Wenn am nächsten Sonntag Europawahl wäre


GUE/
NGL
Grüne/
EFA
S&D ALDE EVP EKR EFDD ENF fʼlos Weitere
EP heute 52 51 189 68 217 74 45 37 18
Okt. 17 55 28 150 106 192 45 38* 37 12 15
Dez. 17 56 30 142 109 196 45 37* 36 9 18

Stand: 13.12.2017.
Die Europawahl 2019 wirft ihre Schatten voraus: In den letzten Tagen fassten sowohl die europäischen Sozialdemokraten als auch die christdemokratische Europäische Volkspartei Beschlüsse, wie sie im kommenden Jahr ihre Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten nominieren wollen. Die Sozialdemokraten wollen dazu von Herbst 2018 bis Frühjahr 2019 eine parteiinterne Vorwahl abhalten, deren genaues Verfahren noch festgelegt wird. Die Christdemokraten wiederum wollen ihren Spitzenkandidaten im November 2018 durch Delegierte auf einem Parteitag in Helsinki ernennen.

Dass beide großen europäischen Parteien sich eindeutig auf die Nominierung von Spitzenkandidaten festgelegt haben, ist einerseits ein gutes Zeichen für die europäische Demokratie – immerhin ist es noch nicht allzu lange her, dass die nationalen Regierungen mit dem Gedanken spielten, den nächsten Kommissionspräsidenten wieder ganz allein zu ernennen. Andererseits sieht es derzeit allerdings nicht danach aus, als ob es zu einem besonders spektakulären Rennen zwischen den beiden Kandidaten kommen würde. In der permanenten Großen Koalition, die die europäische Politik dominiert, wird traditionsgemäß jeweils der Kandidat der stärksten Fraktion im Europäischen Parlament Kommissionspräsident. Und die Europäische Volkspartei genießt in den jüngsten Umfragen einen Vorsprung von 54 Sitzen auf die Sozialdemokraten: der höchste Wert in der ganzen Wahlperiode – und bis zur Europawahl wohl kaum noch aufzuholen.

Desaströses Jahr der S&D

Für die gebeutelten Sozialdemokraten ist das das desaströse Ende eines ohnehin desaströsen Jahres. Zu nationalen Wahldebakeln in den Niederlanden, in Frankreich und in Tschechien (sowie, etwas weniger dramatisch, in Deutschland) kam auch der „Brexit-Effekt“ hinzu: Mit dem britischen EU-Austritt wird die sozialdemokratische S&D-Fraktion ihre Mitglieder von der Labour Party verlieren – während die EVP in Großbritannien niemals nennenswert vertreten war und deshalb auch durch den Brexit keinen Schaden nimmt.

Gegenüber der letzten Projektion von Oktober 2017 gibt die S&D nun noch einmal in mehreren Ländern Sitze ab. Der italienische PD leidet an neuer Konkurrenz von links, der rumänische PSD an anhaltenden Skandalen und einer umstrittenen Justizreform. Nur vereinzelt gibt es für die Sozialdemokraten auch gute Nachrichten, etwa in Spanien, wo der PSOE sich etwas verbessern kann. Insgesamt stürzt die S&D auf einen neuen Tiefstwert ab und würde nun nur noch 142 Sitze erreichen (–8).

EVP stabil

Die Europäische Volkspartei legt hingegen leicht zu und käme nun auf 196 Sitze (+4). Diese Zugewinne fanden vor allem in Ländern statt, in denen die Konservativen sich in der Opposition befinden: in Rumänien, Griechenland und Polen. Insgesamt hält sich die EVP nun bereits seit rund zwei Jahren recht stabil auf einem Niveau von 190 bis 200 Sitzen.

Angesichts der Schwäche der Sozialdemokraten würde ein solches Ergebnis wohl genügen, um bei der Wahl 2019 wieder die stärkste Fraktion zu stellen. Doch sollte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch die EVP in den Umfragen deutlich unterhalb ihres Ergebnisses von 2014 liegt – das seinerseits bereits ein drastischer Absturz gegenüber dem Ergebnis von 2009 war.

