12 Januar 2026

Wenn an diesem Sonntag Europawahl wäre (Januar 2026): Rückschlag für Rechtsaußen – Trendwende oder nur statistisches Flackern?

Von Manuel Müller


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
Wahl 24 46531367718878842533
EP heute 46531367518879852731
Nov. 25 (B) 51371247117581105392413
Jan. 25 (B) 53371227117780104382711
Jan. 25 (D) 543712373177861063826
Basis-Szenario,
Stand: 7.1.2026.
Grafiken zum Vergrößern anklicken.


Dynamisches Szenario,
Stand: 7.1.2026.
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Wer angesichts der Weltlage zum Jahreswechsel Bedarf nach einem Hoffnungsschimmer hat, der mag ihn in den jüngsten europäischen Umfragen finden: Zum zweiten Mal in Folge geht der Sitzanteil der Rechtsaußen-Fraktionen in der Europawahl-Projektion leicht zurück; und während das in der letzten Projektion von Mitte November noch mit einer Radikalisierung innerhalb des rechten Lagers verbunden war, gehören diesmal alle drei Rechtsaußen-Fraktionen zu den Verlierern. Dazugewinnen können hingegen vor allem die Linksfraktion sowie fraktionslose linkskonservative und linksnationalistische Parteien.

Ob diese Werte allerdings wirklich auf eine Trendwende hinweisen, ist ungewiss. Denn zum einen handelt es sich in allen Fällen nur um sehr geringe Veränderungen – insgesamt ist das Bild gegenüber dem Herbst kaum verändert. Und zum anderen ist schon aus statistischen Gründen damit zu rechnen, dass es in Umfragen zu gewissen Schwankungen kommt. Dass sich die Rechtsaußenfraktionen in einem langen Aufwärtstrend befinden, bedeutet nicht, dass diese in jeder einzelnen Sitzprojektion stärker abschneiden als in der vorherigen; und umgekehrt müssen einzelne Rückschläge noch kein Anzeichen sein, dass dieser Trend gebrochen ist.

Fürs Erste zeigen die jüngsten Werte also nur, dass die Linie der Umfragewerte auch für die europäischen Rechtsaußenfraktionen noch nach unten knicken kann. Wie sich die europäische politische Stimmung im neuen Jahr entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Werfen wir unterdessen einen genaueren Blick auf die jüngsten Entwicklungen.

EVP mit leichten Gewinnen

Die Europäische Volkspartei, die größte Fraktion im Europäischen Parlament, zählt zu den Gewinnern der letzten Wochen. Vor allem in Rumänien und Lettland verbuchen die Konservativen Zugewinne, und auch in der Slowakei können sie sich leicht verbessern. In Irland wiesen die Umfragewerte zuletzt hingegen etwas abwärts, und auch die ungarische EVP-Mitgliedspartei Tisza verbucht gegenüber der November-Projektion leichte Verluste.

Vor allem Letzteres ist allerdings nur mit einem Korn Salz zu verstehen: Die ungarischen Meinungsforschungsinstitute sind stark politisiert, und im Vorfeld der nationalen Parlamentswahl im Frühling weichen die von ihnen ermittelten Umfragewerte der Parteien teils massiv voneinander ab. In der Projektion wird dieser Instituts-Bias teilweise neutralisiert, indem ein Durchschnitt aller Umfragen aus einem Zwei-Wochen-Zeitraum verwendet wird. Dennoch lassen sich die jüngsten Einbußen der Tisza wenigstens zum Teil dadurch erklären, dass in den letzten Wochen mehr regierungsnahe Institute Umfragen veröffentlicht haben als Anfang November. Wie die Stimmung in Ungarn wirklich ist, wird wohl erst die Parlamentswahl selbst zeigen – sofern sie denn frei und fair vonstatten geht.

Insgesamt kommt die EVP im Basis-Szenario der Sitzprojektion jetzt auf 177 Sitze (+2 gegenüber November). Das ist ihr bester Wert seit Juli 2025 und insgesamt etwa im Mittel der vergangenen Jahre, allerdings um einiges schlechter als das Ergebnis der Europawahl 2024.

