Samstag, 15. März 2014

Krisenstaaten wählen links, kleine Länder liberal, und die Christdemokraten sind vor allem in der Eurozone stark: Zur Wahlgeografie der Europäischen Union

In den USA gibt es „red states“ und „blue states“. Und in der EU?
Die Europawahl am 22.-25. Mai rückt immer näher, und damit mehren sich auch die Versuche der Demoskopen, das Ergebnis vorauszusagen. Nach der aktuellen Prognose, die ich auf Grundlage nationaler Wahlumfragen berechnet habe (Details siehe hier oder am Ende dieses Artikels), wäre die sozialdemokratische S&D mit 219 Sitzen (29,2%) nach fünfzehn Jahren erstmals wieder stärkste Fraktion des Parlaments – nahezu gleichauf mit der christdemokratischen EVP, die auf 211 Mandate käme (28,1%). Weiterhin auf dem dritten Platz läge die liberale ALDE (69 Sitze, 9,2%), gefolgt von der linken GUE/NGL (56 Sitze, 7,5%), die die grüne G/EFA (43 Sitze, 5,7%) überholt.

Die nationalkonservative ECR käme auf 41 Mandate (5,5%), die rechtspopulistische EFD auf 25 (3,3%) – beide müssen um ihren Status als eigenständige Fraktion bangen. Unterstützung könnte die ECR allerdings von 7 Abgeordneten nationalkonservativer Parteien erhalten, die neu ins Parlament einziehen werden (0,9%). Rechte und rechtsextreme Parteien würden 36 Mandate gewinnen (4,8%), die sonstigen Parteien kämen auf 44 Sitze (5,9%).

Wahlverhalten in Ländergruppen

Allerdings bietet diese Prognose nicht nur einen Eindruck, wie das Europäische Parlament insgesamt nach dem 25. Mai aussehen könnte. Da sie auf einer Vielzahl nationaler Umfragen basiert, lässt sie sich auch auf kleinere Ländergruppen aufschlüsseln – und damit für eine kleine Übung in europäischer Wahlgeografie nutzen. Denn bekanntlich ist die EU durchzogen von zahlreichen alten und neuen Grenzen: zwischen den westeuropäischen Ländern und den ehemaligen Ostblock-Staaten, zwischen dem reichen Norden und dem krisengeschüttelten Süden, zwischen großen und kleinen Mitgliedern.

Schlagen sich diese Grenzen auch im Wahlverhalten nieder? Wo haben die europäischen Parteien ihre Hochburgen? Sähe das Europäische Parlament anders aus, wenn darin nur die Abgeordneten aus der Eurozone vertreten wären? Die Antwort auf diese Fragen ist nicht nur von theoretischem Interesse, sondern sagt auch etwas über die Stärken und Schwächen der einzelnen europäischen Parteien aus – und hilft zu verstehen, wie die Union als Ganze politisch tickt. Dazu einige Zahlenspiele.

Im Osten sind Linke und Grüne schwach

Wohl keine andere Grenze hat die europäische Geschichte im letzten Jahrhundert so stark geprägt wie der Eiserne Vorhang, der während des Kalten Krieges die demokratischen Staaten Westeuropas von den Mitgliedstaaten des Ostblocks trennte. Die große Osterweiterung der EU im Jahr 2004 wurde deshalb auch als „Wiedervereinigung Europas“ gefeiert. In der politischen Kultur aber zeigen sich bis heute Unterschiede zwischen den beiden früheren Blöcken. So konnten sich die neuen sozialen Bewegungen, aus denen die Europäische Grüne Partei entstand, im Westen freier entfalten als im Osten. Und während es im Westen auch einige demokratische kommunistische Parteien gab, verbinden die meisten Menschen in den neuen Mitgliedstaaten den Kommunismus ausschließlich mit einem diktatorischen Regime, sodass sich dort nach der Wende von 1990 nur sehr wenige dezidiert linke Parteien halten konnten.

