Wenn am nächsten Sonntag Europawahl wäre


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute3971145103176646542
Juni 22544413310116577643136
August 2252471349817075632739
dynamisch545313710717580
7623
Basis-Szenario,
Stand: 20.8.2022.


Dynamisches Szenario,
Stand: 20.8.2022.

Eine echte politische Sommerpause hatte Europa in diesem Jahr nicht. Der Krieg in der Ukraine, die Energiekrise, Dürren und Waldbrände hielten die EU in Atem; und wenn es in den letzten Wochen doch so etwas wie ein Sommerloch gab, so wurde es durch ein privates Partyvideo der finnischen Premierministerin Sanna Marin (SDP/SPE) bestens gefüllt.

Doch wie so oft ist in der Debatte über diese Ereignisse die parteipolitische Öffentlichkeit auf europäischer Ebene nur schwach ausgeprägt. Der russische Angriff auf die Ukraine beschäftigt zwar die Medien in allen Mitgliedstaaten. Die Diskussion über die richtige Antwort darauf verläuft jedoch allenfalls innerstaatlich entlang parteipolitischer Grenzen, auf EU-Ebene hingegen eher entlang der unterschiedlichen nationalen Regierungspositionen.

Uneinheitliches Bild

Auch wie stark die sommerliche Hitzewelle die politische Debatte beeinflusst hat, unterscheidet sich je nach nationaler Betroffenheit. Und natürlich stehen auch noch eine Schicksalswahl in Italien sowie weitere umkämpfte Parlamentswahlen in Schweden, Lettland und Bulgarien bevor – die die Politik in den betreffenden Ländern sehr stark beschäftigen, von den meisten Bürger:innen der übrigen Mitgliedstaaten jedoch bislang kaum zur Kenntnis genommen werden.

Alles in allem zeigt die aktuelle Sitzprojektion deshalb ein recht uneinheitliches Bild. Im Vergleich zur letzten Projektion von Ende Juni legen insgesamt die Parteien der politischen Mitte zu, während die Rechtsfraktionen verlieren. Aber das ist nur die Summe von im Einzelnen ganz unterschiedlichen nationalen Entwicklungen in den letzten Wochen.

EVP legt deutlich zu

Der wichtigste Gewinner in der aktuellen Projektion ist die christdemokratisch-konservative Europäische Volkspartei. Stark zulegen kann vor allem der spanische PP, der sich unter dem neuen Parteichef Albert Núñez Feijóo stärker von der rechtspopulistischen Vox (EKR) absetzt und gerade dadurch deren Wähler:innen zurückzugewinnen scheint. In Bulgarien profitierte die EVP-Mitgliedspartei GERB vom Sturz der sozialliberalen Regierung und der Aussicht auf Neuwahlen; in Estland legte Isamaa unmittelbar nach dem Regierungseintritt im Juli in den Umfragen zu.

Auf der anderen Seite erfuhren die schwedischen und, in geringerem Ausmaß, die finnischen Konservativen in den letzten Wochen Umfrage-Einbußen. In Rumänien und Lettland würden zwei kleinere EVP-Mitgliedsparteien (PMP und K) knapp nicht mehr ins Europäische Parlament einziehen. Dennoch kann sich die EVP insgesamt auf 170 Sitze steigern (+5 gegenüber der Juni-Projektion) und erreicht damit ihren besten Wert seit dem Austritt der ungarischen Regierungspartei Fidesz im Frühjahr 2021.

S&D steigert sich nur wenig

Weniger deutlich fallen die Zugewinne der sozialdemokratischen Fraktion S&D aus. Vor allem die deutsche SPD leidet unter deutlichem Regierungsverschleiß und ihrer ambivalenten Haltung gegenüber Russland. Auch der spanische PSOE muss wieder Einbußen hinnehmen. Hingegen kann der italienische PD mit dem Beginn des nationalen Wahlkampfs zulegen und wäre nun wieder die stärkste Kraft innerhalb der S&D-Fraktion. Auch die ungarische DK schnitt in den Umfragen der letzten Wochen recht gut ab und etabliert sich weiter als wichtigste ungarische Oppositionspartei.

