18 September 2026

SOTEU 2026: Was Ursula von der Leyen in ihrer Rede zur Lage der Union gesagt hat (und was nicht)

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Herausgegeben von Manuel Müller

mit Beiträgen von Cordelia Buchanan Ponczek, Carmen Descamps, Saila Heinikoski, Niklas Helwig, Alex Hoppe, Manuel Müller, Katariina Mustasilta, Julian Plottka, Sophie Pornschlegel, Federica Prandin, Antti Viktor Rauhala, Sophia Russack, Sanna Salo, Claudia Schmucker, Timo R. Stewart und Kristina Weissenbach

Ursula von der Leyen during the 2026 State of the European Union address
Die beste Zeit, die schlechteste Zeit: Ursula von der Leyen während der Rede zur Lage der EU 2026.

„Es war die beste Zeit, es war die schlechteste Zeit“: Mit dem berühmten ersten Satz aus Charles Dickens’ Geschichte aus zwei Städten eröffnete Ursula von der Leyen ihre diesjährige Rede zur Lage der Europäischen Union (State of the European Union, SOTEU). Ihrer Meinung nach sei dies eine treffende Beschreibung der Welt, in der wir leben. Die EU sei „stärker als je zuvor“ und fühle sich zugleich „so gefährdet wie nie zuvor“ an. Doch zumindest habe Europa sich in einer Welt „großer Möglichkeiten und großer Gefahren“ dafür entschieden, „seinen eigenen Weg zu gehen“.

Im Vergleich zur kämpferischen SOTEU des letzten Jahres schlug die diesjährige Rede einen gemäßigteren Ton an. Von der Leyen hob zwar erneut die zahlreichen Herausforderungen hervor, vor denen die EU steht, präsentierte daneben aber auch eine ganze Reihe von Erfolgsgeschichten. Im Gegensatz zum letztjährigen „Moment der europäischen Unabhängigkeit“ gab es diesmal keinen einprägsamen neuen Slogan – dafür allerdings einen bemerkenswerten Ehrengast: Mark Carney, der kanadische Premierminister, wohnte der Rede bei und durfte sich von der Kommissionspräsidentin mit Komplimenten überhäufen lassen.

Die guten Beziehungen zwischen Europa und Kanada waren aber natürlich nicht das einzige der Thema der SOTEU. Dieser Artikel ist eine Sammlung von kurzen Texten, in denen Expert:innen aus unterschiedlichen Universitäten und Forschungsinstituten analysieren, was von der Leyen zu wichtigen EU-Schlüsselthemen sagte: Wirtschaftspolitik, Künstliche Intelligenz, Social Media, Klima, Energie, Migration, Schengen, die Haushaltsverhandlungen, Kohäsionspolitik, Demokratie, hybride Bedrohungen, Sicherheit, globale Beziehungen, Russland und Ukraine, EU-US-Beziehungen, der Handel mit China, der Nahe Osten, EU-Erweiterung und institutionelle Reformen. Einige dieser Themen spielten eine zentrale Rolle in der Rede, andere wurden nur am Rande erwähnt oder kamen überhaupt nicht vor.

Weitere Informationen zur Rede gibt es auf der Website der Kommission, wo auch der originale mehrsprachige Text sowie eine deutsche Übersetzung zu finden sind.

Wirtschaftspolitik: Das Ziel im Blick, aber noch in den Startlöchern

Die Geoökonomie ist im Mittelpunkt der EU-Wirtschaftspolitik angekommen: Wachstum ist nicht mehr nur eine Frage des Wohlstands, sondern der Sicherheit und der strategischen Interessen. „Ein Kampf um industrielle Kapazitäten prägt den globalen Wettbewerb“, sagte von der Leyen und stellte den unvollständigen Binnenmarkt der EU damit nicht als Effizienz-, sondern als strategisches Problem dar. Kritische Mineralien sind eines der wichtigsten Schlachtfelder in diesem Kampf, und China dominiert diesen Bereich. Die USA haben dort deshalb bereits die Prinzipien des freien Marktes aufgegeben und setzen stattdessen auf Direktbeteiligungen, Preisuntergrenzen und andere direkte Eingriffe. Die EU scheint diesem Beispiel nun zu folgen. Die wichtigste neue wirtschaftliche Ankündigung war die Gründung einer „Europäischen Gesellschaft für kritische Rohstoffe“, die gemeinsame Vorräte an Mineralien anlegen soll, auf die die europäische Industrie angewiesen ist.

Dabei stehen vor allem die nördlichen Mitgliedstaaten (einschließlich Deutschlands) der Notwendigkeit, dass die EU bei der Wahrung ihrer strategischen wirtschaftlichen Interessen eine aktivere Rolle übernimmt, nach wie vor skeptisch gegenüber. Auffälligerweise nicht erwähnt wurde in der Rede der Industrial Accelerator Act, der „Made in EU“-Präferenzen einführen würde. Nach monatelanger Verzögerung war der Entwurf dafür im März als eine Flagschiff-Initiative vorgestellt worden, seitdem jedoch im Ausschuss ins Stocken geraten. Während die zunehmenden Konflikte in der Weltwirtschaft mittlerweile allgemein als Prämisse anerkannt werden, fällt es der EU noch schwer, die Skeptiker:innen von Maßnahmen zu überzeugen, die über die Arbeit an der Vollendung des Binnenmarkts hinausgehen.

Statt auf Interventionen konzentrierte sich die Rede vor allem auf den marktöffnenden Teil der Agenda, hinter dem sich die Mitgliedstaaten leichter versammeln können. Mit einem Fokus auf die Umsetzung der Draghi-Reformagenda legte von der Leyen den Schwerpunkt auf den in diesem Frühjahr vereinbarten „One Europe, One Market“-Fahrplan, der das Jahr 2027 als Frist für den Abschluss der wichtigsten Reformen festsetzt. Dazu zählen die Schließung von nationalen Regelungslücken, die Einführung schnellerer Genehmigungsverfahren sowie die Vereinfachung von Banken- und Verkehrsregulierungen.

Untersuchungen zeigen allerdings, dass zwei Jahre nach Veröffentlichung des Draghi-Berichts noch keine der zentralen Empfehlungen umgesetzt wurde; eine unabhängige Einschätzung beziffert den Umsetzungsgrad insgesamt lediglich auf 16 %. Bezeichnenderweise war die einzige Reform, die zügig vorangetrieben wurde, eine Reduzierung der Sorgfaltspflichten um 70 % innerhalb eines Jahres – eine Deregulierungsmaßnahme. Es ist einfacher, Vorschriften abzubauen, als diejenigen einzuführen, die für die Vollendung des Binnenmarkts erforderlich sind.

Realistischerweise wird die EU ihr eigenes 2027-Ziel wohl kaum erreichen. Dennoch versuchte von der Leyen Hoffnung zu machen. Dafür verwies sie auf die unerwartet gute Widerstandsfähigkeit der EU während der Hormuz-Krise sowie auf die Erfolgsgeschichte von ICEYE, einem finnisch-polnischen Raumfahrttechnik-Unternehmen, das auf Horizon-Fördermitteln, privatem Kapital und der Freiheit zur grenzüberschreitenden Wirtschaftstätigkeit aufgebaut wurde. Im Kampf um die europäische Unabhängigkeit wird die ehrliche Bilanz in einem Jahr aber wohl genauso aussehen wie heute: Es gibt echte Fortschritte, nur nicht in dem Tempo, das ein solcher Kampf erfordert.

Antti Viktor Rauhala • Link

Künstliche Intelligenz: Tragende Säule für Europa

Künstliche Intelligenz (KI) war eines der deutlichsten Querschnittsthemen der Rede. Von der Leyen bezeichnete sie als „tragende Säule unserer Wirtschaft und Sicherheit“ und brachte sie in Zusammenhang mit Europas Wettbewerbsfähigkeit, strategischer Unabhängigkeit, Verteidigung, Gesundheitswesen, Industrie, Beschäftigung und Bildung. Ihr Ausgangspunkt war bewusst optimistisch: Europa solle KI „bestmöglich nutzen“, da diese „das Potenzial hat, der Menschheit einen Nutzen zu bringen – wenn wir es richtig angehen“. Gleichzeitig betonte von der Leyen, dass sich das Gleichgewicht zwischen Chancen und Risiken rasch verändere. Sie verwies auf immer mächtigere Möglichkeiten des Hackings, die Gefahr, dass weit entwickelte Systeme in die Hände feindlicher Akteure gelangen könnten, sowie auf Warnungen von Entwickler:innen vor sich selbst verbessernden Modellen. Europa solle deshalb auf die globale Debatte einwirken, unter anderem indem es die führenden KI-Forschungslabore in eine Diskussion darüber einbeziehe, was jetzt getan werden solle.

Darauf folgte eine klare Agenda für europäische Handlungsfähigkeit und Souveränität: Europa brauche eigene Rechenkapazitäten, Investitionen und eine KI-Infrastruktur, um seine Sicherheit und Unabhängigkeit zu schützen. Öffentliches und privates Kapital solle mobilisiert werden, um europäische Start-ups und Unternehmen zu unterstützen, unter anderem durch eine groß angelegte Recheninfrastruktur. Gleichzeitig wies von der Leyen ausdrücklich die Vorstellung zurück, dass Europa einen Wettlauf um die Entwicklung der fortschrittlichsten Pioniermodelle gewinnen müsse. Vielmehr bestehe das Ziel darin, „die KI von den Bildschirmen in unsere reale Wirtschaft und unsere Gesellschaft [zu] holen“ und in Sektoren, in denen Europa bereits stark sei, Mehrwert durch KI zu schaffen. Als Bereiche mit besonders hohem Potenzial hob sie Gesundheit, Verkehr, Agrar- und Ernährungswirtschaft, Spitzenfertigung, Verteidigung und Raumfahrt hervor und kündigte weitere „wegweisende Initiativen“ in diesen Sektoren an.

Gleichzeitig solle die europäische Herangehensweise weiterhin den Menschen in den Mittelpunkt stellen: „KI muss unsere Ärztinnen und Ärzte unterstützen. Sie darf sie aber nicht ersetzen.“ In der sozialen Marktwirtschaft solle KI Menschen beim Kompetenzerwerb helfen und Arbeitnehmer:innen faire Chancen bieten, statt die Ungleichheiten zwischen Generationen, Regionen oder Qualifikationsniveaus zu vertiefen.

Vor diesem Hintergrund wird der angekündigte Rechtsakt für hochwertige Arbeitsplätze, das noch vor Jahresende vorgelegt werden soll, ein wichtiger konkreter nächster Schritt sein. Er soll die in der Rede dargelegte allgemeine KI-Strategie – mehr europäische Kapazitäten, mehr Investitionen, mehr Anwendungen und mehr Qualifikationen – in eine Gesetzesinitiative übersetzen.

Kristina Weissenbach • Link

Social Media: Von Technologiepolitik zum Kinderschutz

Die sozialen Medien waren ein ungewöhnlich persönliches Thema in der SOTEU. In diesem Teil ihrer Rede brachte Ursula von der Leyen ihren besonderen weiblichen politischen Stil zum Ausdruck, in dem sie eine Regulierungsagenda aus einer betont familien- und frauenzentrierten Perspektive beleuchtete. Sie hob hervor, wie viel Zeit junge Europäer:innen vor dem Bildschirm verbringen und wie Plattformdesigns bewusst darauf ausgelegt sind, die Aufmerksamkeit zu fesseln und Nutzer:innen zum Weiterscrollen zu bringen. Ihr zentrales Argument war, dass Kinder Zeit abseits von Bildschirmen bräuchten: Zeit, um mit anderen zu interagieren, das „reale Leben“ zu erleben, „sogar Zeit, sich zu langweilen“, um ihre Vorstellungskraft zu entwickeln und sich eigene Meinungen zu bilden.

Zur Veranschaulichung verwies sie auf ein sehr persönliches Beispiel: ein belgisches Mädchen, das nach Online-Mobbing durch Selbstmord ums Leben kam. Aus der abstrakten Debatte über Algorithmen und Plattformregulierung wurde dadurch ein Thema, bei dem es um echte Familien, Kinder und das Leben einzelner Menschen ging. Die Rede stellte die Regulierung sozialer Medien nicht nur als Technologiepolitik dar, sondern als eine Frage der Kindheit, der elterlichen Verantwortung und der menschlichen Autonomie.

An politischen Maßnahmen kündigte von der Leyen als unmittelbare regulatorische Antwort den von der Kommission geplanten „EU Kids Act“ an: ein schrittweiser und differenzierter Ansatz mit Altersbeschränkungen, dem zufolge Kinder unter 13 Jahren keinen Zugang zu sozialen Medien erhalten sollen, während für Kinder unter 15 Jahren nur begrenzte „Mini-Konten“ zulässig sind und für ältere Jugendliche strengere Anforderungen an die sicherheitsorientierte Gestaltung gelten. Dies baut auf den umfassenderen Arbeiten der Kommission zur Altersüberprüfung und zur Sicherheit von Kindern im Internet auf.