Vor 1989GUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
fʼlos
sonst.
Gesamt
kommunistisch5
(2,5%)
3
(1,5%)
67
(33,7%)
15
(7,5%)
64
(32,2%)
22
(11,1%)
3
(1,5%)
05
(2,5%)
15
(7,5%)
199
kapitalistisch43
(9,4%)
29
(6,3%)
125
(27,4%)
50
(11,0%)
107
(23,5%)
19
(4,2%)
22
(4,8%)
1
(0,2%)
31
(6,8%)
29
(6,4%)
456

Deutschland8
(8,3%)
11
(11,5%)
27
(28,1%)
4
(4,2%)
40
(41,7%)
006
(6,3%)
0096

Diese Unterschiede schlagen sich auch in der Wahlprognose für die Europawahl nieder: In den ehemals kommunistischen Staaten schneiden sowohl Grüne als auch Linke deutlich schlechter ab als im Westen; Christdemokraten und Nationalkonservative sind hingegen überdurchschnittlich stark vertreten. (Wie sich die genannten Ländergruppen im Einzelnen zusammensetzen, ist im Kleingedruckten am Ende dieses Artikels aufgeschlüsselt.)

In reichen Ländern wählen viele grün und liberal

Ein wichtiges Merkmal in der Wahlgeografie ist auf nationaler Ebene meist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen. Menschen in ärmeren Regionen wählen oft sozialdemokratische und linke Parteien, die sich für mehr Umverteilung einsetzen; Menschen in reicheren Regionen dagegen liberale und konservative Parteien, die niedrigere Steuern und einen kleinen Sozialstaat befürworten.

BIP/KopfGUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
fʼlos
sonst.
Gesamt
> 30.000€14
(7,0%)
24
(12,0%)
51
(25,5%)
27
(13,5%)
61
(30,5%)
1
(0,5%)
3
(1,5%)
6
(3,0%)
12
(6,0%)
1
(0,5%)
200
20-30.000€27
(8,2%)
16
(4,9%)
96
(29,3%)
25
(7,6%)
76
(23,2%)
20
(6,1%)
19
(5,8%)
016
(4,9%)
33
(10,1%)
328

< 20.000€12
(5,7%)
3
(1,4%)
70
(33,0%)
14
(6,6%)
71
(33,5%)
20
(9,4%)
3
(1,4%)
1
(0,5%)
8
(3,8%)
10
(4,7%)
212

Auf europäischer Ebene allerdings gibt es kein gemeinsames Steuer- und Sozialsystem, sodass die Umverteilung zwischen den Mitgliedstaaten minimal ist. Entsprechend sind auch die Unterschiede im Wahlverhalten etwas andere, als man womöglich erwarten würde. So sind es besonders die Nationalkonservativen, die in den ärmeren Ländern besser abschneiden als anderswo, während bei der Linken keine starken Effekte zu erkennen sind. Liberale und Grüne hingegen erzielen in den reicheren Mitgliedstaaten ihre weitaus besten Ergebnisse.

Interessant sind außerdem die Unterschiede im europaskeptischen Spektrum: Insgesamt sind europaskeptische Parteien in den mittel-reichen Ländern am stärksten vertreten (was vor allem daran liegt, dass in diese Gruppe auch das Vereinigte Königreich zählt). Das Verhältnis zwischen den verschiedenen europaskeptischen Parteien unterscheidet sich jedoch je nach Wirtschaftsstärke: Während in der Gruppe der ärmeren Länder vor allem die gemäßigt-europaskeptische nationalkonservative ECR gut abschneidet, ist die rechtspopulistische EFD in der mittleren Gruppe am stärksten. Rechtsextreme und offen nationalistische Parteien schließlich erzielen ihre besten Ergebnisse in den reichen Mitgliedstaaten, wo es ansonsten kaum europaskeptische Parteien gibt.