Unter dem Strich bleibt für die S&D ein leichter Zugewinn gegenüber der Juni-Projektion (134 Sitze/+1). Der Rückstand der Sozialdemokrat:innen auf die EVP wächst allerdings auf 36 Sitze (+4) und ist nun so hoch wie zuletzt im Frühsommer 2021. Im dynamischen Szenario der Projektion, das auch mögliche Neuzugänge von bislang nicht im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, fällt der Abstand zwischen den beiden Fraktionen sogar noch etwas größer aus. Damit erhöhen sich auch die Chancen von Ursula von der Leyen (CDU/EVP) auf eine zweite Amtszeit an der Spitze der Europäischen Kommission.

Liberale fallen leicht zurück

Keine Fortschritte machte in den letzten Wochen die zentristisch-liberale Fraktion RE (98 Sitze/–3). Ihre Mitgliedsparteien aus Deutschland, Polen, Ungarn und Dänemark fielen über den Sommer jeweils leicht in den Umfragen zurück.

Etwas zulegen konnten die Liberalen einzig in Italien, wo es zum Wahlkampfauftakt zu einer neuen Allianz zwischen der wirtschaftsliberalen Azione und der zentristischen IV des ehemaligen Premierministers Matteo Renzi kam. Die sozialliberale Più Europa (+E) beendete daraufhin ihre bisherige Partnerschaft mit Azione und schloss sich dem breiten Mitte-Links-Bündnis um den PD (S&D) an. Für die Europawahl geht die Projektion nun davon aus, dass Azione und IV eine gemeinsame Liste aufstellen, +E hingegen allein antritt (und nach den aktuellen Umfragen an der nationalen Vier-Prozent-Hürde scheitert). In der Realität können sich die Allianzen im liberalen Parteienspektrum Italiens bis 2024 aber natürlich auch noch weiter verändern.

Grüne weiter im Aufschwung

Weiterhin im Aufschwung befinden sich die europäischen Grünen, die in der Projektion nun 47 Sitze erreichen (+3) – ihr bester Wert seit Frühling 2021. In Deutschland legen die Grünen weiter zu und festigen in den Umfragen ihre Position als zweitstärkste Kraft. Die schwedische MP kann ihre Umfragewerte kurz vor der Parlamentswahl im September deutlich verbessern und liegt nun wieder klar über nationalen Vierprozenthürde. Und auch die tschechischen Piráti stehen nun etwas besser da als zu Beginn des Sommers. Zudem sind die Grünen/EFA die einzige Fraktion, die in keinem einzigen Mitgliedstaat gegenüber der Juni-Projektion Verluste erfährt.

Dass die Grünen im dynamischen Szenario dennoch etwas schlechter abschneiden als im Juni, liegt an der slowenischen Regierungspartei GS. Diese war 2021 zunächst mit einem grünen Programm gegründet worden und erschien deshalb im dynamischen Szenario der Sitzprojektion bislang als Mitglied der G/EFA-Fraktion. Allerdings betonte die Partei seit Anfang 2022 zunehmend sozialliberale Positionen und machte das auch in einem Namenswechsel (von Stranka zelenih dejanj, „Grüne Aktionspartei“, zu Gibanje Svoboda, „Freiheitsbewegung“) deutlich.

Im Februar 2022 gründete sich daraufhin eine neue grüne Kleinpartei namens Vesna. Die GS selbst ließ ihre europäische Zuordnung zunächst offen, beschloss aber nun im Juli die Fusion mit zwei anderen Kleinparteien (LMŠ und SAB), die beide der europäischen liberalen Partei ALDE angehören. Das alles lässt erwarten, dass auch GS auf europäischer Ebene künftig mit den Liberalen kooperieren wird. Im dynamischen Szenario wird sie deshalb nun nicht mehr den Grünen, sondern der RE zugeordnet.

Linke stabil

Wenig Veränderungen gab es über den Sommer bei der europäischen Linken zu verzeichnen. In der Projektion ist die Linksfraktion nun zwar etwas schwächer als im Juni (52 Sitze/–2). Dies liegt jedoch nur an geringfügigen Schwankungen einzelner Mitgliedsparteien, die jeweils innerhalb der Fehlermarge der betreffenden Umfragen bleiben und deshalb nicht überbewertet werden sollten.