S&D in neuem Allzeit-Tief

Deutlich düsterer sieht die Lage für die sozialdemokratische S&D-Fraktion aus, die in den Umfragen weiter an Zustimmung verliert. In Polen und den Niederlanden können Mitte-links-Parteien zwar etwas zulegen. In Dänemark, Finnland und Litauen – drei Länder, in denen sie in den letzten Monaten eigentlich recht gute Umfragewerte aufweisen – erfahren sie jedoch leichte Rückschläge. Auch in Bulgarien fallen die Werte der Sozialdemokrat:innen aktuell etwas schwächer aus, und in Ungarn würden sie überhaupt keinen Sitz im Europäischen Parlament mehr gewinnen (und zwar in Umfragen sowohl der regierungs- als auch der oppositionsnahen Meinungsforschungsinstitute).

Insgesamt erreicht die S&D-Fraktion in der Projektion nur noch 122 Sitze (–⁠2) und sinkt damit auf einen neuen historischen Tiefstwert. Wie schwierig ihre Lage ist, zeigt sich auch relativ zu den übrigen Fraktionen: Seit der Europawahl 1999 war die sozialdemokratische Fraktion im Parlament stets die zweitstärkste Kraft hinter der EVP, konnte sich aber immer wieder realistische Hoffnungen machen, diese zu überholen (etwa bei der Europawahl 2014, wo sie nach Wählerstimmen sogar den ersten Platz erreichte). Seit der Europawahl 2024 liegt der Vorsprung der EVP jedoch recht stabil bei etwas über 50 Sitzen – und ist in der aktuellen Projektion erstmals mehr als dreimal so groß wie der Vorsprung der S&D gegenüber der drittstärksten Kraft, der rechtsextremen PfE-Fraktion.

RE unterm Strich unverändert

Schon vor längerem von der PfE überholt wurde die dritte Kraft der politischen Mitte, die liberale RE-Fraktion. Diese befindet sich bereits seit über drei Jahren in einem langanhaltenden Abwärtstrend – der sich zuletzt allerdings immerhin nicht beschleunigt hat.

Zwar boten auch die letzten Wochen noch einmal schlechte Nachrichten für die Liberalen, die insbesondere in Italien wieder unter die nationale Vier-Prozent-Hürde rutschten. Diese Verluste werden jedoch durch Zugewinne unter anderem in Bulgarien und Portugal kompensiert. Unter dem Strich steht die RE-Fraktion damit unverändert bei 71 Sitzen (±⁠0).

Grüne stabil, Linke legen zu

Auf niedrigem Niveau stabil hält sich auch die Fraktion der Grünen/EFA. Hier stehen minimale und wohl nur auf Zufallsschwankungen zurückzuführende Verluste in Deutschland leichten Zugewinnen in Dänemark gegenüber. Insgesamt erreicht die grüne Fraktion damit weiterhin 37 Sitze (±⁠0).

Dazugewinnen kann hingegen die Linksfraktion, die teilweise von der Schwäche der Sozialdemokrat:innen profitiert. In den letzten Wochen konnte hier vor allem die irische SF ihre Stellung als stärkste nationale Kraft ausbauen. Auch die spanische Podemos und die finnische Vasemmistoliitto gewinnen leicht hinzu. Die zyprische AKEL fällt hingegen aufgrund geringfügiger Umfrageschwankungen minimal zurück, sodass die Linksfraktion im Ganzen nun auf 53 Sitze kommt (+2).

Rechtsaußen erfährt Einbußen

Auf der rechten Seite des politischen Spektrums kommt es hingegen, wie bereits angesprochen, zu Verlusten: Im Basis-Szenario schneiden alle drei Rechtsaußenfraktionen (EKR, PfE und ESN) um jeweils genau einen Sitz schlechter ab als im November.