Die Linke gewinnt in den Euro-Krisenstaaten

Für das Wahlverhalten der Europäer dürfte allerdings nicht nur das absolute Wohlstandsniveau eine Rolle spielen, sondern auch, wie sie die Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahren erlebt haben. Bekanntlich führte die globale Finanzkrise in nahezu allen EU-Mitgliedstaaten zu einer Rezession. Manche Länder waren dabei jedoch deutlich härter betroffen als andere – nicht zuletzt, weil der Europäische Rat ihnen im Gegenzug für die Unterstützung bei der Haushaltssanierung drastische Sparmaßnahmen abverlangte, die zu einer weiteren Verschlechterung der Konjunktur führten.


GUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
fʼlos
sonst.
Gesamt
Krisenstaaten28
(15,1%)
2
(1,1%)
54
(29,0%)
6
(3,2%)
61
(32,8%)
0 4
(2,2%)
1
(0,5%)
3
(1,6%)
27
(14,5%)
186
Rest-EU28
(5,0%)
41
(7,3%)
165
(29,2%)
63
(11,2%)
150
(26,5%)
41
(7,3%)
21
(3,7%)
6
(1,1%)
33
(5,8%)
17
(3,0%)
565


In der Prognose zeigen diese meistbetroffenen Krisenstaaten einige markante Besonderheiten: Insbesondere die Europäische Linke kann hier weitaus bessere Ergebnisse erwarten als im Rest der Europäischen Union. Liberale und Grüne hingegen schneiden in den Krisenländern besonders schlecht ab, während es bei Christ- und Sozialdemokraten kaum Unterschiede gibt. Bemerkenswerterweise können allerdings auch die rechten Europaskeptiker in den Krisenstaaten kaum punkten. Dafür werden aus diesen Ländern einige ganz neue und politisch schwer verortbare Parteien in das Europäische Parlament einziehen – allen voran das M5S, das einen Großteil der italienischen Protestwähler hinter sich versammelt.

In der Eurozone haben Rechtskonservative wenig Chancen

Und weil wir gerade bei der Eurozone sind: In den vergangenen Jahren war wiederholt der Vorschlag zu hören, innerhalb des Europäischen Parlaments eine neue Kammer für Währungsangelegenheiten zu bilden, die sich ausschließlich aus Abgeordneten zusammensetzen soll, die in Mitgliedstaaten der Eurozone gewählt wurden. Ich selbst stehe diesem Vorschlag recht skeptisch gegenüber, wie ich hier und hier ausführlicher dargestellt habe. Insbesondere erschiene es mir nicht praktikabel, wenn in einer solchen „Eurokammer“ andere parteipolitische Mehrheiten bestünden als im Parlament insgesamt.


GUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
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sonst.
Gesamt
Eurozone48
(10,0%)
33
(6,9%)
129
(26,8%)
44
(9,1%)
152
(31,6%)
2
 (0,4%)
7
(1,5%)
7
(1,5%)
29
(6,0%)
30
(6,2%)
481
Rest-EU8
(3,0%)
10
(3,7%)
90
(33,3%)
25
(9,3%)
59
(21,9%)
39
(14,4%)
18
(6,7%)
07
(2,6%)
14
(5,2%)
270

 
Und tatsächlich unterscheiden sich die Prognosen für die Mitgliedstaaten der Eurozone und die übrigen EU-Staaten teils deutlich. Da unter den Staaten, die den Euro noch nicht nutzen, zahlreiche ehemalige Ostblock-Staaten sind, schneiden Grüne und Linke innerhalb der Währungsunion deutlich besser ab als außerhalb. Die wichtigsten Unterschiede aber zeigen sich im konservativen Spektrum: Dieses wird innerhalb der Eurozone vor allem von der christdemokratischen EVP dominiert, während in den Nicht-Euro-Ländern ECR und EFD zusammen auf nahezu ebenso viele Sitze kämen wie die Christdemokraten. Zugleich fällt der Vorsprung des Mitte-Links-Lagers (S&D, ALDE, G/EFA, GUE/NGL) in der Eurozone noch deutlicher aus als in der Prognose für das Parlament insgesamt.