Darüber hinaus kündigte von der Leyen einen „Rechtsakt für Fairness im digitalen Raum“ an, der für den Herbst geplant ist und dessen Fokus über Kinder hinausgeht: Angegangen werden sollen suchtförderndes Design, Techniken zur Aufmerksamkeitsgewinnung, komplexe Verträge sowie Abonnementfallen – nach dem Grundsatz, dass die Politik, und nicht die „Big Tech“-Unternehmen, die Regeln bestimmt.

Zusammen stellten die Themen KI und soziale Medien in der SOTEU zwei sich ergänzende Dimensionen derselben digitalen Agenda dar. Während KI als strategische Chance erschien, wurden soziale Medien als regulatorische Herausforderung behandelt. Was beide Themenbereiche besonders hervorhob, war die Verwendung individueller Geschichten und Beispiele aus dem Alltag. Krebsvorsorge, Ärzte, Arbeitnehmer:innen und europäische Unternehmen machten die KI-Agenda greifbar; Kinder, Smartphones, Online-Mobbing und Familien taten dasselbe für die sozialen Medien. Die Digitalisierung wurde damit nicht als rein technologisches Projekt dargestellt, sondern immer wieder auf eine zentrale politische Frage zurückgeführt: Wie kann Europa die Vorteile der Technologie nutzen und gleichzeitig sicherstellen, dass sie im Dienste der Menschen bleibt?

Kristina Weissenbach • Link

Klima: Der bürokratische Weg zur Anpassung?

Dieser Sommer, so von der Leyen, war für Europa ein „Sommer der Wahrheit“. Waldbrände, schwindende Gletscher, Wasserknappheit, Ernteausfälle und hitzebedingte Todesfälle bildeten den Hintergrund für ein unmissverständliches Bekenntnis: „Europa kann, muss und wird bei seinen Klimazielen Kurs halten.“ Doch auch wenn die Kommissionspräsidentin betonte, dass Klimaschutz und Klimaanpassung gleichermaßen notwendig seien, deutete der Inhalt der Rede im Ganzen darauf hin, dass sich der Schwerpunkt von der Verhinderung des Klimawandels auf die Bewältigung seiner zunehmend unvermeidbaren Folgen verlagert hat.

Resilienz, Vorsorge und Risikomanagement standen ganz oben auf der Tagesordnung. Von der Leyen kündigte einen neuen Rahmen für Klimaresilienz, eine „Allianz für Klimaversicherung“, einen europäischen Hitzewellenplan und eine europäische Wasserinitiative sowie eine verstärkte Vorsorge gegen Waldbrände an. Die Anpassung an den Klimawandel wurde auch als wirtschaftliche Chance dargestellt: Europa sei bestrebt, bei dürreresistenten Nutzpflanzen, Hochwasserschutz und energieeffizienter Kühlung eine Vorreiterrolle auf den Schwellenmärkten einzunehmen. Die Klimapolitik ist somit zunehmend mit dem Schutz der europäischen Volkswirtschaften, Territorien und Bürger:innen vor Störungen verflochten.

Die schiere Anzahl an neu angekündigten Maßnahmen wirft allerdings eine zentrale Frage auf: Braucht Europa angesichts der immer konkreter werdenden Klimafolgen in erster Linie zusätzliche institutionelle Rahmen – oder eher eine effektivere Umsetzung der bereits bestehenden Ziele und Maßnahmen? Es könnte sein, dass die eigentliche Herausforderung für die EU immer weniger darin besteht, durch neue Pläne politischen Ehrgeiz zu demonstrieren, sondern vielmehr darin, sicherzustellen, dass bestehende Verpflichtungen auch tatsächlich umgesetzt werden. Dazu wurde jedoch nichts gesagt.

Federica Prandin • Link

Energie: Wirtschaftswachstum und Unabhängigkeit im Vordergrund

Energiethemen spielten in dieser Rede weiterhin eine wichtige Rolle, wenn auch in geringerem Maße als in den Vorjahren. Im Mittelpunkt standen nach wie vor Energiesicherheit und -unabhängigkeit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit sowie der Übergang zu einem sauberen Energiemix.

Von der Leyen unterstrich das Ziel, Europas (Energie-)Unabhängigkeit voranzutreiben und zu verhindern, dass Energie als geopolitisches Druckmittel – wie in der Vergangenheit durch Russland – eingesetzt werde. Vor dem Hintergrund früherer Maßnahmen wie dem Aktionsplan für bezahlbare Energie (2025) und AccelerateEU (2026) zur Stärkung der Energieversorgungssicherheit erinnerte sie daran, dass erschwingliche Energiepreise für die europäische Wettbewerbsfähigkeit unerlässlich seien. Hierzu möchte die EU stärker „eigene saubere Energie“ wie erneuerbare Energien, Kernenergie und Biomethan nutzen – auch dieses Bekenntnis ist nicht neu. Zugleich soll Europa bis 2040 deutlich stärker elektrifiziert werden. Eine Schlüsselrolle spielt der im Juli 2026 vorgestellte EU-Aktionsplan zur Elektrifizierung, der ein indikatives Elektrifizierungsziel enthält. In diesem Zusammenhang appellierte von der Leyen an einen schnelleren Ausbau von Stromnetzen und Speicherkapazitäten, da derzeit erhebliche Kapazitäten erneuerbarer Energien an das Netz angeschlossen werden müssen.

Auffallend stark im Fokus der Wirtschaftspolitik stand zudem die Vollendung des Europäischen Binnenmarktes, einschließlich des Energiebinnenmarktes. Von der Leyen bekräftigte die Absicht, die europäische Wirtschaftskraft Europas zu stärken und notwendige Investitionen durch den Abbau von Bürokratie und einem neuen „Pakt gegen Gold-Plating“ zu erleichtern. Genehmigungsverfahren und Netzanschlussbegehren sollen ebenfalls vereinfacht und beschleunigt werden, beispielsweise im Rahmen des derzeit verhandelten EU-Netzpakets. Energieversorgungsnetze wurden auch in anderen Politikbereichen erwähnt, darunter künstliche Intelligenz (digitale/intelligente Netze, technische Instandhaltung) sowie kritische Infrastrukturen angesichts der jüngsten vorsätzlichen Angriffe.

Carmen Descamps • Link

Migration: Grundrechte opfern, um Grenzen zu schützen?

Zum Thema Migration bestätigte die SOTEU weitgehend das, was bereits zuvor berichtet worden war. Wie erwartet ging von der Leyen auf Ceuta ein und versicherte der spanischen Bevölkerung: „Europa wird für Sie da sein.“ Sie zog zudem Parallelen zu Grenzübertritten auf Kreta und entlang der Ostgrenze der EU, womit sie offenbar auf Belarus anspielte. Fraglich ist, ob diese Solidaritätsbekundung ausreicht, damit die Einwohner:innen Ceutas und Spaniens die Vorwürfe mehrerer Mitgliedstaaten vergessen, die Spanien für die Situation verantwortlich machten und forderten, die Schengen-Regeln für Spanien zu suspendieren.

An politischen Maßnahmen war von der Leyens wichtigste Ankündigung der erwartete Vorschlag für einen neuen europäischen Krisenreaktionsrahmen. Dieses Instrument wurde als Mittel zur Schaffung größerer „Flexibilität“ unter Wahrung der Werte und Grundrechte dargestellt. In Wirklichkeit scheint es jedoch vor allem darauf ausgelegt zu sein, Ausnahmen von zentralen Schutzbestimmungen zu ermöglichen, insbesondere vom Recht auf Asyl und vom Non-Refoulement-Grundsatz, die im EU-Recht und im Völkerrecht verankert sind. Mehrere Länder, die von dem betroffen sind, was die Kommission als den „Einsatz von Migration als Waffe“ bezeichnet, haben bereits Gesetze verabschiedet, die unter bestimmten Umständen Rückführungen zulassen. Die Kommission scheint nun darauf bedacht zu sein, eine ähnliche Logik auf europäischer Ebene einzuführen: ein weiterer Schritt in Richtung der Aushöhlung des Asylrechts.

Daneben kündigte von der Leyen eine neue „Mittelmeerinitiative für Kompetenzen und Beschäftigung für die Jugend“ an, die offenbar diesen restriktiven Ansatz durch die Förderung legaler Migration ausgleichen soll. Doch wie bei früheren Kommissionsinitiativen, beispielsweise den Talent-Partnerschaften mit Mittelmeerländern, wird die Teilnahme für die Mitgliedstaaten freiwillig sein, da legale Migration in die nationale Zuständigkeit fällt. Dies macht eine breite Beteiligung unwahrscheinlich. Darüber hinaus enthielt die Rede die üblichen selbstbeweihräuchernden Verweise auf das Migrations- und Asylpaket (das von der Leyen mit dem Rückgang irregulärer Grenzübertritte in den letzten zwei Jahren in Verbindung brachte, obwohl es dazu keinen klaren kausalen Zusammenhang gibt) sowie wiederkehrende Versprechen, Frontex zu stärken und die Migrationsursachen anzugehen.

Der eigentliche Wendepunkt könnte jedoch der Versuch sein, neue Rechtsvorschriften einzuführen, die von der EU-eigenen Charta der Grundrechte und dem darin garantierten Asylrecht gemäß der Genfer Konvention abweichen. Sobald Europa beginnt, seine Werte und Grundrechte im Namen von Notlagen außer Kraft zu setzen, läuft es Gefahr, auf eine gefährliche Abwärtsspirale zu geraten, in der immer weiter gefasste Ausnahmen akzeptabel werden. Letztendlich könnte der Schutz der Grenzen dann auf Kosten genau jener Werte und demokratischen Prinzipien gehen, die Europa zu verteidigen vorgibt.

Saila Heinikoski • Link

Schengen: Kein Wort zu illegalen Binnengrenzkontrollen

Wer nur Ursula von der Leyens Rede hörte, würde nicht auf die Idee kommen, dass der Schengen-Raum in einer Existenzkrise steckt.

Laut Schengen-Verordnung sind Kontrollen an den europäischen Binnengrenzen eigentlich nur „vorübergehend“, „unter außergewöhnlichen Umständen“ und „als letztes Mittel“ erlaubt, wenn „die öffentliche Ordnung oder die innere Sicherheit in einem Mitgliedstaat ernsthaft bedroht“ ist. Dennoch führen mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, seit nunmehr elf Jahren ununterbrochen Kontrollen an ihren Grenzen zu europäischen Nachbarländern durch – mit wechselnden, aber immer fadenscheinigeren Begründungen und trotz nationaler Gerichtsurteile, die die Kontrollen als mit Schengen unvereinbar bewertet haben.

Mehr noch: Nach den Ereignissen in Ceuta Ende Juli führte Italien Grenzkontrollen zu Spanien ein – obwohl zwischen Ceuta und dem spanischen Festland ohnehin verpflichtende Personenkontrollen stattfinden, die öffentliche Ordnung und Sicherheit in Italien durch den Grenzsturm mithin in keiner Weise gefährdet wurde. Spanien reagierte auf diese offensichtliche Rechtswidrigkeit mit ebenfalls illegalen Gegenkontrollen. Nur einen Tag vor der Rede zur Lage der EU kündigten beide Regierungen an, die illegalen Kontrollen um weitere zwei Wochen zu verlängern. Der Respekt der Mitgliedstaaten für ihre rechtliche Verpflichtung zu einem Raum ohne Binnengrenzkontrollen ist offensichtlich so niedrig wie nie zuvor.

Von der Leyen aber schwieg zu all dem. Die einzigen Maßnahmen, die die Kommission zuletzt zum Schutz des Schengen-Rechts ergriffen hat, sind die Veröffentlichung halbherziger Stellungnahmen sowie die Ankündigung von Konsultationen mit neun Mitgliedstaaten, die seit besonders langer Zeit Grenzkontrollen aufrechterhalten. Auf darüber hinausgehende Maßnahmen, etwa Vertragsverletzungsverfahren, wartet man seit vielen Jahren vergeblich. Das Versäumnis, gegen die Gesetzlosigkeit der Mitgliedstaaten im Schengen-Raum vorzugehen, ist ohne Zweifel eine der größten Unzulänglichkeiten Ursula von der Leyens als Kommissionspräsidentin. Diese SOTEU machte da keinen Unterschied.

