bis zur Gesundheitspolitik vertreten die Parteien nahezu gegensätzliche Positionen. Zugleich will ein großer Teil der Bevölkerung offenbar einen Kurswechsel. Den Umfragen zufolge liegen die Demokraten um Joe Biden (D/PA) nicht nur bei den Präsidentschafts-, sondern auch bei den Senats- und Repräsentantenhaus-Wahlen vorn und könnten damit bald wieder alle drei demokratisch gewählten US-Institutionen kontrollieren.

EU-Haushaltsstreit

Zugleich tobt auch in Europa gerade ein politischer Großkonflikt, in dem es um den nächsten Siebenjahreshaushalt und um die Glaubwürdigkeit der EU als demokratische Wertegemeinschaft geht. Doch anders als in den USA schlägt sich dieser Konflikt kaum in der öffentlichen parteipolitischen Auseinandersetzung nieder. Im Gegenteil besteht im Parlament zwischen allen großen Parteien Einigkeit darüber, dass die EU ein größeres Budget benötigt und dass dieses Budget zudem für einen effektiven Rechtsstaatsmechanismus genutzt werden soll. Abgelehnt wird diese Position hingegen von den nationalen Regierungen im Rat – in dem dieselben Parteien vertreten sind wie im Parlament, nur mit einer anderen institutionellen Funktion.

Nicht Konflikte zwischen Parteien, sondern zwischen Institutionen prägen die europapolitische Debatte. Das führt nicht nur dazu, dass noch niemals eine Europawahl mit derselben Spannung erwartet wurde wie nun das Duell zwischen Biden und Trump, sondern auch dass sich europapolitische Ereignisse wie der Haushaltsstreit kaum je auf die europäischen Umfragen auswirken.

Corona-Effekt lässt weiter nach

Auch in der aktuellen Sitzprojektion für das Europäische Parlament ist das stärkste länderübergreifende Phänomen ein ganz anderes: nämlich das weitere Verblassen des coronabedingten Rally-’round-the-flag-Effekts. Im Zuge der Krise waren im Frühjahr die Umfragewerte nationaler Regierungsparteien (egal welcher Farbe) kurzfristig in die Höhe geschnellt, was vor allem den beiden größten europäischen Parteienfamilien, der konservativen EVP und der sozialdemokratischen S&D, zugute kam. Allerdings war diese Entwicklung nur von kurzer Dauer; schon in der letzten Sitzprojektion von Mitte August waren die Umfragewerte in den meisten Mitgliedstaaten auf das Vor-Corona-Niveau zurückgekehrt.

Nur in einigen wenigen Ländern – neben Deutschland vor allem Österreich, die Niederlande, Finnland, Schweden und Dänemark – konnten die Regierungsparteien ihre starken Zugewinne bis jetzt aufrechterhalten. (Auffälliger-, aber wahrscheinlich zufälligerweise handelt es sich dabei genau um die frugal five, die im Europäischen Rat im Sommer eine besonders harte haushaltspolitische Linie verfochten.) Nun aber sinken auch deren Umfragewerte wieder. Sowohl die deutsche CDU/CSU (EVP) als auch die nordischen Sozialdemokraten fallen in der aktuellen Sitzprojektion leicht zurück, auch wenn sie noch immer – zum Teil deutlich – über den Werten der Vor-Corona-Zeit liegen.

Neue Umfragen aus Frankreich

Diese Umkehr der Corona-Rally ist aber nur ein kleiner Teil der Entwicklungen, die sich auf die aktuelle Sitzprojektion auswirken. Noch größeren Einfluss hat ein anderer Effekt, der rein national ist und noch nicht einmal im engeren Sinne politisch: Zum ersten Mal seit längerem gab es wieder neue Umfragen aus Frankreich, die in die Sitzprojektion einfließen.