In kleinen Mitgliedstaaten sind die Liberalen stark

Von großem Interesse ist außerdem auch der Gegensatz zwischen den größeren und den kleineren Mitgliedstaaten. Der Grund dafür liegt in einer Besonderheit des europäischen Wahlsystems, nämlich dem Prinzip der „degressiven Proportionalität“ bei der Zuteilung der nationalen Sitzkontingente. Dieses Prinzip besagt, dass größere Mitgliedstaaten zwar mehr Abgeordnete stellen dürfen als kleinere, kleinere Länder jedoch mehr Abgeordnete pro Einwohner. Um in einem kleineren Mitgliedstaat ein Mandat zu gewinnen, benötigt eine Partei deshalb in der Regel weniger Stimmen als in einem großen.

Hierin liegt natürlich ein potenzielles Demokratie-Problem: Falls sich das Wahlverhalten zwischen den Bürgern größerer und kleinerer Länder erheblich unterscheidet, käme es zu Verzerrungen zwischen dem Stimmenanteil, den eine Partei europaweit erreicht hat, und dem Sitzanteil, den ihre Fraktion im Europäischen Parlament stellen kann. Bei der letzten Europawahl war dies allerdings nicht der Fall: Das Wahlverhalten der Bürger in den großen und den kleinen Mitgliedstaaten stimmte so gut überein, dass sich Stimm- und Sitzverhältnis der Fraktionen im Ergebnis fast haargenau deckten.

EinwohnerGUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
fʼlos
sonst.
Gesamt
> 15 Mio.32
(6,7%)
25
(5,6%)
142
(29,6%)
39
(8,1%)
127
(26,5%)
38
(7,9%)
17
(3,5%)
6
(1,3%)
21
(4,4%)
30
(6,3%)
479
5-15 Mio.18
(9,0%)
12
(6,0%)
55
(27,6%)
18
(9,0%)
60
(30,2%)
2
(1,0%)
6
(3,0%)
1
(0,5%)
15
(7,5%)
12
(6,0%)
199

< 5 Mio.6
(8,2%)
4
(5,5%)
22
(30,1%)
12
(16,4%)
24
(32,9%)
1
(1,4%)
2
(2,7%)
002
(2,7%)
73

Und auch im nächsten Europäischen Parlament dürften sich die Abweichungen in Grenzen halten: Fast alle Fraktionen sind in großen und kleinen Mitgliedstaaten ähnlich stark vertreten. Auffällige Abweichungen gibt es lediglich bei der ALDE, die in einigen kleineren Ländern besonders stark ist, sowie der ECR, deren Abgeordneten vor allem aus großen Mitgliedstaaten stammen. Während die Liberalen also vom Prinzip der degressiven Proportionalität profitieren dürften, könnten die Nationalkonservativen dadurch einen Nachteil erfahren.

Niedrige Wahlbeteiligung nutzt Nationalkonservativen

Wie ich vor längerer Zeit schon einmal ausführlicher dargestellt habe, ist die degressive Proportionalität allerdings nicht der einzige Faktor, der zu einer Verzerrung zwischen Stimmen- und Mandatsanteil der Fraktionen führen kann. Auch die Wahlbeteiligung unterscheidet sich je nach Mitgliedstaat stark, ohne dass das die Größe der nationalen Sitzkontingente beeinflussen würde. Um in Ländern mit hoher Wahlbeteiligung ein Mandat zu gewinnen, sind deshalb mehr Stimmen notwendig als in Ländern, wo ohnehin nur wenig Bürger an der Wahl teilnehmen.