Große Koalition ohne Mehrheit

Verglichen mit der Zeit vor der Eurokrise befinden sich beide großen europäischen Parteien demoskopisch in schwacher Form. Als besonders auffällige Folge kämen sie in den jüngsten Umfragen auch nicht mehr auf eine absolute Mehrheit der Sitze: Nach der Projektion würde die Große Koalition aus EVP und S&D künftig nur noch 338 von 678 Abgeordneten stellen.

Der Gewinner bei diesem Niedergang der beiden großen Parteien sind die europäischen Liberalen. Deren Fraktion ALDE befindet sich schon heute in einer strategisch wichtigen Mittelposition zwischen dem Mitte-Links- und dem Mitte-Rechts-Block im Europäischen Parlament. Wenn künftig auch die Große Koalition auf Unterstützung von weiteren Parteien angewiesen ist, könnten die Liberalen künftig als „Zünglein an der Waage“ größte Bedeutung gewinnen.

ALDE wirbt weiter um Macron

Aber auch sonst profitiert die ALDE von der Schwäche der großen Parteien: Die Liberalen haben viele der Wählerstimmen gewonnen, die EVP und Sozialdemokraten verloren haben, und kommen in der Projektion seit der Frankreich-Wahl im Juni konstant auf über 100 Sitze (derzeit 109 / +3). Entsprechend selbstbewusst präsentierte sich die ALDE auch auf ihrem Kongress Anfang Dezember.

Die entscheidende Frage für die europäischen Liberalen bleibt allerdings, ob sich La République en Marche, die 2016 gegründete Partei des neuen französischen Präsidenten Emmanuel Macron, nach der Europawahl der ALDE-Fraktion anschließen wird oder nicht. Die Signale dazu sind bislang etwas widersprüchlich: LREM vermeidet bis jetzt jede öffentliche Festlegung – und ein Macron-naher sozialistischer Europaabgeordneter präsentierte jüngst sogar ein fraktionenübergreifendes Bündnis, das die von Macron geforderte „Neugründung Europas“ unterstützt und keinerlei formalen Bezug zur ALDE-Fraktion besitzt.

Allerdings ist dieses Pro-Macron-Bündnis explizit als „informelle Gruppe“ angelegt, nicht als Kern einer möglichen neuen Fraktion. Auf dem ALDE-Parteitag gab sich Parteichef Hans van Baalen deshalb trotz allem sehr zuversichtlich, dass sich LREM nach der Europawahl 2019 der ALDE anschließen wird. Ein Indiz dafür dürfte auch sein, dass Emmanuel Macron unlängst erklärte, er würde gern die derzeitige Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (RV/ALDE) als nächste Kommissionspräsidentin sehen: Immerhin ist Vestager eine der Favoritinnen für die ALDE-Spitzenkandidatur.

Linke und Grüne im Aufwärtstrend

Außer den Liberalen können auch die Parteien auf der linken Seite des politischen Spektrums mit dem Jahresausgang recht zufrieden sein. Die Linksfraktion GUE/NGL legt in der Projektion leicht zu, was vor allem an Italien liegt: Dort haben sich nach zähen Verhandlungen verschiedene linke Kleinparteien zu einem Wahlbündnis namens Liberi e Uguali (LeU) zusammengefunden, das in den Umfragen stark genug ist, um die nationale Vier-Prozent-Hürde zu überspringen. In anderen Ländern – etwa Spanien, Griechenland und Tschechien – erfahren die Linken zwar auch leichte Einbußen. Doch mit insgesamt 56 Sitzen (+1) halten sie sich nun schon seit rund einem halben Jahr auf recht hohem Niveau.

Auch die Fraktion der Grünen/EFA setzt ihren Aufwärtstrend der letzten Monate fort. Dies liegt zum einen an etwas besseren Werten der deutschen, schwedischen und luxemburgischen Grünen, vor allem aber am überraschend starken Abschneiden der tschechischen Piráti (die wie alle Piratenparteien in der Projektion der G/EFA zugerechnet wird) bei der nationalen Parlamentswahl im November. Insgesamt käme die Fraktion damit nun auf 30 Sitze (+2). Das liegt einerseits zwar deutlich unter dem Ergebnis der Europawahl 2014, ist andererseits aber der beste Wert der G/EFA seit der Ankündigung des britischen EU-Austritts.

ENF auf neuem Tiefstwert

Auf der rechten Seite schließlich gab es in den letzten Wochen kaum Veränderungen: Die rechtskonservative EKR-Fraktion hält sich konstant bei 45 Sitzen (±0), wobei leichten Verlusten in Polen leichte Zugewinne in Tschechien und der Slowakei gegenüberstehen.