Insgesamt verharrt die Fraktion in der Projektion damit ein weiteres Mal auf dem Niveau von etwa 50 Sitzen, das sie nun schon seit mehreren Jahren mit nur kleinen Ausschlägen nach oben und unten einnimmt. Die Linke ist damit die Fraktion, die europaweit die größte Stabilität in den Umfragen zeigt.

Entwicklung der Rechten je nach Land unterschiedlich

Auf der anderen Seite des politischen Spektrums verzeichnen beide Rechtsfraktionen – die eher russophobe EKR und die eher russophile ID – unter dem Strich leichte Verluste. Auch dem liegen jedoch teilweise recht unterschiedliche nationale Entwicklungen zugrunde.

So verzeichnete die EKR-Fraktion (75 Sitze/–2) in den letzten Wochen Verluste in Spanien und Tschechien; ihre luxemburgische Mitgliedspartei ADR würde nun nicht mehr ins Parlament einziehen. Für das italienische Fraktionsmitglied FdI hingegen verliefen die letzten Wochen durchaus erfolgreich: Zum nationalen Wahlkampfbeginn konnte die Partei ihre Position als stärkste Kraft des rechten Lagers in Italien weiter ausbauen und so ihren Regierungsanspruch unterstreichen. Zudem ziehen die FdI in der Projektion erstmals mit der polnischen PiS als stärkste nationale Einzelpartei innerhalb der EKR-Fraktion gleich.

In der ID-Fraktion (63 Sitze/–1) wiederum gewinnen die deutsche AfD und die finnischen PS hinzu. Die italienische Lega und die niederländische PVV verlieren hingegen; die dänische DF, bei der nationalen Parlamentswahl 2015 noch zweitstärkste Kraft im Land, verschwindet sogar fast ganz in der Bedeutungslosigkeit und würde keinen Sitz im Europäischen Parlament mehr erreichen.

Etablierte Rechtsparteien werden von Newcomern verdrängt

Auch die fraktionslosen Parteien fallen in der Projektion zurück und würden nun nur noch 27 Sitze erreichen (–4). Dies liegt zum einen am italienischen M5S, das von internen Querelen gebeutelt und ohne klaren Kurs in die nationale Parlamentswahl hineinstolpert und zum ersten Mal seit langem nur noch auf einstellige Werte kommt. Zum anderen verzeichnen auch die beiden ungarischen Rechtsparteien, die regierende Fidesz und die oppositionelle Jobbik, Verluste.

Was Fidesz und Jobbik mit PVV und DF eint, ist, dass alle vier Parteien an eher junge Konkurrenten innerhalb des rechten Lagers verlieren, die bislang nicht im Europäischen Parlament vertreten sind:

  • In Ungarn kann die rechtsextreme MHM dazugewinnen, die sich 2018 von der Jobbik abspaltete, da sie deren Wandlung von einer neofaschistischen zu einer nationalkonservativen Partei nicht mitgehen wollte. Bei der nationalen Parlamentswahl im April 2022 konnte MHM überraschend Sitze gewinnen und legt seitdem in den Umfragen zu.
  • In den Niederlanden führten die seit Beginn des Sommers andauernden Bauernproteste zu einem starken Aufschwung der agrarisch-konservativen BBB. Die 2019 gegründete Partei ist in den Umfragen nun zweitstärkste nationale Kraft.
  • In Dänemark wird das rechte Spektrum derzeit von den Danmarksdemokraterne (DD) umgekrempelt – einer erst im Juni 2022 gegründeten Partei unter Führung der berüchtigten ehemaligen Integrationsministerin Inger Støjberg. DD wurde in kürzester Zeit in den Umfragen zur führenden Rechtsaußenpartei, auf Kosten der DF sowie der kleinen, ebenfalls noch recht jungen NB, die nun beide in der Projektion nicht mehr vertreten sind.

Weitere „sonstige“ Parteien

Daneben gibt es noch zwei weitere „sonstige“ Parteien, die in der Juni-Projektion noch nicht im Tableau enthalten waren.

  • Bei der ungarischen MKKP handelt es sich um eine bereits seit 2006 aktive Satirepartei, die nun erstmals in mehreren Umfragen über der nationalen Fünfprozenthürde liegt.
  • Die lettische LRA wiederum ist eine 2014 gegründete regionalistisch-zentristische Kleinpartei, die ebenfalls zum ersten Mal ins Europäische Parlament einziehen könnte.