BeteiligungGUE/NGLG/EFAS&DALDEEVPECREFDfʼlos 
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rechts
fʼlos
sonst.
Gesamt
> 50%17
(10,3%)
10
(6,1%)
42
(25,5%)
13
(7,9%)
49
(29,7%)
1
(0,6%)
7
(4,2%)
1
(0,6%)
4
(2,4%)
21
(12,7%)
165
40-50%26
(9,3%)
25
(8,9%)
77
(27,4%)
27
(9,6%)
90
(32,0%)
02
(0,7%)
6
(2,1%)
22
(7,8%)
6
(2,1%)
281

< 40%13
(4,3%)
8
(2,6%)
100
(32,8%)
29
(9,5%)
72
(32,6%)
40
(13,1%)
16
(5,2%)
010
(3,8%)
17
(5,5%)
305

Vergleicht man die Prognosen je nach der Wahlbeteiligung, die die Mitgliedstaaten bei der letzten Europawahl erreichten, so zeigt sich wiederum ein verhältnismäßig ausgeglichenes Bild. Lediglich bei der ECR ist ein sehr deutlicher Effekt zu erkennen: Die Nationalkonservativen werden vor allem in solchen Ländern gewählt, wo die Beteiligung an der Europawahl insgesamt niedrig ist. Dadurch können sie den Nachteil, den sie aus dem Prinzip der degressiven Proportionalität erfahren, wenigstens teilweise ausgleichen – und sogar überkompensieren: In der jetzt endenden Wahlperiode war die ECR jedenfalls die Fraktion, deren Sitzanteil am stärksten nach oben von ihrem europaweiten Stimmenanteil abwich.

Fazit

Zu den wichtigsten Stärken der europäischen Sozialdemokraten bei der kommenden Europawahl dürfte zählen, dass sie in der gesamten Union in ähnlicher Stärke vertreten sind. Ob in großen oder kleinen Ländern, ob in den alten oder den neuen Mitgliedstaaten, ob im krisengeschüttelten Süden oder im reichen Norden, in jeder Ländergruppe wird die S&D ein Viertel bis ein Drittel der Mandate sammeln. Hingegen kann die EVP in einigen Ländern (besonders in Deutschland) sehr gute Ergebnisse erwarten, doch besonders außerhalb der Eurozone verlieren die Christdemokraten oft wichtige Stimmen an die nationalkonservativ-europaskeptische ECR. In Großbritannien ist die EVP überhaupt nicht vertreten, was sich in allen der oben angeführten Statistiken niederschlägt.

Bei den kleineren Parteien sind die regionalen Schwerpunkte noch deutlicher. Die Europäische Linke ist vor allem in Westeuropa stark, speziell in den Ländern, die am meisten von der Eurokrise betroffen sind. Grüne und Liberale sind vor allem in den wirtschaftlich starken Mitgliedstaaten präsent, wobei die Liberalen auch davon profitieren, dass sie in vielen kleineren Ländern besonders gut abschneiden. In den südeuropäischen Krisenstaaten hingegen sind weder G/EFA noch ALDE erfolgreich. Parteien des nationalkonservativen und rechten Spektrums schließlich werden ihre besten Ergebnisse voraussichtlich in großen Mitgliedstaaten außerhalb der Eurozone erzielen – wobei tendenziell umso radikalere Parteien gewählt werden, je besser das Land wirtschaftlich dasteht.

Gesamtüberblick der Prognose


GUE/
NGL
G/EFA S&D ALDE EVP ECR EFD fʼlos 
nat.kons.
fʼlos
rechts
fʼlos
sonst.
Sitze 56 43 219 69 211 41 25 7 36 44
Anteil 7,5% 5,7% 29,2% 9,2% 28,1% 5,5% 3,3% 0,9% 4,8% 5,9%
DE8 Linke11 Grüne27 SPD4 FDP40 CDU/CSU