Manuel Müller • Link

Budget: „Jeder moderne Haushalt braucht neue Eigenmittel“

Die Kommissionspräsidentin äußerte sich nicht sehr ausführlich zum Thema des nächsten mehrjährigen Finanzrahmens (MFR) – vielleicht auch, weil die Verhandlungen noch andauern. Die Staats- und Regierungschef:innen hoffen derzeit, die Gesamtverhandlungen über den Langfrist-Haushalt bis Ende des Jahres abzuschließen (wobei die Verhandlungen über die Verordnungen zu den einzelnen Programmen wahrscheinlich darüber hinaus andauern werden).

Von der Leyen richtete nur eine einzige Bemerkung an die Mitgliedstaaten: Die EU braucht neue Eigenmittel. Die nicht-so-implizite Forderung dahinter ist ein ausreichend großes Budget, um die wachsende Zahl von Herausforderungen zu bewältigen – zumal ein Teil des Haushalts bereits für die Rückzahlung der Covid-19-Wiederaufbaukredite vorgesehen ist. Da die Mitgliedstaaten jedoch weiterhin zögern, zusätzliche nationale Mittel nach Brüssel zu überweisen, benötigt die EU mehr eigene Ressourcen. Dies liest sich wie ein pointierter Appell an die „Frugals“, darunter auch Deutschland: Erst vor einer Woche hatte Bundeskanzler Friedrich Merz öffentlich Kürzungen in Höhe von „mehreren hundert Milliarden Euro“ im EU-Haushalt gefordert – gerade jetzt, wo die EU eigentlich mehr, nicht weniger Mittel braucht.

Auch wenn von der Leyen den Zusammenhang zwischen Rechtsstaatlichkeit und EU-Haushalt betonte, hätte sie noch weitergehen und die Mitgliedstaaten dazu drängen können, die Mittel für Demokratie im nächsten EU-Haushalt nicht zu kürzen. Kürzungen in diesem Bereich (der derzeit nur etwa 0,5 Prozent des MFR ausmacht) würden nur minimale Einsparungen bringen, hätten aber unverhältnismäßige Auswirkungen auf demokratische Akteur:innen in Zivilgesellschaft, unabhängigen Medien oder Kultursektor. Dieses Thema wurde von der Kommissionspräsidentin in ihrer Rede allerdings nicht angesprochen.

Sophie Pornschlegel • Link

Kohäsionspolitik: Schweigen zur lokalen und regionalen Ebene

In den laufenden Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU spielt die Kohäsionspolitik eine zentrale Rolle. Während die Debatte um mehr oder weniger finanzielle Mittel für Kohäsionspolitik nicht neu ist, hat sie in diesem Jahr auch einen strukturellen Aspekt: Die Pläne, Kohäsionspolitik mit anderen Prioritäten in einen neuen Gesamtfonds zu bündeln sowie die Einführung Nationaler und Regionaler Partnerschaftspläne führten zu Kritik subnationaler Akteure, die ein Verwässern der Kohäsionspolitik und eine Renationalisierung politischer Steuerung befürchten.

Ursula von der Leyen schenkte diesen Aspekten in ihrer Rede keinerlei Aufmerksamkeit. Die lokale Ebene nannte sie nur einmal, als sie deren zentrale Rolle in der Klimaanpassung hervorhob. Mit dem „Pflege-Deal“ und einem Rechtsakt zum Wohnen versprach sie zudem, die EU würde weiter in die Regionen investieren und so Bürger:innen erlauben, in ihren Regionen wohnen zu bleiben – laut von der Leyen ein Recht, kein Privileg. Kein Wort widmete von der Leyen allerdings der Frage der Kompetenzverteilung und des Einflusses subnationaler Ebenen auf politische Entscheidungen. Die Regionen, Städte und Gemeinden und vielleicht auch die Bürger:innen der Union standen deutlich nicht im Fokus der diesjährigen Rede zur Lage der Union.

Diese Schwerpunktsetzung mag in der aktuellen komplexen globalen Gemengelage begründet sein. Doch sie ist auch Wasser auf die Mühlen der Kritiker:innen, die die Vernachlässigung von Bürger:innen und den politischen Ebenen monieren, die den Bürger:innen am nächsten sind. Die Tatsache, dass die meisten Fraktionsvorsitzenden in ihren Reaktionen auf von der Leyens Rede sehr wohl die Kohäsionspolitik thematisierten, deutet vielleicht darauf hin, dass die Präsidentin den Stellenwert des Themas unterschätzt hat. Diese Rede jedenfalls wird nicht das Vertrauen der europäischen Regionen, Städte und Gemeinden stärken, dass sie in den oberen Etagen der Europäischen Kommission Gehör finden.

Alex Hoppe • Link

Demokratie: Externe, interne und technologische Bedrohungen

Demokratie war ein zentrales Thema der Rede zur Lage der EU 2026 – ein Zeichen für das Ausmaß der wahrgenommenen Bedrohungen für die liberale Demokratie in Europa. Bemerkenswerterweise stellte von der Leyen die Demokratie dabei als strategischen, nicht als intrinsischen Wert dar, als ein Instrument zur Verteidigung der europäischen Souveränität. Sie identifizierte sowohl externe als auch interne und technologische Bedrohungen für die europäischen Demokratien. Auf externer Ebene warnte sie vor einem „Kampf der Narrative“ durch „Marionetten autoritärer Regime“. Intern werde diese „kognitive Kriegsführung“ noch durch den Aufstieg extremistischer, „antidemokratischer, antieuropäischer Kräfte“ sowie durch einen Mangel an Differenziertheit in der politischen Debatte verstärkt. Demokratische Kompetenzen, die in einer solchen Debatte erforderlich sind, würden durch den übermäßigen Gebrauch von Smartphones untergraben, insbesondere bei Jugendlichen.

Als interne Lösungen präsentierte von der Leyen das neu eingerichtete Europäische Zentrum für demokratische Resilienz, die präventiven Rechtsstaatlichkeitsberichte der Kommission sowie eine stärkere Knüpfung von EU-Mitteln an die Achtung der Rechtsstaatlichkeit in den Mitgliedstaaten. Außenpolitisch hob von der Leyen hervor, dass die künftigen internationalen Partnerschaften der EU an gemeinsame demokratische Normen gebunden sein sollten, eine Art „Bündnis demokratischer Staaten“, und lud Kanada ein, das erste „assoziierte Mitglied“ der EU zu werden. Bemerkenswerterweise wurden in der Rede die Vereinigten Staaten gänzlich ausgeklammert, woraus sich schließen lässt, dass sie in ihrer derzeitigen Form in einem solchen Bündnis nicht willkommen wären.

Die EU befindet sich in der Tat an einem Schnittpunkt interner, externer und technologischer Herausforderungen für die liberale Demokratie. Doch institutionelle Zyklen und Wirtschaftssanktionen werden die Welle des autoritären Populismus innerhalb der EU wohl kaum brechen können. Ihr Steigen oder Fallen hängt vielmehr davon ab, ob die EU an den entscheidenden „Wendepunkten“ in den Bereichen Klima, Wirtschaft und Sicherheit Erfolge erzielen kann. Demokratie ist weder eine Strategie noch steht sie außerhalb der Politik. Sie gedeiht durch politische Maßnahmen, die den europäischen Grundwerten der EU von Nachhaltigkeit, Freiheit, Frieden und Wohlstand gerecht werden.

Sanna Salo • Link

Hybride Bedrohungen: Starke Worte, aber kaum Mittel für Demokratie

Hybride Bedrohungen, so von der Leyen, „sind immer weniger hybrid und immer weniger bloße Bedrohungen“ – womit sie meinte, dass sie zunehmend eher wie direkte militärische Angriffe als wie verdeckte Operationen aussehen. Um die Reaktionsfähigkeit der EU zu verstärken, kündigte die Kommissionspräsidentin drei Maßnahmen an.

Erstens eine neue europäische Sicherheitsstrategie zur Aktualisierung der Doktrinen, Institutionen und Entscheidungsprozesse. Zweitens einen Europäischen Sicherheitsrat gemeinsam mit Partnern wie Großbritannien, Kanada, Norwegen und der Ukraine. Und drittens ein eigenes „Konzept gegen hybride Angriffe“ für die EU, ein sogenanntes Notfall-Sicherheitsprotokoll, das ausgelöst werden könnte, wenn ein Mitgliedstaat einem Angriff ausgesetzt ist, der unterhalb der Schwelle einer bewaffneten Aggression liegt. Von der Leyen bezeichnete dies als das EU-Äquivalent zu Artikel 4 des NATO-Vertrags. Inwiefern es sich von dem bestehenden Artikel 222 AEUV, der sogenannten „Solidaritätsklausel“ der EU, unterscheiden wird, ist noch nicht ganz klar.

Der Democracy Shield der EU wurde gegen Ende der Rede kurz erwähnt – mit der Behauptung, das Zentrum für demokratische Resilienz, die Flaggschiffinitiative des Democracy Shield, leiste „bereits seine Arbeit mit allen Mitgliedstaaten und mit diesem Hause zusammen“. Das darf man als leichte Übertreibung ansehen: Tatsächlich hat das Europäische Parlament seinen Bericht zum Democracy Shield erst einen Tag vor der Rede verabschiedet. Zu den Empfehlungen darin gehörte unter anderem, dem Zentrum für demokratische Resilienz ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, da es derzeit über fast kein Budget verfügt und lediglich eine kleine Einheit innerhalb der Europäischen Kommission ist.

Wie schon in früheren Reden scheint es, als werde Demokratie eher als ein rhetorisches Mittel eingesetzt statt als eigenständiger Politikbereich behandelt. Angemessene Finanzmittel und konkrete Vorschläge – beispielsweise zur wirksamen Bekämpfung von Desinformation, zur Eindämmung des unverhältnismäßigen Einflusses der Big-Tech-Unternehmen auf unseren öffentlichen Raum oder zur Behandlung der Demokratie als Infrastruktur, ähnlich wie Energie oder Telekommunikation – sind bislang nicht in Sicht.

Sophie Pornschlegel • Link

Sicherheit: Vorschläge zu neuen Verfahren und Institutionen

Ursula von der Leyen nutzte ihre Rede zur Lage der EU, um Elemente der für Anfang Oktober erwarteten europäischen Sicherheitsstrategie vorzustellen. Ihre Vorschläge unterstreichen den Anspruch der Kommissionspräsidentin, die Rolle ihrer Institution in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik auszuweiten – trotz der Zuständigkeiten der Mitgliedstaaten in diesem Politikfeld. Die Vorschläge sollen tatsächliche Lücken schließen, im Detail ergeben sich jedoch Fragen hinsichtlich der Kompetenzverteilung und Umsetzung.

Das vorgeschlagene „Notfall-Sicherheitsprotokoll“ schließt eine reale Lücke in der Krisenreaktion der EU. Artikel 4 des NATO-Vertrags bietet den Bündnispartnern einen Mechanismus, um Konsultationen zu verlangen, wenn ihre Sicherheit bedroht ist. Der EU fehlt hingegen ein ähnlich klarer Auslöser für den gemeinsame Austausch über Attacken unterhalb der Schwelle, bei der eine Aktivierung der Beistandsklausel nach Art. 42(7) EUV angemessen erscheinen würde. Wie jüngste hybride Vorfälle, etwa der Drohnenangriff in Leipzig, gezeigt haben, wäre ein solcher Mechanismus durchaus sinnvoll, damit die Mitgliedstaaten ein gemeinsames Lagebild erstellen, sich auf die Urheberschaft eines Angriffs verständigen und mögliche Reaktionen prüfen können.

Allerdings mangelt es der EU nicht grundsätzlich an Konsultationsverfahren. Die „Integrierte Regelung für die politische Reaktion auf Krisen“ (Integrated Political Crisis Response, IPCR) des Rates wurde während großer internationaler Krisen aktiviert, etwa Russlands großangelegte Invasion der Ukraine im Jahr 2022 oder der Angriff der Hamas auf Israel im Jahr 2023. Auch der Vorsitz des Politischen und Sicherheitspolitischen Komitees kann Dringlichkeitssitzungen einberufen. Ob ein neues Protokoll einen zusätzlichen Mehrwert bietet, hängt deshalb davon ab, ob es die bestehenden Instrumente von Rat und Kommission zusammenführen kann, anstatt dem System lediglich einen weiteren Mechanismus hinzuzufügen.

Darüber hinaus kündigte von der Leyen an, man werde demnächst die Ideen für einen Europäischen Sicherheitsrat „konkret darlegen“. Vorschläge für ein kleineres Format, in dem ausgewählte Staats- und Regierungschef:innen der EU sowie enge europäische Partner dringende Sicherheitsfragen erörtern könnten, kursieren seit Jahrzehnten. Ein kürzlich vorgelegter Vorschlag sieht sechs ständige Mitglieder vor – Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Polen und das Vereinigte Königreich – sowie rotierende Sitze für kleinere EU-Mitgliedstaaten. Ein solches Format könnte schnellere Entscheidungen und eine engere Abstimmung mit Partnern außerhalb der EU, insbesondere dem Vereinigten Königreich, ermöglichen. Es würde jedoch auch bekannte Bedenken wiederaufleben lassen, dass Strukturen außerhalb der EU-Verträge geschaffen und kleinere Mitgliedstaaten an den Rand gedrängt werden könnten.