Das klingt einerseits nicht allzu beeindruckend: Schwankungen von dieser Größenordnung gehören in der Projektion eigentlich zur Normalität. Tatsächlich ist es andererseits jedoch das erste Mal seit August 2022 – also seit fast dreieinhalb Jahren –, dass das Rechtsaußenlager als Ganzes gegenüber der vorhergehenden Projektion um mehr als zwei Sitze zurückfällt. (Einzige Ausnahme ist Mai 2024, als die deutsche AfD unmittelbar vor der Europawahl aus der PfE-Vorgängerfraktion ID ausgeschlossen worden war und in der Projektion deshalb nicht mehr als Teil des Rechtsaußenlagers, sondern als fraktionslos erschien.)

Dass der kleine Verlust überhaupt so sehr auffällt, ist also vor allem ein Anzeichen dafür, wie stark und konstant der Aufschwung der europäischen Rechtsaußenparteien in den letzten Jahren war.

Jeweils minimale Verluste für EKR, PfE und ESN

Und auch jetzt sind die Einbußen keineswegs einheitlich. In der EKR-Fraktion zum Beispiel können die italienischen FdI und die belgische N-VA geringfügig zulegen. Die lettische NA und die polnische PiS fallen hingegen zurück, und die spanische SALF würde nun gar keinen Sitz mehr im Europäischen Parlament erreichen. Insgesamt steht die EKR-Fraktion damit bei 80 Sitzen (–⁠1).

In der PfE-Fraktion verzeichnen die belgische VB, die österreichische FPÖ und die portugiesische Chega in der Projektion Sitzverluste – die beiden Letzteren jedoch nur aufgrund von minimalen Umfrageschwankungen. Teilweise kompensiert wird das durch die Zugewinne der ungarischen Fidesz, die ihrerseits allerdings, wie bereits erwähnt, wenigstens zum Teil auf den Bias regierungsnaher ungarischer Meinungsforschungsinstitute zurückzuführen sind. Unter dem Strich sitzt die PfE-Fraktion bei 104 Sitzen (–⁠1).

Fast gar keine Veränderungen gibt es schließlich bei der ESN-Fraktion, bei der lediglich die slowakische Mitgliedspartei Republika in den Umfragen leichte Einbußen erfährt. Insgesamt kommt die ESN nun auf 38 Sitze (–⁠1). Damit reißt die spektakuläre Serie der Fraktion, die in der Sitzprojektion zuvor acht Mal in Folge hatte dazugewinnen können.

Fraktionslose und „sonstige“ Parteien

Die größten Zugewinne in den letzten Wochen machen die fraktionslosen Parteien, wobei sehr unterschiedliche politische Richtungen zum Zuge kommen:

  • In Griechenland legt die linksnationale PE zu, die im linken Lager die frühere Regierungspartei Syriza (Linke) deutlich überholt hat und nun der sozialdemokratischen PASOK (S&D) den Platz als stärkste Oppositionspartei streitig zu machen versucht.
  • In Deutschland verbessert sich das (intern zerstrittene und um seine politische Relevanz ringende) linkskonservative BSW in der Projektion um einen Sitz – allerdings nur aufgrund von minimalen Schwankungen in den Umfragen.
  • In Polen kann die monarchistische, antisemitische und anti-ukrainische KKP leicht dazugewinnen.
  • In Zypern hat Fidías Panayiótou, der bei der Europawahl 2024 als unabhängiger Kandidat ins Europäische Parlament eingezogen ist, im Oktober 2025 eine eigene Partei gegründet, die nach den aktuellen Umfragen erneut einen Sitz gewinnen könnte.

Aktuell nicht mehr im Europäischen Parlament vertreten wäre hingegen die katalanisch-separatistische Partei Junts aus Spanien. Grund dafür ist die zunehmende Zersplitterung des katalanisch-separatistischen Lagers, in dem Junts zuletzt stark an die rechtsextreme Aliança Catalana verloren hat – die ihrerseits jedoch ebenfalls weit davon entfernt ist, einen Sitz im Europäischen Parlament zu gewinnen. Insgesamt kommen die Fraktionslosen in der Sitzprojektion damit auf 27 Sitze (+3).