Aufgrund der verhältnismäßig schwachen Rolle des nationalen Parlaments und der Parteien innerhalb des französischen politischen Systems werden in Frankreich weitaus seltener parteipolitische Umfragen durchgeführt als in den anderen großen EU-Ländern. Wenn dann doch einmal eine neue Umfrage erscheint, haben sich die Werte der Parteien in der Zwischenzeit oft recht stark verändert. Dies führt dann zu größeren Sprüngen in der Sitzprojektion – im aktuellen Fall zu einem deutlichen Anstieg der regierenden LREM (RE) und des rechtsextremen RN (ID), während der sozialistische PS (S&D) unter die Fünf-Prozent-Hürde fällt.

Diese Veränderungen sind jeweils im Vergleich zu einer Umfrage von Januar 2020. Inwiefern sie mit der Coronakrise zu tun haben, mit den nationalen Kommunalwahlen im Frühling oder einfach nur mit zufälligen Schwankungen (wie sie bei einer so geringen Zahl von Umfragen unvermeidlich sind), lässt sich nicht sinnvoll beantworten.

EVP und S&D verlieren

Alles in allem aber brachten die Umfragen der letzten Wochen damit nicht viele gute Neuigkeiten für die großen Fraktionen im Europäischen Parlament. Die konservative Fraktion der Europäischen Volkspartei (EVP) fällt in der Sitzprojektion auf 193 Sitze zurück (–3 im Vergleich zu August). Dies liegt unter anderem an den Verlusten der deutschen CDU/CSU und der französischen Républicains. Aber auch in Bulgarien gingen die Proteste der letzten Wochen mit leicht sinkenden Umfragewerten der Regierungspartei GERB einher. In Polen und Rumänien hingegen können die kleineren EVP-Mitgliedsparteien KP und UDMR dazugewinnen und wären nun anders als im August wieder im Parlament vertreten.

Der größte Verlierer der letzten Wochen ist die sozialdemokratische Fraktion S&D (127 Sitze/–18). Diese leidet an den schon erwähnten Einbußen der nordischen Regierungsparteien sowie vor allem am Einbruch des französischen PS, der in der Projektion zuvor auf elf Sitze kam und nun überhaupt nicht mehr vertreten ist.

Rumänische PRO ohne klare Zuordnung

Hinzu kommt noch eine Entwicklung der rumänischen Partei PRO: Diese hatte sich 2018 vom sozialdemokratischen PSD abgespalten, war aber nach der Europawahl 2019, bei der sie zwei Sitze gewann, nach einigem Hin und Her wieder Mitglied der S&D-Fraktion geworden. Vergangene Woche kündigte PRO nun allerdings die Fusion mit der liberalen Partei ALDE an. Inwiefern sich das auf die europäische Ausrichtung der Partei auswirkt und ob sie auch nach der nächsten Europawahl noch S&D-Mitglied würde, ist offen. In der Sitzprojektion erscheint PRO deshalb ab sofort erst einmal als eine „weitere Partei“ ohne klare Zuordnung.

Im dynamischen Szenario wird die Partei jedoch weiterhin der S&D-Fraktion zugeordnet. Dasselbe gilt für die erfolgreiche slowakische Mitte-links-Partei Hlas-SD, die sich vor wenigen Monaten von der derzeitigen S&D-Mitgliedspartei Smer-SD abgespalten und diese aus dem Stand in den Umfragen überholt hat. Insgesamt schneiden die Sozialdemokraten deshalb im dynamischen Szenario deutlich besser ab als im Basisszenario (136 Sitze).

Liberale deutlich stärker, dank LREM und Balten

Deutliche Zugewinne kann in der aktuellen Sitzprojektion die liberale Fraktion Renew Europe verzeichnen. Mit 96 Sitzen (+8) erreicht sie ihren besten Wert in diesem Jahr. Dieser Anstieg ist zum weitaus größten Teil dem französischen LREM zu verdanken, die in der Projektion allein um sieben Sitze zulegt.