Letzten Endes besteht Europas Schwäche nicht in einem Mangel an Institutionen, sondern in fehlender politischer Einigkeit und einer unzureichenden gemeinsamen strategischen Kultur. Ob diese Vorschläge der EU dabei helfen, ein gemeinsames Verständnis davon zu entwickeln, wie sie in der heutigen turbulenten Welt handeln sollte, wird von ihrer konkreten Umsetzung abhängen.

Niklas Helwig • Link

Globale Beziehungen: Noch mehr „gleichgesinnte Partner“

Im letztjährigen SOTEU-Blogartikel habe ich diesen Abschnitt mit „Globale Beziehungen: Auftritt gleichgesinnte Partner, Abgang Entwicklungszusammenarbeit“ betitelt. Die diesjährige Ausgabe der Rede zur Lage der EU setzt diesen Kurs fort und verstärkt ihn noch, wobei der Schwerpunkt nun deutlich auf der geopolitisch motivierten Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Ländern liegt. Dazu gehört insbesondere Kanada, dem nun als „erstem assoziierten Mitglied“ der EU die Tür geöffnet wird.

In einer Welt, die von der Leyen als „offen feindlich“ beschrieb und in der die regelbasierte Ordnung zerbrochen sei, forderte die Kommissionspräsidentin, die EU müsse Partnerschaften „neu denken“ und „globale Koalitionen bilden, die unsere Widerstandsfähigkeit und unsere Demokratien schützen“. Was dies über die Ambitionen hinsichtlich der Assoziierung Kanadas hinaus konkret bedeutet, blieb etwas vage. Die Richtung ist jedoch klar: Statt auf bestehende multilaterale Institutionen (die Vereinten Nationen wurden wieder einmal nicht erwähnt) oder eine stärkere Rolle als globaler Entwicklungsakteur zu setzen, konzipiert die Europäische Kommission internationale Partnerschaften zunehmend in Form von bilateralen und koalitionsbasierten Handelsabkommen, Konnektivitätsprojekten sowie energie-, technologie- und sicherheitsorientierten Initiativen, die letztlich dazu dienen, die kritischen Abhängigkeiten der EU zu verringern.

Viele traditionelle Elemente der globalen Rolle der EU kamen kaum vor, was jedoch kaum überraschte. Während die Anpassung an den Klimawandel und dessen Eindämmung in Europa ganz oben auf der Tagesordnung standen, ging die SOTEU kaum auf die globale Dimension der Klimapolitik ein. Und auch wenn die Konfrontation zwischen Demokratien und Autokratien als zentrales Merkmal des globalen Kontext beschrieben wurde, fand die Unterstützung der EU für demokratische Akteure weltweit keine Erwähnung. Demokratie wurde als Auswahlkriterium und als Interpretationsrahmen für die Geopolitik dargestellt, jedoch nicht als transformatives Ziel des auswärtigen Handelns.

An konkreten Instrumenten thematisierte die Rede im Zusammenhang mit Investitionen im Handelsbereich den „Global Gateway“ – das mittlerweile etablierte neue Konzept der EU für internationale Zusammenarbeit – und insbesondere die neue Konnektivitätsinitiative zur Anbindung des Südkaukasus und Zentralasiens an die europäischen Märkte. Die humanitäre Hilfe der EU wurde hingegen nur im Zusammenhang mit der Nothilfe für Palästina erwähnt, was indirekt die ansonsten schwache Präsenz der Union im Nahen Osten unterstreicht.

Für diejenigen, die sich Sorgen um die zunehmende Innenorientierung der EU und die Zukunft ihres auswärtigen Handelns machen, ist es natürlich positiv zu sehen, dass in der SOTEU die Bedeutung internationaler Partnerschaften anerkannt wurde und die Kommissionspräsidentin sich erneut zur Verteidigung des regelbasierten Systems bekannte. Allerdings war dabei ein immer deutlicherer instrumenteller Unterton zu erkennen; Partnerschaften erscheinen in erster Linie als Mittel zur Sicherung von EU-Interessen. Ein zentraler Aspekt der führenden Rolle der EU bei der Verteidigung des regelbasierten Systems kam in der SOTEU hingegen bemerkenswerterweise gar nicht vor: die Rolle der vielfältigen diplomatischen Instrumente und Ressourcen der EU, mit denen Verstöße gegen internationale Normen und Regeln verhindert, darauf reagiert und diese beigelegt werden sollen.

Katariina Mustasilta • Link

Russland und die Ukraine: Standhaft, aber nicht unbeweglich

Was Russland und die Ukraine betrifft, bot die Rede Kontinuität, aber keine neuen Erkenntnisse. Von der Leyen bekräftigte die unerschütterliche Unterstützung Europas für Kyjiw sowie den anhaltenden Druck auf Moskau und bezeichnete hybride Bedrohungen und Desinformation als echte Gefahren für die Einheit. Neue Maßnahmen wurden nicht angekündigt: kein neues Sanktionspaket, kein Finanzierungsmechanismus und kein diplomatischer Vorstoß.

Der Krieg selbst hat sich dabei stärker verändert, als diese rhetorische Kontinuität vermuten lässt. Die ukrainischen Angriffe auf russische Raffinerien haben einfachen Russ:innen erstmals die Kraftstoffknappheit vor Augen geführt, während Putin keine Anzeichen für ein Nachgeben zeigt. Moskau erwägt Berichten zufolge eine neue Mobilmachung, sobald die bevorstehenden Duma-Wahlen vorbei sind. Auch die Angriffe sind dreister geworden, von einer Drohne am Flughafen Leipzig bis hin zu einem Angriff auf einen ukrainischen Zug nahe der polnischen Grenze. Die Ukraine ist zwar in der Lage, Russland härter zu treffen, ist aber auch stärker gefährdet als noch vor einem Jahr: Ihre Luftabwehr ist überlastet, und die Zahl der zivilen Opfer steigt. Washington hat sich zurückgezogen, während Europa die Lücke zunehmend füllt, und die Aussichten auf eine Verhandlungslösung machen weiterhin keine Fortschritte.

Selbst die in der Rede hervorgehobene Entschlossenheit zu anhaltender, unerschütterlicher Unterstützung steht auf wackeligerer Grundlage, als der selbstbewusste Ton vermuten lässt. Nur einen Tag vor der SOTEU blockierte Frankreich gemeinsam mit der Slowakei die routinemäßige Verlängerung der EU-Sanktionen – nicht aus Ablehnung der Russland-Sanktionen an sich, sondern als Druckmittel in einer anderen Angelegenheit: Paris will, dass ein mit Russland verbundener Geschäftsmann von der Sanktionsliste gestrichen wird, um die Freilassung von in Aserbaidschan festgehaltenen französischen Staatsangehörigen zu erwirken.

Zudem stehen die beiden Regierungen, die für das Engagement Europas gegenüber der Ukraine am wichtigsten sind, unter zunehmendem innenpolitischen Druck: Die deutsche AfD, die die Hilfe für die Ukraine kürzen und die Beziehungen zu Moskau wiederherstellen will, hat gerade eine Landtagswahl gewonnen, und das französische Rassemblement National, das im Rennen um die nationale Präsidentschaftswahl 2027 führt, stimmte erst im Juli gegen eine Ukraine-Resolution des Europäischen Parlaments. Ob die EU ihre Botschaft der unerschütterlichen Unterstützung noch einlösen kann, ist die unausgesprochene Frage, die die Rede offen ließ.

Antti Viktor Rauhala • Link

Beziehungen zu den USA: O Canada!

Wie schon im letzten Jahr wurden die Vereinigten Staaten in von der Leyens Rede kaum direkt erwähnt. Kaum in Bezug auf Grönland oder Verteidigung oder die Ukraine. Nicht in Bezug auf Technologie. Nicht in Bezug auf Handel. Nicht in Bezug auf Energie. Und doch waren die USA in von der Leyens Ausführungen zu all diesen Themen präsent.

Sie erwähnte, dass Europa sich für Grönland eingesetzt habe, als es bedroht war – aber ohne zu sagen, von wem Grönland bedroht wurde. Sie sprach darüber, dass die EU zum ersten Mal den Kauf amerikanischer Patriot-Abfangraketen genehmigt habe, fügte jedoch unmittelbar an, dass die EU ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Lieferanten – den unerwähnten USA – verringern müsse. Sie schlug einen Europäischen Sicherheitsrat und ein Notfall-Sicherheitsprotokoll vor und bezeichnete diese Vorschläge als mit der NATO vereinbar – aber ohne auf die Debatte über die Rolle der USA für die europäische Sicherheit einzugehen. Sie hielt an der Linie fest, dass Europa sich seine Regeln nicht von „Big Tech“ vorschreiben lässt – auch hier blieben die US-Technologieunternehmen auffällig abwesend.

Das gleiche selektive Schweigen zog sich durch ihre wirtschaftlichen Ausführungen. Von der Leyen sprach unverblümt über das Handelsdefizit der EU gegenüber China, freute sich über neue Freihandelsabkommen – mit Indien, dem Mercosur, Mexiko, Australien und Indonesien – und forderte weitere Handelswege und Partner. Aber zum Handel mit den Vereinigten Staaten erwähnte sie nichts Vergleichbares. Keine Rede von Zöllen, keine Rede vom EU-US-Handelsabkommen, keine Diskussion darüber, ob die zunehmenden europäischen Präferenzen in Washington als Protektionismus angesehen werden könnten.

Für die Energiepolitik galt ein ähnliches Muster. Von der Leyen wies darauf hin, dass Europa nach dem Ende der russischen Gaslieferungen seine Bezugsquellen diversifiziert habe, aber nannte die USA nicht als Lieferanten. (Laut Eurostat bezog die EU im ersten Quartal 2026 mehr als die Hälfte ihrer LNG-Importe aus den USA.) Sie erwähnte die Straße von Hormus, aber ging nicht auf die Rolle der USA in der Region ein. Sie sprach sich für mehr eigene europäische Energiequellen aus, aber erklärte nicht, was dies für die Verpflichtung der EU zum Bezug von US-Energie bedeutet, für die sie sich vor einem Jahr eingesetzt hatte.

Die größte Überraschung, bei der die USA nicht erwähnt wurden, war der Vorschlag, Kanada die Tür zu einer „assoziierten Mitgliedschaft“ in der EU zu öffnen und über CETA hinaus zu einer „Allianz für die Zukunft“ zu gelangen. Der Umfang der einbezogenen Bereiche war groß: die Arktis, Energie, kritische Mineralien, Batterien, KI und Quantentechnologie, Cybersicherheit. An derselben Stelle der Rede betonte von der Leyen, dass Demokratien die Freiheit zur Wahl ihrer eigenen Partner haben müssten und „die Macht nicht den Stärksten, Reichsten oder Lautesten“ überlassen werden dürfe. Es fällt schwer, diese Worte nicht vor dem Hintergrund beispielsweise von Trumps Social-Media-Beitrag aus der vergangenen Woche zu sehen, der zeigte, wie ein starker Trump im Eishockey-Nationaltrikot der USA über einem kauernden, im kanadischen Trikot gekleideten Carney steht.

Von der Leyens Vorschlag war ein kühner Schritt, dessen weitere Erfolgsaussichten noch nicht ganz klar sind. „Assoziierte Mitgliedschaft“ ist als EU-Kategorie nicht definiert. Was sie hinsichtlich des Rechtsstatus, des Marktzugangs oder der Entscheidungsbefugnisse bedeuten würde, ist ungewiss. Hätten Kanadier:innen überhaupt Anspruch auf etwas so Einfaches wie eine Visumbefreiung? Selbst CETA wartet noch auf die vollständige Ratifizierung durch mehrere EU-Mitgliedstaaten.

Doch gerade durch diese Kühnheit sendet von der Leyens Ankündigung eine klare Botschaft. Seit Kanada sich im vergangenen Jahr für engere Beziehungen zu Europa eingesetzt hatte, hatte ich mich gefragt, ob Europa diese Beziehungen begrüßen oder sich eher zurückhalten würde, um Trump nicht zu verärgern. Nun haben wir die Antwort. Zumindest rhetorisch scheint von der Leyen aufs Ganze zu gehen.

Cordelia Buchanan Ponczek • Link

China-Handel: Hart im Ton, vage bei den Schutzmaßnahmen

Ursula von der Leyen sprach in der SOTEU die Probleme mit China konkret an: Sie betonte, dass die EU bereits einen China-Schock 2.0 durchlebe, mit einem wachsenden Handelsbilanzdefizit von einer Milliarde Euro täglich. Dies sei nicht mehr tragbar und führe zu einer Deindustrialisierung in Europa. Dazu hob sie die hohen Abhängigkeiten der EU bei kritischen Rohstoffen aus China hervor, die bei seltenen Erden bis zu 90 Prozent ausmachen.