Die nationalpopulistische EFDD-Fraktion verliert minimal (37 Sitze / –1), da ihr italienisches Mitglied M5S einen Sitz an LeU abgeben müsste. Der Frust darüber dürfte sich allerdings in Grenzen halten: Dank der Schwäche der Sozialdemokraten ist das M5S nun die stärkste politische Kraft in Italien – wenige Monate vor der nächsten nationalen Parlamentswahl.

Auch die Rechtsaußenfraktion ENF verliert in der Projektion einen ihrer italienischen Sitze und käme nun auf 36 Mandate (–1). Damit steht das Rechtsaußenbündnis in den Umfragen erstmals schlechter da als bei der Europawahl 2014. Seit Anfang des Jahres 2017 hat die ENF in der Projektion fast die Hälfte ihrer Sitze eingebüßt. Wichtigste Gründe dafür sind der Einbruch des französischen Front National bei der nationalen Parlamentswahl im Juni und der Fraktionsaustritt der deutschen AfD im September.

Fraktionslose Rechtsextreme verlieren

Darüber hinaus erlitten auch einige der Parteien am alleräußersten rechten Rand in den Umfragen zuletzt Verluste: Die ultranationalistischen Chrysi Avgi aus Griechenland, ĽSNS aus der Slowakei und Jobbik aus Ungarn, die im Europäischen Parlament allesamt fraktionslos sind, würden jeweils einen Sitz abgeben. Insgesamt kämen die fraktionslosen Parteien damit nur noch auf 9 Mandate (–3) – der niedrigste Wert in dieser Wahlperiode.

Zulegen können hingegen einige neue Parteien, die bislang nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und deshalb keiner Fraktion klar zugeordnet werden können (18 Sitze / +3). Neu im Tableau ist hier vor allem die slowenische LMŠ. Die Partei vertritt die Anhänger von Marjan Šarec, einem ehemaligen Kabarettisten, der bei der slowenischen Präsidentschaftswahl im Oktober/November überraschend die zweite Runde erreichte, ehe er in der Stichwahl gegen den Amtsinhaber Borut Pahor (SD/SPE) verlor.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Projektion für die Sitzverteilung zwischen den Fraktionen im nächsten Europäischen Parlament nach nationalen Einzelparteien auf. Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Die Werte für das Vereinigte Königreich werden zwar in der Tabelle angegeben, gehen jedoch nicht in die Gesamtsitzzahl ein.

Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht und nach welchen Kriterien die nationalen Parteien den europäischen Fraktionen zugeordnet wurden, ist im Kleingedruckten unter der Tabelle erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.



GUE/
NGL
Grüne/
EFA
S&D ALDE EVP EKR EFDD ENF fʼlos Weitere
EP heute 52 51 189 68 217 74 42 40 18
Okt. 17 55 28 150 106 192 45 38* 37 12 15
Dez. 17 56 30 142 109 196 45 37* 36 9 18
DE 9 Linke
1 Tier
10 Grüne
1 Piraten
1 ödp
20 SPD 9 FDP
1 FW
30 Union 1 Familie 11 AfD
1 Partei
1 NPD
FR 9 FI
6 PS 31 LREM 19 LR

9 FN

GB 1 SF 3 Greens
3 SNP
1 PC
32 Lab
1 SDLP
1 LibDem
25 Cons 5 UKIP
1 DUP
IT 5 LeU
19 PD
12 FI
1 SVP

21 M5S 11 LN
4 FdI


ES 7 UP 1 ERC
1 Comp
1 ICV
14 PSOE 12 Cʼs
1 PDeCAT
17 PP




PL


5 .N 12 PO
3 PSL
26 PiS


5 Kʼ15
RO

15 PSD 3 ALDE 9 PNL
2 PMP
2 UDMR




1 USR
NL 2 SP
1 PvdD
2 GL 2 PvdA 6 VVD
3 D66
3 CDA 1 CU
3 PVV
2 FvD
1 50plus
EL 5 Syriza
3 Pasok 1 EK 9 ND


1 XA
2 KKE

BE 2 PTB 2 Groen
1 Ecolo
1 sp.a
2 PS
2 OpenVLD
2 MR
2 CD&V
1 cdH
1 CSP
4 N-VA
1 VB