Einige andere Newcomer-Parteien der letzten Jahre scheinen hingegen bereits das Ende ihrer Laufbahn erreicht zu haben. Die während der Corona-Pandemie gegründete Impfgegner-Partei MFG aus Österreich verschwindet in der aktuellen Projektion aus dem Tableau – ebenso wie die bulgarische Protestpartei ITN, die bei der Wahl im Juli 2021 noch stärkste nationale Kraft war, im Dezember 2021 in die nationale Regierung eintrat, im Juni 2022 durch ihre Rückkehr in die Opposition den Sturz der Regierung auslöste und nun nach den aktuellen Umfragen damit rechnen muss, bei der im Oktober bevorstehenden Neuwahl des bulgarischen Parlaments an der Sperrklausel zu scheitern.

Insgesamt kommen die „sonstigen Parteien“, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und keiner Fraktion klar zugeordnet werden können, jetzt auf 39 Sitze (+3).

Zuordnungen im dynamischen Szenario

Die zahlreichen neuen Parteien bringen eine zusätzliche Unsicherheit in die Projektion, da noch nicht klar ist, welcher Fraktion sie sich nach der Europawahl anschließen werden. Im Basisszenario der Projektion werden sie deshalb als „sonstige Parteien“ ausgewiesen. Das dynamische Szenario ordnet hingegen alle „Sonstigen“ jeweils den Fraktionen zu, denen diese plausiblerweise am nächsten stehen.

  • Die ungarische MHM steht so weit rechts außen, dass sie – wie schon Jobbik – wohl fraktionslos bleiben wird.
  • Auch die Satirepartei MKKP dürfte, ähnlich wie die deutsche PARTEI, die höhere Freiheit der Fraktionslosigkeit dem durch eine Fraktionsmitgliedschaft gewonnenen politischen Einfluss vorziehen.
  • Die dänischen DD betonen auf europäischer Ebene ihre – schon im Namen erkennbare – Nähe zu den Sverigedemokraterna (SD) aus Schweden. Nach der Europawahl 2024 dürften sie deshalb den SD in die EKR-Fraktion folgen.
  • Die niederländische BBB vertritt europapolitisch eher integrationsskeptische Positionen und wäre deshalb vor einigen Jahren wohl am ehesten in der EKR-Fraktion untergekommen. Allerdings entfernt sich die EKR zunehmend von der politischen Mitte, die die Mehrheitsfindung im Europäischen Parlament dominiert. Wenn die BBB für ihre agrarische Klientel effektiven Einfluss auf die EU-Landwirtschaftspolitik nehmen will, könnte ein Beitritt zur EVP deshalb die attraktivere Lösung sein.
  • Die lettische LRA hat auf nationaler Ebene bereits mit liberalen ebenso wie mit grün-konservativen Parteien eng zusammengearbeitet. Auch für sie könnte eine Mitgliedschaft in der großen EVP eine Möglichkeit sein, ihren Einfluss auf europäischer Ebene zu maximieren.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem nationale Parteien jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind. Das dynamische Szenario, das mögliche Fraktionsein- und -übertritte mit einbezieht, ist in der Tabelle durch farbige Schrift und durch Hinweise im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute3971145103176646542
Juni 22544413310116577643136
August 2252471349817075632739
dynamisch545313710717580
7623

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
DE 4 Linke 22 Grüne
1 Piraten
1 ÖDP
1 Volt
18 SPD 6 FDP
2 FW
26 Union
1 Familie

11 AfD 2 Partei 1 Tier
FR 15 LFI 5 EELV
27 Ens 12 LR
20 RN

IT

21 PD 5 Az-IV 7 FI
1 SVP
21 FdI 12 Lega 9 M5S
ES 7 UP
1 Bildu
1 ERC 15 PSOE 1 Cʼs
1 PNV
20 PP 11 Vox
1 JxC 1 MP
PL

5 Lewica 6 PL2050
16 KO
21 PiS

4 Konf
RO

15 PSD 3 USR 9 PNL
2 UDMR
4 AUR


NL 2 PvdD
1 SP
3 GL
3 PvdA 5 VVD
3 D66
1 CDA
1 CU
2 JA21
1 SGP
3 PVV
4 BBB
EL 6 Syriza
3 PASOK
9 ND 1 EL
1 KKE 1 MeRA25
BE 3 PTB 1 Groen
1 Ecolo
2 Vooruit
2 PS
1 O-VLD
2 MR
1 CD&V
1 LE
1 CSP
3 N-VA 3 VB