Daneben konnten die Liberalen auch in verschiedenen nordischen und baltischen Ländern dazugewinnen. In Litauen zog die erst 2019 gegründete Laisvės Partija bei der Wahl am vergangenen Wochenende unerwartet deutlich ins nationale Parlament ein. In Lettland wurde die ebenfalls noch sehr junge AP! in den Umfragen zuletzt erstmals stärkste nationale Kraft.

Grüne fallen zurück, Linke gewinnen

In der Fraktion der Grünen/EFA gewinnen vor allem die deutschen Grünen deutlich hinzu, die sich nach einem Corona-Umfragetief allmählich wieder den Werten vom vergangenen Winter annähern. Auch die tschechischen Piráti können leicht zugewinnen und festigen ihre Position als stärkste Mitte-links-Partei sowie zweitstärkste nationale Partei insgesamt. Aus Schweden ist die MP nun zum ersten Mal seit Januar wieder mit einem Sitz in der Projektion vertreten.

All diese Zugewinne werden jedoch durch die neuen französischen Umfragen zunichte gemacht: Die französische EELV verliert gegenüber der letzten Projektion die Hälfte ihrer vierzehn Sitze und reißt damit die Fraktion als Ganzes ins Minus. Auch die österreichischen Grünen müssen neue Einbußen hinnehmen. Insgesamt fällt die G/EFA damit auf 49 Sitze zurück (–4) und wäre nun nur noch die schwächste der sieben Fraktionen im Europäischen Parlament.

Genau umgekehrt ist das Bild für die Linksfraktion GUE/NGL. Diese erfährt in Belgien leichte Umfrageverluste, die jedoch durch das starke Abschneiden der französischen FI mehr als kompensiert werden. Insgesamt kann die GUE/NGL damit leicht dazugewinnen und kommt nun auf 51 Sitze (+1).

Rechtsparteien legen zu – vor allem in Frankreich

Und auch die beiden Rechtsfraktionen EKR und ID legen in der aktuellen Sitzprojektion vor allem aufgrund der neuen französischen Umfragen zu. Für die rechtskonservative EKR stehen Zugewinnen in Spanien Verluste in Polen und den Niederlanden gegenüber. Dass die Fraktion insgesamt mit 67 Sitzen (+2) besser abschneidet als im August, verdankt sie der französischen DLF, die nun wieder knapp über der Fünf-Prozent-Hürde liegt und Sitze im Parlament gewinnen würde.

Die rechtsextreme ID wiederum erleidet in Deutschland und Italien leichte Verluste, während sie in den Niederlanden leicht hinzugewinnt. Zudem erscheint auch die portugiesische Rechtsaußenpartei Chega!, die der ID im Sommer beigetreten ist, in der Projektion nun als Mitglied der Fraktion. Vor allem aber legt das französische RN nach den jüngsten Umfragen deutlich zu. Sie lässt damit nicht nur die ID insgesamt auf 71 Sitze (+7) ansteigen, sondern zieht auch mit der italienischen Lega als stärkste Kraft innerhalb der Fraktion gleich.

In Österreich würde HC erstmals einen Sitz gewinnen

Wenig Veränderungen gibt es unter den fraktionslosen Parteien (21 Sitze/+1). Hier gewinnt die rechtsextreme ĽSNS aus der Slowakei einen Sitz zurück, den sie in der August-Projektion verloren hatte.

Bei den „weiteren Parteien“, die sich keiner Fraktion eindeutig zurechnen lassen, kommt es zu einem deutlichen Anstieg (30 Sitze/+6), was in erster Linie an der Neuzuordnung der rumänischen PRO liegt. Neu im Tableau ist außerdem das österreichische Team HC Strache, das sich 2019 von der ID-Mitgliedspartei FPÖ abspaltete und in den Umfragen nun erstmals die nationale Vier-Prozent-Hürde überschreitet. Aufgrund der starken Konkurrenz sowie persönlicher Feindschaften zwischen den Führungsspitzen von HC und FPÖ erscheint es unwahrscheinlich, dass beide Parteien sich auf europäischer Ebene derselben Fraktion anschließen würden. Im dynamischen Szenario wird die neue Partei deshalb der EKR-Fraktion zugerechnet.