PT 1 CDU
2 BE

10 PS
8 PSD-CDS




CZ 1 KSČM 3 Piráti 1 ČSSD 8 ANO 1 TOP09
2 KDU-ČSL
3 ODS
2 SPD

HU
1 LMP 3 MSZP
1 DK

13 Fidesz


3 Jobbik
SE 2 V 1 MP 6 S 2 C
1 L
4 M
4 SD


AT 5 SPÖ 1 Neos 7 ÖVP

5 FPÖ

BG

6 BSP 1 DPS 8 GERB



2 OP
DK 1 FmEU
5 S 3 V
1 LA

3 DF



FI 1 Vas 2 Vihr 3 SDP 3 Kesk 3 Kok 1 PS



SK

4 SMER
1 KDH
1 M-H
2 OĽ-NOVA
2 SaS

1 SNS 1 ĽSNS 1 SR
IE 3 SF

3 FF 5 FG




HR 2 ŽZ
3 SDP
5 HDZ



1 Most
LT
2 LVŽS 1 LSDP 1 LRLS
1 DP
3 TS-LKD 1 LLRA 1 TT

1 LCP
LV

3 SDPS 2 ZZS 1 V 1 NA


1 JKP
SI

2 SD 1 DeSUS 2 SDS
1 NSi-SLS




2 LMŠ
EE

1 SDE 2 KE
2 RE





1 EKRE
CY 2 AKEL
1 DIKO
3 DISY




LU
1 Déi Gréng 1 LSAP 1 DP 3 CSV




MT

4 PL
2 PN





Verlauf


GUE/
NGL
G/EFA S&D ALDE EVP EKR EFDD ENF fʼlos Weitere
13.12.2017 56 30 142 109 196 45 37 36 9 18
16.10.2017 55 28 150 106 192 45 38 37 12 15
22.08.2017 57 24 149 108 196 42 29 44 12 17
27.06.2017 55 23 155 109 201 38 28 42 11 16
02.05.2017 46 28 170 82 198 35 27 59 12 21
mit GB 47 35 186 88 198 68 36 59 13 21
06.03.2017 50 35 182 80 191 69 48 60 14 22
16.01.2017 48 40 180 82 191 63 48 68 14 17
14.11.2016 48 38 182 91 194 65 47 61 13 12
13.09.2016 47 38 181 91 189 62 53 63 14 13
26.07.2016 48 39 185 90 192 59 54 61 13 10
25.05.2016 55 40 174 85 187 63 51 70 14 12
05.04.2016 52 37 179 85 192 72 50 53 15 16
07.02.2016 51 34 183 82 196 70 51 55 12 17
14.12.2015 52 33 185 87 192 68 52 53 12 17
17.10.2015 51 33 193 75 204 66 51 54 12 12
21.08.2015 56 35 190 74 204 70 47 49 11 15
30.06.2015 61 34 188 73 205 69 43 47 11 20
03.05.2015 60 32 193 80 205 62 44 51 15 9
10.03.2015 60 31 196 77 216 60 43 49 12 7
12.01.2015 65 40 190 70 212 59 47 43 17 8
18.11.2014 60 42 195 69 212 59 47 43 16 8
23.09.2014 53 39 196 67 223 61 47 40 15 10
28.07.2014 56 47 191 75 215 66 44 40 13 4
EP 01.07.14 52 50 191 67 221 70 48 37 15

Die Zeile „EP 01.07.14“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 1. Juli 2014, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2014. Bis März 2017 sind die Werte der Sitzprojektion einschließlich dem Vereinigten Königreich angegeben, ab Mai 2017 ohne das Vereinigte Königreich. Die Zeile „mit GB“ kennzeichnet die Werte für Mai 2017 mit dem Vereinigten Königreich. Die Spalte für die ENF-Fraktion gibt bis Mai 2015 die Werte der Europäischen Allianz für Freiheit (EAF) bzw. der Bewegung für ein Europa der Nationen und Freiheiten (BENF) und ihr nahestehender Parteien an, die bis zur Fraktionsgründung im Juni 2015 fraktionslos waren.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Bei den „weiteren“ Parteien ist zudem die ungefähre politische Ausrichtung angegeben, um ihre Bündnismöglichkeiten auf europäischer Ebene anzudeuten. Da die betreffenden Parteien allerdings oft erst vor kurzer Zeit gegründet wurden, befindet sich ihre Programmatik zum Teil noch im Fluss, sodass die Angabe lediglich zur groben Orientierung dienen kann.