Die Kommissionspräsidentin thematisierte damit die schwierige Wettbewerbssituation mit China, die zentrale Sektoren der europäischen Industrie unter Druck setzen. Das Problem liegt unter anderem darin, dass laut OECD chinesische Unternehmen bis zu achtmal mehr Subventionen als ihre Wettbewerber in den anderen Ländern erhalten. Gleichzeitig sind die Marktbarrieren für den chinesischen Markt weiterhin sehr hoch.

Seit einiger Zeit wird daher zwischen den Mitgliedstaaten und der Kommission über mögliche Reaktionen der EU diskutiert. Ein erster Schritt war die Einrichtung eines strukturierten Dialogs mit China im Juni 2026. Erste Ergebnisse werden Anfang Oktober erwartet. Ursula von der Leyen bezog sich in der Rede direkt auf diesen Verhandlungsprozess und forderte konkrete Ergebnisse.

Es wurde jedoch vor allem mit Spannung erwartet, ob von der Leyen konkrete Handelsschutzinstrumente vorschlagen würde bzw. das angedeutete Diversifizierungsinstrument klarer definieren würde. Anders als in ihrer Rede 2023 – in der sie bekannt gab, dass die Europäische Kommission eine Antisubventionsuntersuchung bezüglich Elektrofahrzeugen aus China einleiten würde – blieb sie diesmal bei den Handelsschutzinstrumenten sehr vage. Sie betonte, dass die EU „alle verfügbaren Instrumente nutzen“ werde, um die Beziehungen mit China wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Konkret wurde sie aber nur bei der Gründung einer „Europäischen Gesellschaft für kritische Rohstoffe“, um die Abhängigkeit Europas gegenüber China zu reduzieren.

Der Ton ist hart und entschlossen. Grundsätzliche Entscheidungen werden jedoch erst beim Europäischen Rat im Oktober getroffen, wenn die ersten Ergebnisse des Dialogs feststehen.

Claudia Schmucker • Link

Naher Osten: Payer statt Player

Trotz der Wirren des vergangenen Jahres spielte der Nahe Osten in von der Leyens Rede kaum eine Rolle. Die einzige Anspielung auf den Iran-Krieg und die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus fand sich in einer kurzen Bemerkung dazu, dass die Wirtschaft die Auswirkungen der „Kriege im Nahen Osten“ besser überstanden habe als erwartet. Die Eskalation zwischen den Houthis und Saudi-Arabien wurde nicht erwähnt, ebenso wenig wie der Iran, der Libanon oder Syrien – oder gar die Türkei.

Die einzige Ausnahme bildeten Israel und die Palästinenser:innen, wobei auch diese deutlich weniger Raum einnahmen als in der SOTEU des Vorjahres. Von der Leyen rief diese Rede und ihren Aufruf zum Handeln in Erinnerung. Auch wenn sie dies nie ausdrücklich aussprach, hatten die 2025 skizzierten Maßnahmen darauf abgezielt, Druck auf Israel auszuüben, dessen Regierung als aktiver Gegner der Zwei-Staaten-Lösung angesehen wurde. Bedauerlicherweise, stellte von der Leyen fest, sei seither nicht viel geschehen. Zwar konnte die Kommission ihre eigene bescheidene bilaterale Hilfe für Israel einfrieren, doch die Gespräche mit den Mitgliedstaaten führten nicht zu den erforderlichen Mehrheiten.

Die Rede war von einer gewissen Resignation angesichts der politischen Ohnmacht der EU geprägt, selbst offensichtlichen Verstößen gegen ihre Standpunkte entgegenzutreten. Abgesehen von humanitären Fragen geht schon aus politischer Sicht die eklatanteste Herausforderung von Israel aus, das das vielfach verurteilte E1-Siedlungsprojekt vorantreibt. Doch obwohl von der Leyen das Vorgehen der israelischen Regierung als „inakzeptabel“ bezeichnete, scheint in der Realität genau das Gegenteil der Fall zu sein: Die Verstöße Israels gegen die Positionen der EU, das Völkerrecht, die Menschenrechte und die politischen Rechte der Palästinenser:innen mögen zwar nicht populär sein. Doch sie erscheinen als etwas, das wichtige Mitgliedstaaten im Interesse des Handels und der guten Beziehungen durchaus zu akzeptieren bereit sind.

Angesichts des Ausbleibens konkreter Maßnahmen versuchte von der Leyen, Stolz daraus zu beziehen, dass die EU den Palästinenser:innen mehr Hilfe geleistet habe als jeder andere. A payer, not a player (ein Zahlmeister, kein Akteur): So beschreiben Analyst:innen seit Jahrzehnten die Rolle der EU, die immer wieder Geld in die Linderung der Symptome eines politischen Problems steckt, statt es direkt anzugehen. Dies, so scheint von der Leyens Botschaft zu lauten, wird auch im kommenden Jahr „die Aufgabe Europas“ sein.

Timo R. Stewart • Link

Erweiterung: Und der nächste Staat, der der EU beitritt, ist … Kanada!

Vor einigen Monaten brachte der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz die Idee einer „assoziierten EU-Mitgliedschaft“ für die Ukraine ins Spiel. Die Kommissionspräsidentin griff diesen Begriff nun auf, um den anwesenden kanadischen Premierminister Mark Carney in die europäische Familie einzuladen. Nachdem bereits Merz’ Vorschlag der geopolitischen Logik Vorrang vor der Logik der Modernisierung eingeräumt hatte, würde die symbolische Ausweitung der EU von Vancouver bis Lugansk die Erweiterungspolitik vollständig zu einem geopolitischen Instrument machen.

Sicherlich trifft diese Idee den Nerv der aktuellen Stimmung in den transatlantischen Beziehungen. Zugleich wäre sie ein starkes Signal auf der globalen Bühne, nachdem Island beschlossen hat, keinen erneuten Antrag auf EU-Mitgliedschaft zu stellen. Allerdings gibt es auch Risiken: Erstens würde sie das Konzept der Mitgliedschaft über den in Artikel 49 EUV gesteckten Rahmen ausdehnen. Zweitens würde ein Kanada, das andere Kandidatenländer auf der Warteliste überholt, ein verheerendes Signal an deren pro-europäische Bürger:innen senden. Drittens ist auch die Ratifizierung von CETA – das in der Rede mehrfach erwähnt wurde – noch nicht abgeschlossen, sodass in den kanadisch-europäischen Beziehungen noch einige Arbeit ansteht, bevor die nächsten Schritte unternommen werden. Andernfalls würde die „assoziierte Mitgliedschaft“ zu einer leeren Hülle.

Um diese Risiken zu mindern, muss die „assoziierte Mitgliedschaft“ in ein schlüssiges Konzept der externen Differenzierung eingebettet werden und die Annäherung Kanadas an die EU mit ähnlichen Fortschritten bei mindestens einem oder zwei anderen Beitrittskandidaten einhergehen. Wird der bevorstehende „Herbst der Erweiterung“ – mit den „Pre-enlargement Policy Reviews“ im September (eine verspätete Umsetzung eines Versprechens aus der SOTEU 2023), der strategischen Diskussion des Europäischen Rates im Oktober, dem jährlichen Erweiterungspaket sowie dem „EU-Erweiterungsforum“ im November – diese Erwartungen erfüllen?

Fürs Erste kündigte die Kommissionspräsidentin lediglich an, man werde „bald Fahrpläne für die am weitesten fortgeschrittenen Kandidaten vorschlagen“. Eine Vorankündigung großer Durchbrüche in den kommenden Wochen hätte wohl anders geklungen. Da es unwahrscheinlich ist, dass von der Leyen bewusst auf eine solche Gelegenheit verzichtet hat, scheint es eher so, als gebe es (noch) keine politische Einigung. Ob eine solche erzielt werden kann, bleibt vorerst offen. Auf jeden Fall aber klang von der Leyens Betonung des leistungsbasierten Verfahrens und der Tatsache, dass die „Achtung [europäischer] Werte […] nicht zur Disposition“ stehe, wie ein deutliches Nein zu jeglichen Abkürzungen und Sondervereinbarungen.

Julian Plottka • Link

Institutionelle Reform: Ein neuer „Europakongress“?

Zwei konkrete institutionelle Ideen stachen in der SOTEU hervor: Erstens schlug Ursula von der Leyen anlässlich des bevorstehenden 70. Jahrestags der Römischen Verträge einen neuen „Europakongress“ vor. Sie blieb allerdings vage, wie dieser genau aussehen sollte und inwiefern er sich von der Konferenz zur Zukunft Europas von 2021/22 unterscheiden würde. Von der Leyen deutete lediglich an, dass er in Anlehnung an den ursprünglichen Europa-Kongress von 1948 gestaltet sein könnte. An dieser Versammlung nahmen 750 Delegierte (Politiker:innen, Intellektuelle, Gewerkschafter:innen und Wirtschaftsvertreter:innen) aus ganz Europa teil, um der Forderung nach einer politischen, wirtschaftlichen und Währungsunion Europas Ausdruck zu geben. Ist dies also ein weniger politischer, eher gesellschaftlicher Ansatz, um die EU neu zu überdenken?

Die zweite Idee bestand darin, Kanada zum ersten „assoziierten Mitglied“ der EU zu machen. Kanadas Premierminister Carney hatte dies Anfang der Woche ins Spiel gebracht, und von der Leyen sprach sich nun ebenfalls dafür aus. Wie könnte das aussehen? Wie wir hier vorgeschlagen haben, könnte sich die assoziierte Mitgliedschaft auf den Binnenmarkt konzentrieren. Auf eine tiefere Integration in Bereichen wie Justiz und Inneres oder Unionsbürgerschaft könnte man zwar verzichten, doch zu den Grundwerten der EU – allen voran Demokratie und Rechtsstaatlichkeit – wäre eine uneingeschränkte Zustimmung erforderlich. Was den Haushalt betrifft, könnten assoziierte Mitglieder einen reduzierten Beitrag zur Deckung der gemeinsamen Kosten der Institutionen leisten und würden im Gegenzug weniger Leistungen erhalten. Auf institutioneller Ebene könnten assoziierte Mitglieder möglicherweise das Recht zur Teilnahme an Sitzungen der relevanten EU-Institutionen erhalten und hätten dort ein Rede-, aber kein Stimmrecht. In von der Leyens Rede wurde allerdings keine dieser Ideen konkret dargelegt; vielmehr blieb das Konzept der „assoziierten Mitgliedschaft“ hier vage.

Auch sonst enthielt die Rede, wenn überhaupt, nur wenige konkrete Vorschläge für institutionelle Reformen. Insbesondere forderte von der Leyen keine Reform des Einstimmigkeitsprinzips und machte damit einen Rückzieher gegenüber 2025, als sie ausdrücklich gefordert hatte, in der Außenpolitik zu Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit überzugehen. Es bleibt abzuwarten, ob es in den für Ende September geplanten „pre-enlargement policy reviews“ der Kommission konkretere Aussagen zu Reformen der Entscheidungsverfahren geben wird.

Sophia Russack • Link


Carmen Descamps ist Fachgebietsleiterin für europäische Energie- und Digitalthemen beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Brüssel.

Saila Heinikoski ist Senior Research Fellow am Finnish Institute of International Affairs (FIIA) in Helsinki.

Alex Hoppe ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Europäische Integration und Europapolitik sowie Lehrkraft am Institut für Politikwissenschaft der Universität Duisburg-Essen.

Manuel Müller ist ein in Helsinki ansässiger Europawissenschaftler und Herausgeber des Blogs „Der (europäische) Föderalist“.
Sophie Pornschlegel ist Senior Adviser beim European Policy Centre in Brüssel und forscht an der Universität Maastricht zu Fragen der europäischen Souveränität im Bereich der Verteidigung und der Digitalpolitik.

Federica Prandin ist Doktorandin an der Universität Helsinki mit Anbindung zur Columbia University und ein Mitglied des EU Green Diplomacy Network.

Antti Viktor Rauhala ist Chief Operating Officer des Economic Security Forum und Doktorand an der Universität Helsinki.

Sanna Salo ist Senior Research Fellow am Finnish Institute of International Affairs (FIIA) in Helsinki.

Claudia Schmucker ist Leiterin des Zentrums für Geopolitik, Geoökonomie und Technologie der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin.

Timo R. Stewart ist Wissenschaftler am Centre for European Studies (CES) der Universität Helsinki.

Die Beiträge geben allein die persönliche Meinung der jeweiligen Autor:innen wieder.