PT 1 BE

10 PS 2 IL 6 PSD
2 CH

CZ
3 Piráti

9 ANO 1 STAN
1 TOP 09
4 ODS 3 SPD
HU

4 DK
1 MM 1 KDNP

11 Fidesz
1 Jobbik
2 MHM
1 MKKP
SE 2 V 1 MP 7 S 1 C
1 L
4 M
1 KD
4 SD


AT
2 Grüne 6 SPÖ 2 Neos 5 ÖVP
4 FPÖ

BG

2 BSP 2 DPS 5 GERB
2 DSB



4 PP
2 V
DK 1 Enhl. 1 SF 5 S 2 V
1 RV
2 K


2 DD
FI 1 Vas 1 Vihreät 3 SDP 2 Kesk 4 Kok
3 PS

SK

2 Smer-SSD 1 PS 2 OĽANO
1 Spolu
1 KDH
2 SaS 1 SR 1 REP 3 Hlas-SD
IE 6 SF

3 FF 4 FG



HR

3 SDP
5 HDZ


2 Možemo
1 Most
1 DP
LT
1 LVŽS 2 LSDP 1 LRLS
1 LP
2 TS-LKD

1 DP 2 DSVL
1 LT
LV

1 SDPS 1 AP!
1 ZZS
2 JV
1 NA

1 Prog
1 LRA
SI



3 SDS
1 N.Si



4 GS
EE


3 RE
1 KE
1 Isamaa
1 EKRE
1 E200
CY 2 AKEL
1 EDEK
3 DISY



LU
1 Gréng
1 PPLU
1 LSAP 1 DP 2 CSV



MT

3 PL
3 PN




Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
20.08.2022 52 47 134 98 170 75 63 27 39
22.06.2022 54 44 133 101 165 77 64 31 36
25.04.2022 59 39 139 97 157 78 64 38 34
01.03.2022 53 36 139 98 158 78 62 45 36
04.01.2022 51 39 142 99 165 73 62 34 40
08.11.2021 50 42 144 96 155 75 72 36 35
13.09.2021 54 42 141 98 160 70 75 33 32
21.07.2021 52 45 133 97 167 71 74 31 35
24.05.2021 50 50 125 95 167 74 73 33 38
29.03.2021 52 46 136 96 164 71 73 34 33
02.02.2021 52 45 135 94 184 70 71 21 33
09.12.2020 52 47 136 93 188 67 73 20 29
12.10.2020 51 49 127 96 193 67 71 21 30
14.08.2020 50 53 145 88 196 65 64 20 24
25.06.2020 48 55 143 91 203 64 63 20 18
26.04.2020 47 53 151 88 202 66 66 19 13
10.03.2020 51 58 138 88 188 67 82 21 12
09.01.2020 49 58 135 93 186 65 82 24 13
23.11.2019 48 57 138 99 181 62 82 22 16
23.09.2019 49 61 139 108 175 56 82 24 11
30.07.2019 47 64 138 108 180 57 82 22 7
Wahl 2019 40 68 148 97 187 62 76 27