Die „sonstigen“ Parteien (die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und auch keiner europäischen Partei angehören, sodass sie keiner Fraktion eindeutig zugeordnet werden können) machten in den letzten Wochen hingegen eher Verluste. Während die litauische Rechtspartei NA leicht dazugewinnt, fallen die sozialdemokratischen SD aus Irland etwas zurück und die populistische Rechtsaußenpartei POT aus Rumänien würde nun wieder an der nationalen Fünfprozenthürde scheitern. Zusammen stehen die politisch heterogenen „Sonstigen“ damit noch bei 11 Sitzen (–⁠2).

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem die nationalen Parteien jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind. Parteien, die weder im Parlament vertreten sind noch einer europäischen Partei angehören, verbleiben in der Spalte „Sonstige“.

Das dynamische Szenario der Sitzprojektion baut auf dem Basisszenario auf, ordnet jedoch auch alle „sonstigen Parteien“ jeweils Fraktionen zu, denen diese plausiblerweise beitreten könnten. In der Tabelle sind die Veränderungen vom Basis- zum dynamischen Szenario durch farbige Schrift und durch Hinweise im Mouseover-Text gekennzeichnet. Gegebenenfalls sind im Mouseover-Text zudem noch alternative Zielfraktionen für die betreffende Partei angeführt.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
Wahl 24 46531367718878842533
EP heute 46531367518879852731
Nov. 25 (B) 51371247117581105392413
Jan. 25 (B) 53371227117780104382711
Jan. 25 (D) 543712373177861063826

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
DE 9 Linke
1 Tier
10 Grüne
3 Volt
13 SPD 3 FDP
3 FW
22 Union
1 Familie
1 ÖDP