Übersetzung: Manuel Müller.
Bilder: Ursula von der Leyen während der SOTEU: European Union 2026 – European Parlament [licence], via EP; Porträts Cordelia Buchanan Ponczek, Saila Heinikoski, Manuel Müller, Katariina Mustasilta, Federica Prandin, Sanna Salo: FIIA [alle Rechte vorbehalten]; Alex Hoppe, Julian Plottka, Sophie Pornschlegel, Antti Viktor Rauhala, Sophia Russack, Kristina Weissenbach: privat [alle Rechte vorbehalten]; Carmen Descamps: Life Studio [alle Rechte vorbehalten]; Claudia Schmucker: DGAP [alle Rechte vorbehalten]; Timo R. Stewart: Liisa Valonen [alle Rechte vorbehalten].

16 September 2026

SOTEU 2026: What went down in Ursula von der Leyen’s State of the European Union address

Deutsch
Edited by Manuel Müller

with contributions from Cordelia Buchanan Ponczek, Carmen Descamps, Saila Heinikoski, Niklas Helwig, Alex Hoppe, Manuel Müller, Katariina Mustasilta, Julian Plottka, Sophie Pornschlegel, Federica Prandin, Antti Viktor Rauhala, Sophia Russack, Sanna Salo, Claudia Schmucker, Timo R. Stewart, and Kristina Weissenbach

Ursula von der Leyen during the 2026 State of the European Union address
The best of times, the worst of times: Ursula von der Leyen during the 2026 State of the European Union address.

“It was the best of times, it was the worst of times”: Ursula von der Leyen opened this year’s State of the European Union (SOTEU) address with the famous first line of Charles Dickens’ Tale of Two Cities, according to her “a fair description of the world we live in”. The EU, she said, was simultaneously “the strongest” and felt the most “precarious” it had ever been. But at least, in a world “of great possibilities and great perils”, it had “chosen to forge its own path”.

While last year’s SOTEU was full of fighting spirit, this year’s speech struck a somewhat more measured tone. While it still emphasised the many challenges facing the EU, it also featured a number of success stories. Unlike last year’s “European independence moment”, it did not feature a memorable new catchphrase. However, it had a remarkable special guest: Mark Carney, the Canadian prime minister, who attended the speech and was showered with compliments by the Commission president.

Of course, the good relations between Europe and Canada was not the only topic of this SOTEU. This article provides a collection of short analyses, written by experts from several universities and think tanks, of how she covered many of the key issues currently on the EU’s agenda: economic policy, AI, social media, climate, energy, migration, Schengen, the budget negotiations, cohesion policy, democracy, hybrid threats, security, global relations, Russia and Ukraine, EU-US relations, trade with China, the Middle East, enlargement policy and institutional reform. Some of these issues played a central role in von der Leyen’s speech, others were only mentioned in passing or omitted at all.

Further information on the speech can be found on the Commission’s website, along with the original multilingual text and an English translation.

Economic policy: Naming the fight, still building for it

Geoeconomics is now at the heart of the EU’s economic policy: Growth is no longer just about prosperity, but about security and strategic interest. “A fight for industrial capacities is shaping global competition,” von der Leyen said, recasting the EU’s incomplete single market not as an efficiency problem but as a strategic one. Critical minerals are one of the key battlegrounds in that fight, and China dominates them. The US has already abandoned free-market principles there for direct equity stakes, price floors and other direct interventions, and the EU seems to be following. The single most important new economic announcement was the new European Corporation on Critical Raw Materials, tasked to build shared stockpiles of minerals that European industry depends on.

At the same time, especially the northern member states (including Germany) still stay skeptical about the need for the EU to assume a more hands-on attitude in safeguarding its strategic economic interests. In a notable absence, the Industrial Accelerator Act, which would introduce “Made in EU” preferences, was missing from the speech. Put forward in March as a flagship initiative after months of delay, it has since stalled in committee. While the more contested nature of the world economy is now a widely accepted premise, the EU is still to convince skeptics that it should move beyond the grind of completing the single market.

Most of the speech focused on the less interventionist, market-opening parts of the agenda, easier for member states to rally behind. With a focus on implementation of the Draghi reform agenda, von der Leyen focused on the One Europe, One Market Roadmap, agreed this spring and setting up the end of 2027 as a deadline for completing the most important reforms across closing loopholes between member states, faster permitting, bank and transport rules simplification. Independent tracking finds none of the Draghi report’s flagship recommendations delivered two years on; an independent assessment puts implementation at 16% overall. Tellingly, the one reform that moved fast, a 70% due-diligence cut in a year, was deregulation. It is easier to cut regulations than introduce the ones needed for completing the single market.

Realistically, the EU is unlikely to hit its own 2027 target. Still, von der Leyen tried to inspire hope, citing the EU’s better than expected resilience through the Hormuz crisis as well as the success story of ICEYE, a Finnish-Polish space-tech company built on Horizon funding, private capital and the freedom to operate across member states. In the fight for independence, a year from now, the honest scorecard will likely read the same as today’s: real progress, just not at the pace a fight like it demands.

Antti Viktor Rauhala • link

AI: A cross-cutting foundation for Europe

Artificial Intelligence (AI) was one of the clearest cross-cutting themes of the speech. Von der Leyen described it as a “foundational layer for the economy and security” and linked it to Europe’s competitiveness, strategic independence, defence, healthcare, industry, employment and education. Her starting point was deliberately optimistic: Europe should “make the most of AI”, which had “the potential to benefit humanity – if we get it right.” At the same time, she stressed that the balance between opportunities and risks was changing rapidly. She pointed to increasingly powerful hacking capabilities, the possibility that advanced systems could fall into the hands of adversaries, and warnings from developers about self-improving models. Europe, she argued, should therefore help shape the global debate, including by bringing the leading frontier AI labs into a discussion about what can be done.

This was followed by a strong European capability and sovereignty agenda: Europe needs its own computing capacity, investment and AI infrastructure in order to protect its security and independence. Public and private capital should be mobilised to support European start-ups and companies, including through large-scale computing infrastructure. At the same time, von der Leyen explicitly rejected the idea that Europe has to win a race in developing the most advanced frontier models. Rather, the objective is to “move AI from the screen to the real economy” and create value from AI in sectors where Europe is already strong. She highlighted health, transport, agrifood, advanced manufacturing, defence and space as areas with particularly high potential, announcing further “game-changing initiatives” in these sectors.

At the same time, the European approach should remain centred on human agency: “AI needs to empower our doctors, not to replace them.” In the social market economy, AI should help people acquire new skills and give workers a fair chance, rather than deepen inequalities between generations, regions, or skill levels.

Against this background, the announced Quality Jobs Act, to be delivered before the end of the year, will be an important concrete next step. It will translate the speech’s broader AI narrative – more European capacity, more investment, more applications, and more skills – into a forthcoming legislative initiative.

Kristina Weissenbach • link

Social media: From technology policy to the protection of children

Social media was an unusually personal theme in the SOTEU. In this part of the speech, von der Leyen expressed her distinctive female political style, bringing a family- and women-centred perspective to a regulatory agenda. Von der Leyen focused on the amount of time young Europeans spend on screens and on platform designs that are deliberately built to capture attention and keep users scrolling. Her argument was that children need time away from screens: time to interact with others, experience “real life”, even to “get bored”, develop their imagination and form their own opinions.

She illustrated this with a deeply personal example of a Belgian girl who died by suicide after online bullying. This turned an abstract debate about algorithms and platform regulation into an issue of real families, children and individual lives. The speech framed social-media regulation not simply as technology policy, but as a question of childhood, parental responsibility and human autonomy.

On a policy level, von der Leyen stated that the Commission’s planned EU Kids Act will provide the most immediate regulatory response: a gradual and differentiated approach to age restrictions, including no social media for children under 13, only limited “mini-accounts” under 15, and stronger safe-design requirements for older teenagers. This builds on the Commission’s broader work on age verification and child safety online.

Alongside this, von der Leyen announced a Digital Fairness Act, planned for the autumn. Its focus goes beyond children alone: Addictive design, attention-capture techniques, complex contracts and subscription traps are to be addressed – with the underlying principle that politics, rather than Big Tech, should set the rules.

Taken together, AI and social media represented two complementary dimensions of the same digital agenda in the SOTEU. While AI was presented as a strategic opportunity, social media was treated as a regulatory challenge. What made both strands particularly prominent was the use of individual stories and everyday examples. Cancer screening, doctors, workers and European companies made the AI agenda tangible; children, smartphones, online bullying and families did the same for social media. Digitalisation was therefore not presented as a purely technological project, but repeatedly brought back to a central political question: How can Europe capture the benefits of technology while ensuring that it remains in the service of people?

Kristina Weissenbach • link

Climate: The bureaucratic way?

Von der Leyen called this Europe’s “summer of truth”. Wildfires, disappearing glaciers, water scarcity, crop losses and heat-related deaths provided the backdrop to an unequivocal commitment: Europe “can, must and will stay the course” on its climate targets. Yet while insisting that mitigation and adaptation are equally necessary, the substance of the speech suggested a focus from preventing climate change to managing its increasingly unavoidable consequences.

Resilience, preparedness and risk management dominated the agenda. Von der Leyen announced a new climate resilience framework, a Climate Insurance Alliance, a European Heatwave Plan and a European Water initiative, alongside stronger wildfire preparedness. Adaptation was also presented as an economic opportunity, with Europe aspiring to lead emerging markets for drought-resistant crops, flood prevention and energy-efficient cooling. Climate policy is thus increasingly intertwined with the protection of European economies, territories and citizens against disruption.

However, the sheer number of new policies announced raises a key question. As climate impacts become increasingly concrete, does Europe primarily need additional frameworks – or more effective implementation of the targets and policies it already has? The challenge for the EU may increasingly be less about demonstrating political ambition through new plans than ensuring that existing commitments are followed through. Nothing on those has been reported.

Federica Prandin • link

Energy: Prioritising economic growth and independence

Energy issues continued to feature prominently in the SOTEU address, although to a lesser extent than in previous years. The focus remained on energy security and independence, industrial competitiveness, and the transition towards a clean energy mix.

Von der Leyen once again reminded that Europe intends to strengthen its (energy) sovereignty and prevent energy from being used as a geopolitical instrument, as it was the case with Russia in the past. In light of previous measures such as the Affordable Energy Action Plan (2025) and AccelerateEU (2026) to strengthen energy resilience, she also highlighted that affordable energy prices were essential to safeguard Europe’s competitiveness. To this end, the Commission president reiterated Europe’s willingness to further increase the use of “home-grown, clean energy sources” such as renewables, nuclear and biomethane. This SOTEU declaration, too, is nothing new. At the same time, Europe is to become significantly more electrified by 2040. The EU Electrification Action Plan, presented in July 2026 and including an indicative electrification target, plays a key role here. In that context, Von der Leyen also stressed that electricity grids and storage need to be expanded more rapidly, as significant renewable energy capacity is currently awaiting grid connection.

The completion of the European single market, including the energy market, also featured prominently in the economic policy agenda of this year’s SOTEU. Von der Leyen reaffirmed the Commission’s intention to strengthen European economic capacity and accelerate necessary investments through reducing bureaucracy and a new “pact against gold-plating”. Permitting procedures and grid connection requests are likewise to be simplified and accelerated, for example under the EU grids package that is currently negotiated. Energy grids were also mentioned in other policy areas, including artificial intelligence (seen as a means to facilitate digital/smart grids and technical maintenance) and critical infrastructure considering recent deliberate attacks.

Carmen Descamps • link

Migration: Compromising fundamental rights to “protect borders”?

On migration, the SOTEU speech largely confirmed what had already been reported. As expected, she referred to Ceuta and assured Spain that “Europe will be there for you.” She also drew parallels with border crossings in Crete and along the EU’s eastern border, apparently referring to Belarus. Yet this expression of solidarity may not be enough for Ceutans and Spaniards to forget the accusations from several member states that blamed Spain for the situation and called for suspending Schengen rules in relation to Spain.

With regard to policy, von der Leyen’s key announcement was the expected proposal of a New Emergency Response Instrument. This instrument was presented as providing greater “flexibility” while respecting values and fundamental rights. In reality, however, it appears designed to allow derogations from core protections, notably the right to seek asylum and the principle of non-refoulement enshrined in EU and international law. Several countries affected by what the Commission terms the “weaponisation” of migration have already adopted legislation permitting pushbacks in certain circumstances. The Commission now seems intent on introducing a similar logic at the European level, marking another step in the erosion of asylum rights.

In addition, von der Leyen announced a new Mediterranean Youth Skills and Jobs Initiative, which appears intended to balance this restrictive approach by promoting legal migration. Yet, like previous Commission initiatives such as the Talent Partnerships with Mediterranean countries, participation will be voluntary for member states, as legal migration is a national competence. This makes significant uptake unlikely. Beyond this, the speech contained the usual self-congratulatory references to the Migration and Asylum Pact (linking it to declining irregular border crossings over the past two years, despite the lack of a clear causal connection), as well as recurring promises to strengthen Frontex and to address the root causes of migration.