Ähnliches gilt für die dänische rechtskonservative Partei NB, die wohl ebenfalls nicht die Fraktion mit ihrem etablierten nationalen Konkurrenten DF teilen würde.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung zwischen den Fraktionen im nächsten Europäischen Parlament nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dabei dem Basisszenario, in dem nationale Parteien in der Regel jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet und Parteien ohne klare Zuordnung als „weitere Parteien“ ausgewiesen werden. Demgegenüber geht das dynamische Szenario von stärkeren Annahmen aus und ordnet insbesondere die „weiteren Parteien“ der Fraktion zu, der diese plausiblerweise am nächsten stehen. Die Veränderungen im dynamischen Szenario sind in der Tabelle durch farbige Schrift und durch einen Hinweis im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.



GUE/
NGL
Grüne/
EFA
S&D RE EVP EKR ID fʼlos Weitere
EP heute 39 69 145 98 187 62 75 30
Aug. 20 50 53 145 88 196 65 64 20 24
Okt. 20 51 49 127 96 193 67 71 21 30
dynamisch 52 52 136 102 193 71 71 28

GUE/
NGL
Grüne/
EFA
S&D RE EVP EKR ID fʼlos Weitere
DE 7 Linke 19 Grüne
1 Piraten
1 ÖDP
1 Volt
1 Partei
14 SPD 5 FDP
2 FW
33 Union 1 Familie 9 AfD 1 Partei 1 Tier
FR 10 FI 7 EELV
26 LREM 10 LR 4 DLF 22 RN

IT

19 PD
6 FI
1 SVP
14 FdI 22 Lega 14 M5S
ES 7 UP
1 Bildu
1 ERC 18 PSOE 4 Cʼs
1 PNV
15 PP 10 Vox
1 JxC 1 MP
PL

4 Lewica
14 KO
2 KP
22 PiS

4 Konf
6 P2050
RO

7 PSD 6 USR-PLUS 13 PNL
2 UDMR



5 PRO
NL 2 SP
1 PvdD
2 GL 3 PvdA 8 VVD
3 D66
3 CDA
1 CU
1 FvD
1 SGP
4 PVV

EL 6 Syriza
2 KINAL
10 ND 1 EL
1 KKE 1 MeRA25
BE 2 PTB-PvdA 1 Groen
1 Ecolo
2 sp.a
2 PS
1 O-VLD
2 MR
1 CD&V
1 cdH
1 CSP
3 N-VA 4 VB

PT 2 BE
1 CDU


10 PS
7 PSD
1 CH

CZ 1 KSČM 4 Piráti 2 ČSSD 7 ANO 2 TOP09
1 KDU-ČSL
3 ODS 1 SPD

HU

4 DK
1 MSZP
2 MM 12 Fidesz

2 Jobbik
SE 2 V 1 MP 6 S 2 C 5 M
1 KD
4 SD


AT
2 Grüne 4 SPÖ 1 Neos 9 ÖVP
2 FPÖ
1 HC
BG

5 BSP 2 DPS 5 GERB
2 DB



3 ITN
DK 1 Enhl. 1 SF 5 S 3 V
1 RV
1 K
1 DF
1 NB
FI 1 Vas 2 Vihreät 3 SDP 2 Kesk 3 Kok
3 PS

SK

2 Smer-SD 1 PS 3 OĽANO 2 SaS 1 SR 2 ĽSNS 3 Hlas-SD
IE 4 SF

3 FF 6 FG



HR

3 SDP
6 HDZ


1 DPMŠ
1 Most
1 ZLK
LT
3 LVŽS 1 LSDP 1 LRLS
1 LP
1 DP
4 TS-LKD



LV

1 SDPS 2 AP!
1 ZZS
1 JV
1 JKP
1 NA

1 Prog
SI 1 Levica
2 SD 1 LMŠ 3 SDS-SLS
1 NSi




EE

1 SDE 3 RE
2 KE


1 EKRE

CY 2 AKEL
1 EDEK
3 DISY



LU
1 Gréng 1 LSAP 2 DP 2 CSV



MT

4 PL
2 PN




Verlauf (Basisszenario)