23 AfD 4 BSW
2 Partei
1 PdF

FR 8 LFI

13 PS 14 RE 12 LR
34 RN


IT 11 M5S
2 SI
3 EV 19 PD
7 FI
1 SVP
26 FdI 7 Lega


ES 3 Pod
2 Sumar
1 Bildu
2 Sumar
1 ERC

18 PSOE 1 PNV
21 PP
12 Vox


PL

4 Lewica
18 KO
15 PiS 5 Konf 6 Konf 5 KKP
RO

8 PSD
3 USR
1 PMP
7 PNL
14 AUR



NL
2 GL
3 PvdA 7 D66
5 VVD
4 CDA

6 PVV 2 FvD

BE 3 PTB 1 Groen
1 Vooruit
3 PS
1 O-VLD
2 MR
1 LE
2 CD&V
1 CSP
4 N-VA 3 VB


CZ
2 Piráti


2 STAN
1 TOP09
1 KDU-ČSL
4 ODS 8 ANO
1 AUTO
2 SPD

EL 1 Syriza
3 PASOK
7 ND 3 EL 1 FL
3 PE
2 KKE
1 MéRA

HU



10 TISZA

10 Fidesz 1 MHM

PT
1 Livre
6 PS 2 IL 7 AD
5 Chega


SE 2 V 1 MP 7 S 1 C
4 M
1 KD
5 SD



AT
2 Grüne 4 SPÖ 2 Neos 4 ÖVP
8 FPÖ


BG

1 BSP 3 PP
5 GERB
1 DB


3 V 3 DPS-NN
1 MECh

DK 1 Enhl. 3 SF 3 S 2 V
1 RV
2 LA
1 K
1 DD 1 DF



SK


4 PS 2 Slov
1 KDH
1 D
1 SaS

1 REP 3 Smer
2 Hlas

FI 2 Vas 1 Vihreät 4 SDP 2 Kesk
3 Kok
3 PS



IE 6 SF


4 FF
3 FG



1 SD
HR
2 Možemo 4 SDP
5 HDZ



1 Most
LT
2 DSVL 2 LSDP 1 LS
3 TS-LKD 1 LVŽS



2 NA
LV
1 Prog

2 JV
1 NA
1 LRA
2 LPV


1 ZZS
1 ST!
SI

1 SD 3 GS 4 SDS
1 N.Si





EE

1 SDE 1 RE
2 KE
2 Isamaa
1 EKRE


CY 1 AKEL


2 DISY 1 ELAM

1 AD 1 ALMA
LU

1 LSAP 2 DP 2 CSV


1 ADR

MT

3 PL
3 PN





Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
07.01.26 53 37 122 71 177 88 104 38 27 11
10.11.25 51 37 124 71 175 81 105 39 24 13
01.09.25 55 40 123 66 176 85 105 37 21 12
01.07.25 51 44 124 73 181 80 99 36 20 12
19.05.25 49 40 130 76 179 79 100 35 23 9
24.03.25 52 41 131 73 177 79 99 33 24 11
27.01.25 48 43 130 81 185 77 93 29 24 10
02.12.24 43 41 131 83 186 73 100 27 24 12
07.10.24 44 41 136 79 186 74 96 26 29 9
12.08.24 44 45 137 77 191 73 88 25 31 9
Wahl 24 46 53 136 77 188 78 84 25 33

Verlauf (dynamisches Szenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR PfE ESN fʼlos Sonst.
07.01.26 54 37 123 73 177 86 106 38 26
10.11.25 52 37 126 73 175 86 109 39 23
01.09.25 56 40 125 68 177 89 107 37 21
01.07.25 52 44 126 75 181 84 101 37 20
19.05.25 49 40 132 78 179 82 101 36 23
24.03.25 52 41 132 74 179 82 103 33 24
27.01.25 49 43 132 82 185 80 96 29 24
02.12.24 43 42 133 82 186 77 104 27 26
07.10.24 46 41 137 79 187 77 97 26 30
12.08.24 45 46 138 78 191 76 89 25 32
Wahl 24 46 53 136 77 188 78 84 25 33

Die Zeile „Wahl 24“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 16. Juli 2024, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Juni 2024.
Für Übersichten von Sitzprojektionen aus früheren Wahlperioden siehe hier (2014-2019) und hier (2019-2024).