Die Zeile „Wahl 2019“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 2. Juli 2019, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2019.
Angegeben sind jeweils die Werte im Basisszenario ohne das Vereinigte Königreich. Eine Übersicht der Werte mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit bis Januar 2020 ist hier zu finden. Eine Übersicht älterer Projektionen aus der Wahlperiode 2014-2019 gibt es hier.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Sofern eine Partei im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet ist als im Basisszenario, ist dies ebenfalls im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Europawahl erklärt. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet; zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder die letzte solche Umfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Länder, in denen es keine aktuellen Umfragen für Parlamentswahlen gibt, wird stattdessen gegebenenfalls auf Umfragen zu Präsidentschaftswahlen zurückgegriffen, wobei die Umfragewerte der Präsidentschaftskandidat:innen jeweils den Parteien der Kandidat:innen zugeordnet werden (dies kann insbesondere Frankreich betreffen). Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. In der Tabelle sind diese in der Regel unter der Bezeichnung des Wahlbündnisses zusammengefasst. Manchmal gehören die Parteien eines Wahlbündnisses im Europäischen Parlament jedoch unterschiedlichen Fraktionen an. In diesem Fall werden die Parteien einzeln aufgeführt und eine Plausibilitätsannahme über die Verteilung der Sitze auf der gemeinsamen Liste getroffen. Dies betrifft folgende Parteien: Italien: SI (1., 3. Listenplatz) und EV (2., 4.); Spanien: Más País (1.-2.), Compromís (3.) und Equo (4.); ERC (1., 3.-4.), Bildu (2.) und BNG (5.); PNV (1.) und CC (2.); Niederlande: CU (1., 3.-4.) und SGP (2., 5.); Ungarn: Fidesz (1.-6., ab 8.) und KDNP (7.); Bulgarien: DSB (1.-2.) und ZD (3.); Slowakei: PS (1.) und Spolu (2.).
In Frankreich hatten sich für die nationale Parlamentswahl 2022 mehrere Mitte-links-Parteien (LFI, PS, EELV, PCF) zu dem Wahlbündnis NUPES zusammengeschlossen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Bündnis auch bei der nächsten Europawahl Bestand hat. In der Projektion werden deshalb die Umfragewerte bzw. Wahlergebnisse des Bündnisses jeweils auf die einzelnen Parteien aufgeteilt, und zwar entsprechend dem Verhältnis der durchschnittlichen Umfragewerte der Parteien in den letzten Umfragen, die diese einzeln ausweisen.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Da deutsche Umfrageinstitute für Kleinparteien jedoch in der Regel keine Werte ausweisen, wird in der Projektion jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 2 Sitze für PARTEI und FW, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, Volt und Familienpartei). Nur falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert genutzt.
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb stets mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung der Umfragen:
Deutschland: nationale Umfragen, 12.-20.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, erste Runde, 19.6.2022, Quelle: Wikipedia; für die Verteilung zwischen den Mitgliedsparteien des Wahlbündnisses NUPES: nationale Umfragen, 16.5.2022, Quelle: Wikipedia.
Italien: nationale Umfragen, 7.-18.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 10.-12.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 12.-20.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 22.-31.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 25.7.-7.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 13.-24.7.2022, Quelle: Europe Elects.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 14.6.2022, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 14.6.2022, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnis der Europawahl, 26.5.2019.
Portugal: nationale Umfragen, 10.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: nationale Umfragen, 2.-11.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 7.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 14.-18.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 11.-16.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 5.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 7.-18.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 2.-12.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 14.7.2022, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 6.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 25.7.-7.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Litauen: nationale Umfragen, 18.-23.7.2022, Quelle: Wikipedia.
Lettland: nationale Umfragen, 7.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 10.8.2022, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 18.-20.7.2022, Quelle: Wikipedia.
Zypern: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 30.5.2021, Quelle: Wikipedia.
Luxemburg: nationale Umfragen, 7.6.2021, Quelle: Europe Elects.
Malta: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 26.3.2022, Quelle: Wikipedia.

Bilder: alle Grafiken: Manuel Müller.

7 Kommentare:

  1. Super interessante Arbeit!

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  2. Good work! In Italy, I doubt that LeU will join GUE

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  3. Ich bin Mal gespannt, wie sich die Diskussion um das Urheberrecht auf die nächsten Prognosen und auf das Wahlergebnis auswirken wird.

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  4. Gibt es keine Wahlprognosen zu den Jahren 2010,2011,2012 und 2013? Brauche diese für meine Hausarbeit an der Uni. Danke im voraus!

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    1. Regelmäßige Projektionen gibt es leider erst seit 2014. Vorher gab es nur einzelne Projektionen kurz vor der Europawahl 2009.

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  5. Okay vielen Dank trotzdem. Die Infos auf dieser Seite haben mir enorm weitergeholfen.

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  6. Spitzenmäßiger Überblick zur Europawahl! Mein Kompliment!

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