GUE/
NGL
G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Weitere
12.10.2020 51 49 127 96 193 67 71 21 30
14.08.2020 50 53 145 88 196 65 64 20 24
25.06.2020 48 55 143 91 203 64 63 20 18
26.04.2020 47 53 151 88 202 66 66 19 13
10.03.2020 51 58 138 88 188 67 82 21 12
09.01.2020 49 58 135 93 186 65 82 24 13
23.11.2019 48 57 138 99 181 62 82 22 16
23.09.2019 49 61 139 108 175 56 82 24 11
30.07.2019 47 64 138 108 180 57 82 22 7
Wahl 2019 40 68 148 97 187 62 76 27

Die Zeile „Wahl 2019“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 2. Juli 2019, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2019.
Angegeben sind jeweils die Werte im Basisszenario ohne das Vereinigte Königreich. Eine Übersicht der Werte mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit bis Januar 2020 ist hier zu finden.
Eine Übersicht älterer Projektionen aus der Wahlperiode 2014-2019 gibt es hier.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Sofern eine Partei im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet ist als im Basisszenario, ist dies ebenfalls im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Europawahl erklärt. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Weitere Parteien“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 25 Abgeordnete aus mindestens sieben Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete (z. B. aus der Spalte „Weitere“) für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „weiteren Parteien“ einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet; zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und sind daher im Einzelnen oft recht unsicher; in der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Feldforschung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder die letzte solche Umfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. Dies betrifft folgende Parteien: Spanien: Más País (1., 3. Listenplatz), Compromís (2.) und Equo (4.); ERC (1., 3.-4.), Bildu (2.) und BNG (5.); PNV (1.) und CC (2.); Niederlande: CU (1., 3.-4.) und SGP (2., 5.); Slowakei: PS (1.) und Spolu (2.).
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Mangels zuverlässiger Umfragedaten wird für diese Kleinparteien in der Projektion jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 2 Sitze für PARTEI und FW, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, Volt und Familienpartei).
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb stets mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Feldforschung; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung der Umfragen:
Deutschland: nationale Umfragen, 1.-12.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: nationale Umfragen, 1.-3.7.2020, Quelle: Europe Elects.
Italien: nationale Umfragen, 24.9.-6.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 2.-10.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 22.9.-5.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 23.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 29.9.-4.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 23.-30.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 8.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 8.10..2020, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnis der Europawahl, 26.5.2019.
Portugal: nationale Umfragen, 8.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: nationale Umfragen, 11.-20.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 18.-25.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 13.-21.9.2020, Quelle: Europe Elects.
Österreich: nationale Umfragen, 18.9.-1.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 26.-30.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 28.9.-4.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 6.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 18.9.2020, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 26.9.-6.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 4.-18.9.2020, Quelle: Europe Elects.
Litauen: Ergebnisse der nationalen Parlamentswahl (landesweiter Wahlkreis), 11.10.2020.
Lettland: nationale Umfragen, 4.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 17.-27.9.2020, Quelle: Europe Elects.
Estland: nationale Umfragen, 5.10.2020, Quelle: Wikipedia.
Zypern: nationale Umfragen, 25.6.2020, Quelle: Europe Elects.
Luxemburg: nationale Umfragen, 24.6.2020, Quelle: Europe Elects.
Malta: nationale Umfragen, 18.9.2020, Quelle: Europe Elects.

Bilder: Eigene Grafiken.

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