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt (siehe unten). Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten (also 7 der 27 Mitgliedstaaten) erforderlich. Gruppierungen, die diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen, müssten gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich (wieder) als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet. Zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren teils auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Bei „sonstigen“ Parteien und Parteien, bei denen nach der nächsten Europawahl ein Fraktionswechsel wahrscheinlich erscheint, nennt der Mouseover-Text zudem die Fraktionen, denen sich die Partei gegebenenfalls anschließen könnte. Dabei wird die Fraktion, der die Partei im dynamischen Szenario zugeordnet ist, als Erstes aufgeführt.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen die letzte spezifische Europawahlumfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt oder in den letzten zwei Wochen deutlich weniger Umfragen zur Europawahl als zur Wahl zum nationalen Parlament veröffentlicht wurden, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Länder, in denen es keine aktuellen Umfragen für Parlamentswahlen gibt, wird stattdessen gegebenenfalls auf Umfragen zu Präsidentschaftswahlen zurückgegriffen, wobei die Umfragewerte der Präsidentschaftskandidat:innen jeweils den Parteien der Kandidat:innen zugeordnet werden (dies kann insbesondere Frankreich und Zypern betreffen). Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft gegebenenfalls die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. In der Tabelle sind diese in der Regel unter der Bezeichnung des Wahlbündnisses oder der größten dazugehörigen Partei zusammengefasst. Manchmal gehören die Parteien eines Wahlbündnisses im Europäischen Parlament jedoch unterschiedlichen Fraktionen an. In diesem Fall werden die Parteien einzeln aufgeführt und (in der Regel auf Grundlage der Europawahlergebnisse 2024) eine Plausibilitätsannahme über die Verteilung der Listenplätze getroffen. Das betrifft folgende Fälle: Spanien: Sumar: Sumar (1., 6. Listenplatz), CatComù (2.), Compromís (3.), IU (4.) und Más País (5.); Ahora Repúblicas: ERC (1., 4.), Bildu (2.) und BNG (3.); CEUS: PNV (1.) und CC (2.); Rumänien: ADU: USR (1.-2., 4.-5., 7.-9.), PMP (3.) und FD (6.); Niederlande: GL-PvdA: PvdA (1., 3., 5. etc.) und GL (2., 4., 6. etc.); Tschechien: Spolu: TOP09 (1., 3., 5. etc.) und KDU-ČSL (2., 4., 6. etc.); Stačilo: Stačilo (1., 3., 5. etc.) und SOCDEM (2., 4., 6. etc.); Ungarn: DK: DK (1.-4., 6., 8.), MSZP (5.), PM (7.). In manchen Ländern ist die genaue Verteilung der Sitze unter den Parteien eines Wahlbündnisses von Vorzugsstimmen oder regionalen Wahlkreisergebnissen abhängig, sodass sich im Voraus nur eine Plausibilitätsannahme darüber treffen lässt. Dies betrifft folgende Fälle: Italien: AVS: EV (1., 3.-4., 6.-7. etc.) und SI (2., 5., 8. etc.); Polen: Konfederacja: NN (1., 3., 5. etc.) und RN (2., 4., 6. etc.). In Frankreich erfassen manche Umfragen PS (S&D), EELV (G/EFA), PCF (Linke) und manchmal auch LFI (Linke) zusammen; in diesen Fällen werden die erhobenen Werte zwischen den Parteien entsprechend dem Verhältnis in der letzten Umfrage aufgeteilt, in der diese getrennt ausgewiesen wurden. In Tschechien erfassen die meisten Umfragen ODS (EKR), TOP09 und KDU-ČSL (beide EVP) gemeinsam; in diesen Fällen werden zwei Drittel der entsprechend berechneten Sitze ODS zugeordnet, ein Drittel der Allianz aus TOP09 und KDU-ČSL. In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen, sofern sie mit einer größeren Partei kooperieren. Dies ist der Fall bei der SVP im Bündnis mit FI.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Da deutsche Umfrageinstitute für Kleinparteien jedoch in der Regel keine Werte ausweisen, wird in der Projektion jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 3 Sitze für Volt und FW, 2 Sitze für die PARTEI, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Familienpartei und PdF). Falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert genutzt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung der Umfragen; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung:
Deutschland: nationale Umfragen, 5.1.2026, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: nationale Umfragen, 7.-8.10.2025, Quelle: Wikipedia.
Italien: nationale Umfragen, 11.-22.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 29.12.2025-3.1.2026, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 21.12.2025-3.1.2026, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 17.-19.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 15.-19.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: Umfragen für die nationale Parlamentswahl in der Wallonie, 9.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: Umfragen für die nationale Parlamentswahl in Flandern, 9.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnisse der Europawahl, 9.6.2024.
Tschechien: Ergebnisse der nationalen Parlamentswahl, 3.-4.10.2025, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 16.-29.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Ungarn: nationale Umfragen, 18.-20.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Portugal: nationale Umfragen, 12.-19.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 16.-29.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 5.1.2026, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 7.-12.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 11.-21.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 9.-16.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 2.1.2026, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 5.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 25.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Litauen: nationale Umfragen, 16.-29.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Lettland: nationale Umfragen, 4.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 17.-28.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 10.-21.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Zypern: nationale Umfragen, 3.12.2025, Quelle: Wikipedia.
Luxemburg: nationale Umfragen, 29.9.2025, Quelle: Wikipedia.
Malta: nationale Umfragen, 13.-20.11.2025, Quelle: Wikipedia.


Bilder: alle Grafiken: Manuel Müller; Porträt Manuel Müller: Finnish Institute of International Affairs [alle Rechte vorbehalten].

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