The real turning point, however, may be the attempt to introduce legislation that departs from the EU’s own Charter of Fundamental Rights, which guarantees the right to seek asylum under the Geneva Convention. Once Europe begins to set aside its values and fundamental rights in the name of emergency, it risks entering a slippery slope where increasingly broad exceptions become acceptable. In the end, protecting borders could come at the cost of the very values and democratic principles Europe claims to defend.

Saila Heinikoski • link

Schengen: Not a word about illegal internal border controls

If you only heard Ursula von der Leyen’s SOTEU address, you would never think that the Schengen area was facing an existential crisis.

According to the Schengen Regulation, checks at Europe’s internal borders are only permitted “temporarily”, “exceptionally” and “as a last resort” if there is “a serious threat to public policy or internal security”. However, several member states, including Germany and France, have continuously been carrying out checks at their borders with neighbouring European countries for eleven years now – using varying, but increasingly flimsy, justifications, and in spite of national court rulings which found controls incompatible with Schengen obligations.

What is more: Following the events in Ceuta at the end of July, Italy introduced border controls with Spain – although mandatory identity checks are already in place between Ceuta and the Spanish mainland, meaning that public order and security in Italy were not jeopardised by the border storm in any way. In response to this blatant breach of Schengen law, Spain introduced counter-checks, which are, of course, equally illegal. Just one day before the SOTEU address, Italy extended the checks for an additional two weeks. Member states’ respect for their legal obligation to provide an area free of internal border controls is clearly lower than ever before.

Von der Leyen, however, remained silent about all of this. The only action the Commission has recently taken to protect the Schengen law has been the publication of lacklustre opinions and the announcement of consultations with nine member states that have maintained border controls for a particularly long time. More far-reaching measures, such as infringement proceedings, have been awaited in vain for many years. The failure to tackle member states’ violations of Schengen law is undoubtedly one of Ursula von der Leyen’s most egregious shortcomings as Commission president. And this SOTEU was no exception.

Manuel Müller • link

Budget: “Any modern budget needs new own resources”

The Commission president was not very expansive on the subject of the EU’s next multiannual financial framework (MFF) – maybe also because negotiations are ongoing, and heads of state and government hope to finalise the overall negotiations on the long-term budget by the end of the year (with negotiations on individual programmes’ regulations likely to continue beyond that).

Von der Leyen made just one comment directed at member states: The EU needs its own resources. The not-so-implicit ask is a sufficiently large budget to tackle a growing number of challenges – especially with parts of it already earmarked to repay the Covid-19 recovery loans. But since member states remain reluctant to send additional national money to Brussels, the EU needs more resources of its own. This reads as a pointed address to the “frugals,” Germany included: Only a week ago, Chancellor Merz had publicly called for “hundreds of billions of euros of cuts” to the EU budget – just as the EU needs more resources, not fewer.

While von der Leyen emphasised the link between the rule of law and the EU budget, she could have gone further and pressed member states not to cut democracy funding in the next EU budget. Any cuts in this area, which is currently only around 0.5% of the MFF, would bring minimal savings but have a disproportionate impact on democratic actors, such as civil society, independent media, or the cultural sector. However, this issue was not raised by the Commission president in her speech.

Sophie Pornschlegel • link

Cohesion policy: Silence about the local and regional level

In the current MFF negotiations, cohesion is a hot topic. Financially speaking, the fight for more or less money dedicated to cohesion policy is nothing new. A new aspect in the debate is structural: The restructuring of the new EU budget and the merging of different funding lines in a single fund, as well as the introduction of National and Regional Partnership Plans, have triggered criticism from subnational authorities in the EU, fearing a renationalization of political decision-making and a watering down of cohesion policy.

In her speech, Ursula von der Leyen was remarkably silent on these issues. Clearly not a priority, the local level was mentioned only once, when the president acknowledged its central role in realizing climate adaptation and resilience. When talking about social issues, Von der Leyen stressed that the EU “will invest in our regions” to allow citizens to stay where they live – something that, in von der Leyen’s words, is a right, not a privilege. Yet von der Leyen did not say a single word on the question of regional and local competences, influence on political decisions, and long-term priorities. European regions, municipalities, and arguably citizens have clearly not been the main focus of this year’s SOTEU.

This lack of focus on the local might be due to the current complex global challenges. But it will trigger criticism of the neglect of citizens and those levels of government closest to them. The fact that most group leaders did refer to cohesion in their responses to von der Leyen might be a first sign that the question is higher on the political agenda than the president herself acknowledged. This speech likely won’t increase regions’ and municipalities’ trust that their voice is heard in the Berlaymont’s top floors.

Alex Hoppe • link

Democracy: External, internal, and technological threats

Democracy was a defining topic of the 2026 State of the Union. This is telling of the gravity of the perceived threats to European liberal democracy. Remarkably, von der Leyen framed democracy as a strategic – not intrinsic – value and a tool for defending European sovereignty. She identified both external, internal, and technological threats to Europe’s democracies. On the external side, von der Leyen warned against a “battle of narratives” by “puppets of authoritarians”. Internally, such “cognitive warfare” is amplified by the rise of extremist, “anti-democratic, anti-European forces” and a lack of nuance in political debate. Democratic skills, required in such debate, are in her view undermined by excessive use of smartphones, especially by the youth.

As internal solutions, she showcased the EU’s newly established Centre for Democratic Resilience, the Commission’s pre-emptive Rule of Law Reports, and a stronger link between EU funds and respect for the rule of law in the member states. Externally, von der Leyen envisioned the EU’s future international partnerships as conditional on shared democratic norms, an “alliance of democratic states”, as she invited Canada to become the EU’s first “associate member”. Remarkably, the speech omitted altogether the United States, which, one might deduce, is in its current configuration not welcome to such an alliance.

The EU indeed finds itself at the nexus of internal, external, and technological challenges to liberal democracy. Yet, institutional cycles and economic sanctions are unlikely to stem the tide of authoritarian populism within the EU. It rather rises or falls with the EU being able to deliver on the crucial “tipping points” of climate, economy, and security. Democracy is not a strategy, nor is it external to politics, but rather thrives on policies that live up to the EU’s core values of sustainability, freedom, peace, and prosperity.

Sanna Salo • link

Hybrid threats: Strong rhetoric, but few resources to protect democracy

Hybrid threats, von der Leyen said, “are less and less hybrid and less and less threats” – meaning they increasingly look like direct military attacks rather than covert operations. To ramp up the EU’s response, the Commission president made three announcements.

First, a new European Security Strategy to update the doctrines, institutions and decision-making. Second, a European Security Council, together with partners such as Britain, Canada, Norway and Ukraine. And third, she proposed an own “counter-hybrid playbook” for the EU, a so-called Emergency Security Protocol which could be triggered when a member state is attacked below the threshold of armed aggression. Von der Leyen described this as the EU’s equivalent of NATO’s Article 4. How it will differ from the EU’s existing Article 222 TFEU, the so-called “solidarity clause”, is not yet fully clear.

The European Democracy Shield was briefly mentioned at the end – with a note that the Centre for Democratic Resilience, the flagship initiative of the Democracy Shield, “is already delivering with all the Member States and this House.” That can be considered a bit of a stretch: The European Parliament adopted its report on the Democracy Shield only one day before the speech. Among other recommendations, it has suggested to give sufficient resources to the Centre for Democratic Resilience, which for now has almost no budgetary resources and is simply a small unit within the European Commission.

As in previous speeches, it seems that democracy is mostly used as a rhetorical device rather than treated as a policy field in its own right. Adequate funding and genuine proposals – to truly combat disinformation, for instance, to tackle the disproportionate influence of Big Tech on our public sphere, and to treat democracy as infrastructure just like energy or telecoms – have not yet materialised.

Sophie Pornschlegel • link

Security: Proposing new procedures

Ursula von der Leyen used her SOTEU speech to preview elements of the European Security Strategy expected in early October. Her proposals underline the Commission president’s ambition to expand the role of her institution in security and defence, despite the member states’ powers in this policy field. While they address genuine weaknesses, they will face difficult questions about competences and implementation.

The proposed Emergency Security Protocol addresses a real gap that the EU faces in its crisis response. NATO’s Article 4 provides a mechanism through which allies can request consultations when their security is threatened. The EU, by contrast, lacks a similarly clear trigger for jointly addressing ambiguous incidents below the threshold at which invoking the mutual-assistance clause in Article 42(7) TEU would appear appropriate. As recent hybrid incidents such as the drone attack in Leipzig demonstrated, there is value in a mechanism that allows member states to establish a shared situational picture, agree on attribution and assess possible responses.

However, the EU does not lack consultation procedures altogether. The Council’s Integrated Political Crisis Response has been activated during major international crises, including Russia’s full-scale invasion of Ukraine in 2022 and Hamas’s attack on Israel in 2023. The chair of the Political and Security Committee can also convene emergency meetings. The added value of a new protocol would therefore depend on whether it can bring existing Council and Commission instruments together, rather than simply adding another mechanism.

Von der Leyen also promised to “set out our ideas” for a European Security Council. Proposals for a smaller forum in which selected EU leaders and close European partners could discuss urgent security matters have circulated for decades. One recent proposal envisaged six permanent members – Germany, France, Italy, Spain, Poland and the United Kingdom – alongside rotating representation for smaller EU states. Such a format could facilitate quicker decisions and closer coordination with non-EU partners, particularly the United Kingdom. But it would also revive familiar concerns about creating structures outside the EU treaties and marginalising smaller member states.

In the end, Europe’s weakness is not a shortage of institutions, but a lack of political unity and shared strategic culture. Whether these proposals help the EU develop a common understanding of how to act in today’s turbulent world will depend on their implementation.

Niklas Helwig • link

Global relations: Doubling down on “like-minded partners”

In last year’s SOTEU blog post, I named this section Global relations: Enter like-minded partners, exit development cooperation. This year’s iteration of the SOTEU continues and doubles down on that path, with a strong focus on geopolitically motivated cooperation with like-minded countries. Such as Canada, to which the door is now opened as the “first associate member” of the EU.

In a world described as “openly hostile” and with the rules-based order fractured, von der Leyen called the EU to “reimagine” partnerships and to build “global coalitions for our resilience and democracy”. Exactly what this means, outside the ambitions regarding Canada’s association, remained somewhat vague. The direction is clear, though: Rather than through existing multilateral institutions (once again, the UN was not mentioned) or by stepping up as a global development actor, international partnerships are increasingly re-imagined as bilateral and coalition-based trade deals, connectivity projects and energy-, tech- and security-focused initiatives that ultimately serve to decrease the EU’s critical dependencies.

Many traditional elements in the EU’s global agency were largely, yet unsurprisingly, absent. Whilst climate change adaptation and mitigation in Europe featured high on the agenda, the SOTEU was quiet about the global dimension of climate policy. Similarly, even though the battle line between democracies and autocracies was used to frame the global context, there was no mention of EU support to democratic actors around the world. Democracy was portrayed as a selection criterion and a framing for geopolitics, but not as a transformative objective of external action.

In terms of instruments, the Global Gateway, the EU’s by now established new blueprint for international cooperation, and particularly the new connectivity initiative linking South Caucasus and Central Asia to the European markets, were talked about in connection to investments in trade. The EU’s humanitarian agency was mentioned only in connection to relief aid to Palestine, indirectly underlining the otherwise weak agency of the Union in the Middle East.

For those concerned about the EU’s inward turn and the future of its external action, it is of course positive to see the SOTEU acknowledge the importance of international partnerships and the Commission’s recommitment to defend the rules-based system. Yet there was an ever clearer instrumental tone to these, as first and foremost means to secure the EU’s interests. Concerning the EU’s leading role in defending the rules-based system, the SOTEU was remarkably silent on a key aspect: the role of the EU’s wide range of diplomatic tools and resources to try to prevent, respond to and resolve violations of international norms and rules.

Katariina Mustasilta • link

Russia and Ukraine: Steadfast, but not still

On Russia and Ukraine, the speech offered continuity, not news. Von der Leyen repeated Europe’s unwavering support for Kyiv, sustained pressure on Moscow, and named hybrid threats and disinformation as real dangers to unity. No new policy moves were announced: no fresh sanctions package, financing mechanism, or diplomatic opening.

The war itself has shifted more than the rhetorical continuity lets on. Ukraine’s strikes on Russian refineries have brought fuel shortages home to ordinary Russians for the first time, while Putin shows no sign of relenting. Moscow is reportedly weighing a new mobilisation once this month’s Duma elections are over. Attacks have grown bolder too, from a drone at Leipzig airport to a strike on a Ukrainian train near the Polish border. Ukraine, while able to hit Russia harder, is also more exposed than a year ago: Its air defences are stretched thin, and civilian casualties are climbing. Washington has pulled back even as Europe fills more of the gap, and the outlook for a negotiated settlement remains stalled.