Fraktionszuordnung

Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Wahl erklärt oder ein Fraktionswechsel erscheint aus anderen Gründen sehr wahrscheinlich. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören oder ihr in der politischen Ausrichtung sehr nahe stehen, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, die nicht im Parlament vertreten sind und bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden als „Weitere Parteien“ eingeordnet. Diese Zuordnungen folgen zum Teil natürlich auch einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung der Parteien. Jeder Leserin und jedem Leser sei es deshalb selbst überlassen, sie nach eigenen Kriterien zu korrigieren.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 25 Abgeordnete aus mindestens sieben Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete (z. B. aus der Spalte „Weitere“) für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wurde bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. In Ländern, wo es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder wo die letzte solche Umfrage mehr als ein Jahr zurückliegt, wurde stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament verwendet. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wurde der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet. Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wurde auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel wurden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. In Ländern, wo die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (Frankreich, Vereinigtes Königreich, Belgien, Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion wurden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen.
In Ländern, in denen es üblich ist, dass Parteien zu Wahlen in Listenverbindungen antreten, werden der Projektion jeweils die am plausibelsten erscheinenden Listenverbindungen zugrunde gelegt. Insbesondere werden für Spanien folgende Listenverbindungen angenommen: Unidos Podemos, Compromís und ICV (mit Compromís auf dem 3., ICV auf dem 6. Listenplatz); PDeCAT, PNV und CC (mit PNV auf dem 2., CC auf dem 4. Listenplatz).
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Mangels zuverlässiger Umfragedaten wird für diese Kleinparteien in der Projektion jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, FW, Familienpartei, PARTEI und NPD).
In Großbritannien haben wegen der Unterschiede im Wahlrecht einige Parteien nur bei Europawahlen echte Chancen, Mandate zu gewinnen. In Umfragen zu nationalen Wahlen schneiden diese Parteien deshalb strukturell deutlich schlechter ab als bei der Europawahl. Dies gilt vor allem für UKIP und Greens. Um dies zu kompensieren, wird in der Projektion für die Greens stets das Ergebnis der Europawahl herangezogen (3 Sitze). Für UKIP und LibDem werden die aktuellen Umfragewerte für nationale Wahlen verwendet, aber für die Projektion mit dem Faktor 3 (UKIP) bzw. 1,33 (LibDem) multipliziert.
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb jeweils mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf:
Deutschland: nationale Umfragen, 29.11.-12.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl (1. Runde), 11.6.2017.
Vereinigtes Königreich, England: nationale Umfragen, 28.11.-10.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Vereinigtes Königreich, Wales: Umfragen für Regionalwahl, 24.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Vereinigtes Königreich, Schottland: Umfragen für Regionalwahl, 30.11.-5.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Vereinigtes Königreich, Nordirland: regionales Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 8.6.2017.
Italien: nationale Umfragen, 29.11.-10.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 8.-17.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 24.11.-12.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, November 2017, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 27.11.-10.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 4.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 4.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 3.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnisse der Europawahl, 25.5.2014.
Portugal: nationale Umfragen, 4.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: nationale Umfragen, 24.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 15.-30.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 26.11.-6.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 3.-10.12., Quelle: Neuwal.
Bulgarien: nationale Umfragen, 22.6.2017, Quelle: Novinite.
Dänemark: nationale Umfragen, 26.11.-9.12.2017, Quelle: Berlinske Barometer.
Finnland: nationale Umfragen, 28.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 13.-18.11.2017, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 7.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 24.11.-7.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Litauen: nationale Umfragen, 19.11.2017, Quelle: Vilmorus.
Lettland: nationale Umfragen, November 2017, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 7.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 5.12.2017, Quelle: Wikipedia.
Zypern: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 22.5.2016.
Luxemburg: nationale Umfragen, 19.10.2016, Quelle: Luxemburger Tageblatt.
Malta: nationale Umfragen, 16.11.2017, Quelle: Malta Today.

Bilder: Eigene Grafiken.

1 Kommentar:

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