Even the speech’s resolve to emphasise continued unwavering support is on shakier ground than the confident tone let on. Just the day before the SOTEU, France, joined by Slovakia, blocked the EU’s routine sanctions renewal, not out of opposition to sanctions on Russia but as leverage on an unrelated matter: Paris wants a Russian-linked businessman de-listed to help secure the release of French nationals held in Azerbaijan. The two governments most central to Europe’s commitment to Ukraine are also under mounting pressure: Germany’s AfD, which wants to cut aid to Ukraine and restore ties with Moscow, just won a state election, and France’s Rassemblement National, which is leading the 2027 presidential race, voted against the European Parliament’s own Ukraine resolution in July. Whether the EU can still deliver on its message of steadfast support is the quiet question the speech left unanswered.

Antti Viktor Rauhala • link

EU-US relations: O Canada!

As with last year, the United States was barely mentioned directly in von der Leyen’s speech. Barely on Greenland or defense or Ukraine. Not on tech. Not on trade. Not on energy. And yet the US was there in all her references to those topics.

She mentioned that Europe stood up for Greenland when it was threatened – but without saying who Greenland was threatened by. She talked about how the EU approved, for the first time, the purchase of American Patriot interceptor missiles, but then immediately followed that by stating that the EU needed to reduce dependence on a single supplier – in this case, the unspoken United States. She proposed a European Security Council and an emergency security protocol, describing these proposals as compatible with NATO – but without addressing the debate over the US role in European security. She kept to the line that Europe sets is own rules, not “Big Tech” – again, with US tech companies looming large in their absence.

The same selective silence ran through her economic argument. Von der Leyen spoke bluntly about the EU’s trade deficit with China, celebrated new free trade agreements – India, Mercosur, Mexico, Australia, and Indonesia – and called for more routes and partners. But she offered no comparable account of trade with the United States. There were no tariffs, no EU-US trade deal, and no discussion of whether Europe’s growing preferences might be seen as protectionism in Washington.

Energy followed a similar formula. Von der Leyen noted that Europe had diversified its supplies after Russia cut off gas, but she did not name the US among its suppliers. (According to Eurostat, in the first quarter of 2026, more than half of the EU’s LNG imports came from the US.) She mentioned the Strait of Hormuz, but not the US role in the region. She advocated for more European domestic energy sources, but did not explain where that leaves the US energy commitments she defended a year ago.

The most significant wild card in-which-the-US-was-not-mentioned was the proposal to open a door for Canada to become the EU’s first “associate member”. This was framed within the idea of moving beyond CETA to an “Alliance for the Future”. The scope of included areas was large: the Arctic, energy, critical minerals, batteries, AI and quantum technology, and cybersecurity. It came at a part in von der Leyen’s speech where she underlined that democracies must be free to choose their partners and that power ought not to be left only for the “strongest, richest or loudest”. It is hard not to hear these words in light of, say, Trump’s social media post last week that showed a strong Trump, in US national hockey gear, standing over a cowering Canadian-clad Carney.

Von der Leyen’s proposal was a bold move and does not have a very clear path. “Associate membership” is not defined as an EU category. There was no clarity on the legal rights or status, market access, or decision-making power. Would Canadians be eligible for something as simple as a visa waiver? Even CETA is still awaiting full ratification by several EU member states.

Still, the boldness of von der Leyen’s announcement itself sent a clear message. Since Canada has been advocating over the past year for a closer relationship with Europe, I had wondered whether Europe would embrace the relationship or play it cool to avoid antagonizing Trump. Now we have our answer. Rhetorically, at least, von der Leyen appears to be plunging in.

Cordelia Buchanan Ponczek • link

China: Tough in tone, but vague on trade defence measures

In her SOTEU address, Ursula von der Leyen addressed the issues with China head on. She emphasised that the EU was already experiencing a China shock 2.0, with a daily trade deficit of one billion euros. She stated that this was no longer sustainable and was leading to deindustrialisation in Europe. She also drew attention to the EU’s heavy reliance on critical raw materials from China, which accounts for up to 90 per cent of rare earths.

Von der Leyen thus emphasized the challenging competitive situation with China, which is putting pressure on key sectors of European industries. According to the OECD, one of the problems is that Chinese companies receive up to eight times more subsidies than their competitors in other countries. At the same time, market barriers to the Chinese market remain very high.

Consequently, EU member states and the Commission have been discussing possible EU responses for some time. As a first step, a structured dialogue with China was established in June 2026. Initial results are expected in early October. In her speech, Ursula von der Leyen referred directly to this negotiation process and called for concrete results.

However, it was highly anticipated whether von der Leyen would propose specific trade defence instruments or provide further clarification on the diversification instrument she had hinted at. Unlike in her 2023 speech – in which she announced that the European Commission would launch an anti-subsidy investigation into electric vehicles from China –, she remained very vague this time on trade defence instruments. While she emphasised that the EU would “use all available instruments” to restore balance to relations with China, the only specific announcement was the establishment of a “European Corporation on Critical Raw Materials” to reduce Europe’s dependence on China.

The tone is firm and resolute. But fundamental decisions will not be taken until the European Council in October, when the initial results of the dialogue are known.

Claudia Schmucker • link

Middle East: A payer, not a player

Despite the turmoil of the past year, the Middle East featured in von der Leyen’s speech hardly at all. The only allusion to the Iran War and the ongoing closure of the Strait of Hormuz was included in a brief comment on the economy having weathered the impact of “the Middle East wars” better than anticipated. The escalation between the Houthis and Saudi Arabia was not mentioned, neither was Iran, Lebanon or Syria, or even Turkey for that matter.

The sole exception were Israel and the Palestinians, even though they featured much less than in last year’s SOTEU. Von der Leyen recalled that speech and her call to act. While it was never explicitly spelled out, the measures outlined in 2025 aimed at pressuring Israel, whose government was seen as actively undermining the two-state solution. Regretfully, von der Leyen noted not much had happened. While the Commission was able to freeze its modest bilateral aid to Israel, discussions with the member states have not resulted in necessary majorities.

The speech carried something of an air of resignation at the EU’s political impotence in confronting even clear violations of its positions. At least from a political point of view, if not a humane one, the most glaring challenge comes from Israel moving ahead with the much-condemned E1 settlement project. While the Israeli government’s actions were characterised by von der Leyen as “unacceptable”, the reality seems to be the exact opposite: Israeli violations of EU positions, international law, human rights and the political rights of Palestinians may not be popular, but they seem to be something key member states are willing to accept in the interest of trade and good relations.

With action remaining elusive, von der Leyen tried to take pride in the fact that the EU had delivered more aid to the Palestinians than anyone else. A payer, not a player, is how analysts have for decades described the EU’s role of throwing money to alleviate symptoms of a political problem it will not address. This, von der Leyen seems to be saying, is “Europe’s role” in the year to come as well.

Timo R. Stewart • link

Enlargement: And the next state to join the EU is … Canada!

A few months ago, German Chancellor Friedrich Merz launched the idea of “associate EU membership” for Ukraine. Taking up this term, the Commission president now invited the attending Canadian Prime Minister Mark Carney to the European family. While Merz’s proposal had already given priority to the geopolitical logic over the logic of modernisation in enlargement policy, the symbolic expansion of the EU from Vancouver to Lugansk would turn it entirely into a geopolitical instrument.

For sure, this idea resonates with current feelings in transatlantic relations and would be a strong signal on the global stage after Iceland decided not to reapply for EU membership. However, there are risks: First, it would overstretch the concept of membership beyond Article 49 TEU. Second, a Canada catching up and overtaking other candidate countries on the waiting list would send a devastating signal to their pro-European citizens. Third, with the ratification of CETA – several times mentioned today – still pending, there is work to be completed in Canadian-European relations before the next steps are taken. Otherwise, “associate membership” would turn into a hollow shell.

To mitigate these risks, “associate membership” has to be embedded in a coherent concept of external differentiation, and progress in Canadian association to the EU must be in step with at least one or two other candidate countries. Will the “autumn of enlargement” – with the “Pre-enlargement Policy Reviews” in September (a delayed delivery to a promise of the 2023 SOTEU), the European Council’s strategic discussion in October, the annual enlargement package, and the “EU Enlargement Forum” in November – deliver on this?

For now, the Commission president only announced “roadmaps for the candidates that have made most progress”. An advance notice of major steps in the next weeks would sound different. Since it is unlikely that von der Leyen deliberately missed this opportunity, it seems that there is no political agreement (yet). Whether it can be reached, remains an open question for now. In any case, von der Leyen’s emphasis on the merit-based process and on the fact that “respect for [European] values is non-negotiable” clearly sounded like a “no” to any shortcuts and special deals.

Julian Plottka • link

Institutional reform: A new “Congress of Europe”?

Two concrete institutional ideas stood out in the SOTEU: First, Ursula von der Leyen proposed a new “Congress of Europe” to mark the upcoming 70th anniversary of the Treaty of Rome. However, she stayed vague on what it would actually look like and how it would be different from the Conference on the Future of Europe of 2021/22. Von der Leyen only alluded to the idea that it could be modelled on the original Congress of Europe of 1948. That gathering brought together 750 delegates from across the continent (politicians, intellectuals, trade unionists, and business figures) and launched the call for a political, economic and monetary Union of Europe. Is this a less political, more societal approach to rethinking the EU?

The second idea is to make Canada the first “associate member” of the EU. Canada’s Prime Minister Carney floated this earlier in the week, and von der Leyen endorsed it. What could that look like? As we proposed here, associate membership could centre on the single market. While opting out of deeper integration in areas like Justice and Home Affairs or EU citizenship, it would still require full buy-in to the EU’s core values – democracy and the rule of law chief among them. As for the budget, associate members could contribute at a reduced rate to cover shared institutional costs and receive fewer benefits. Institutionally, associate members could potentially have the right to attend and speak (not to vote) in relevant EU institutions. Still, none of these ideas were spelled out in von der Leyen’s SOTEU, in which the concept of “associate membership” remained vague.

In general, there were few, if any, concrete institutional reform proposals in the speech. In particular, von der Leyen did not call for unanimity reform, a retreat from 2025, when she explicitly called for qualified majority voting in foreign policy. It remains to be seen whether the Commission’s “pre-enlargement policy reviews”, which are scheduled for the end of September, will be any more specific on governance reform.

Sophia Russack • link


Carmen Descamps works as Manager for EU Energy and Digital policies for the German Association of Energy and Water Industries (BDEW) in Brussels.

Saila Heinikoski is a Senior Research Fellow at the Finnish Institute of International Affairs (FIIA) in Helsinki.

Alex Hoppe is a postdoctoral researcher at the chair for European integration and European politics and a lecturer at the Institute of Political Science of the University of Duisburg-Essen.

Manuel Müller is a Helsinki-based EU researcher and the editor of the blog “Der (europäische) Föderalist”.

Katariina Mustasilta is a Senior Research Fellow at the Finnish Institute of International Affairs (FIIA) in Helsinki.


Sophie Pornschlegel is a Senior Adviser at the European Policy Centre in Brussels and research at Maastricht University.

Federica Prandin is a doctoral candidate at the University of Helsinki, with research affiliations at Columbia University, and a member of the EU Green Diplomacy Network.

Antti Viktor Rauhala is Chief Operating Officer of the Economic Security Forum and a doctoral researcher at the University of Helsinki.

Sanna Salo is a Senior Research Fellow at the Finnish Institute of International Affairs (FIIA) in Helsinki.

Claudia Schmucker is Head of the Center for Geopolitics, Geoeconomics, and Technology at the German Council on Foreign Relations (DGAP) in Berlin.

Timo R. Stewart is a researcher at the Centre for European Studies (CES) of the University of Helsinki.

Kristina Weissenbach is substitute professor for Ethics in Political Management and Society at the University of Duisburg-Essen and co-director of the NRW School of Governance.

The contributions reflect solely the personal opinion of the respective authors.


Pictures: Ursula von der Leyen during the SOTEU: European Union 2026 – European Parlament [licence], via EP; portraits Cordelia Buchanan Ponczek, Saila Heinikoski, Manuel Müller, Katariina Mustasilta, Federica Prandin, Sanna Salo: FIIA [all rights reserved]; Alex Hoppe, Julian Plottka, Sophie Pornschlegel, Antti Viktor Rauhala, Sophia Russack, Kristina Weissenbach: private [all rights reserved]; Carmen Descamps: Life Studio [all rights reserved]; Claudia Schmucker: DGAP [all rights reserved]; Timo R. Stewart: Liisa Valonen [all rights reserved].