6 AfD

FR7 FG7 EELV16 PS9 MD-UDI19 UMP


16 FN
GB1 SF3 Greens
3 SNP
25 Lab
1 SDLP
8 LibDem
18 Cons13 UKIP

1 DUP
IT 3 SEL
23 PD
19 FI
4 NCD-UdC
1 SVP 

4 LN

19 M5S
ES9 IU2 ERC18 PSOE3 CEU16 PP



5 UPyD
1 Cs
PL

8 SLD
5 Eur +

16 PO
3 PSL
19 PiS



RO

16 PSD6 PNL5 PDL
2 UDMR




3 PMP
NL 4 SP1 GL3 PvdA 5 VVD
4 D66
2 CDA1 CU

5 PVV1 50plus
EL7 Syriza
1 KKE

1 Pasok
6 ND

1 ANEL3 XA2 Potami
BE
4 N-VA
1 Groen
1 Ecolo
2 sp.a
3 PS
2 OpenVLD
3 MR
2 CD&V
1 CDH
1 CSP



1 VB
PT2 CDU
1 BE

9 PS
9 PSD/CDS




CZ4 KSCM
5 CSSD
2 TOP09
2 KDU-CSL
2 ODS


6 ANO
HU

6 Össz
11 Fidesz


4 Jobbik
SE 1 V2 MP7 S1 FP
1 C
5 Mod
1 KD



2 SD
AT
2 Grüne5 SPÖ2 Neos5 ÖVP


4 FPÖ
BG

6 BSP1 DPS5 GERB
1 RB



1 Ataka2 BBZ
1 ABV
DK1 FmEU1 SF3 S3 V
1 RV
1 K

3 DF


FI 1 Vas1 Vihr2 SDP3 Kesk
1 SFP
3 Kok
2 PS


SK

6 SMER
2 KDH
1 SDKU
1 SMK
1 M-H

1 SNS

1
IE 3 SF
2 Lab3 FF3 FG




HR1 HL-SR1 ORaH4 SDP1 NF-HSLS3 HDZ




LT

5 LSDP1 DP
1 LRLS
2 TS-LKD
2 TT


LV
2 ZZS3 SC
2 V1 TB



SI

2 SD1 PS3 SDS
1 SLS




1 DeSUS
EE

2 SDE1 RE
2 KE
1 IRL




CY2 AKEL
1 DIKO
3 DISY




LU
1 Gréng1 LSAP1 DP3 CSV




MT

3 PL
3 PN





Legende
GUE/NGL Vereinigte Europäische Linke / Nordische Grüne Linke
G/EFA Die Grünen / Europäische Freie Allianz
S&D Progressive Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament
ALDEAllianz der Liberalen und Demokraten für Europa
EVPEuropäische Volkspartei (Christdemokraten)
ECREuropäische Konservative und Reformisten
EFD Europa der Freiheit und der Demokratie
fʼlos (nat.kons.)
fraktionslos (nationalkonservative Parteien)
fʼlos (rechts)fraktionslos (rechte Parteien)
fʼlos (sonst.)fraktionslos (sonstige Parteien)

Ländergruppen
Vor 1989 kommunistisch: Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn; kapitalistisch: Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien, Vereinigtes Königreich, Zypern.
BIP/Kopf > 30.000 €: Belgien, Dänemark, Deutschland, Irland, Luxemburg, Niederlande, Österreich, Schweden; 20.000-30.000 €: Finnland, Frankreich, Italien, Malta, Slowenien, Spanien, Tschechien, Vereinigtes Königreich, Zypern; < 20.000 €: Bulgarien, Estland, Griechenland, Kroatien, Lettland, Litauen, Ungarn, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei. Quelle: Eurostat, Stand 2012.
Krisenstaaten: Griechenland, Irland, Italien, Portugal, Spanien, Zypern.
Eurozone: Belgien, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Zypern.
Einwohnerzahl > 15 Mio.: Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Polen, Rumänien, Spanien, Vereinigtes Königreich; 5-15 Mio.: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Finnland, Griechenland, Österreich, Portugal, Schweden, Slowakei, Tschechien, Ungarn; < 5 Mio.: Estland, Irland, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Slowenien, Zypern, Quelle: Statistisches Bundesamt.
Wahlbeteiligung > 50%: Belgien, Dänemark, Griechenland, Irland, Italien, Lettland, Luxemburg, Malta, Zypern; 40-50%: Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Österreich, Schweden, Spanien; < 40%: Bulgarien, Kroatien, Litauen, Niederlande, Polen, Portugal, Rumänien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich. Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, für Kroatien: Wikipedia.

Datengrundlage der Prognose
Soweit verfügbar, wurde bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. In Ländern, wo es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder wo die letzte solche Umfrage mehr als ein Jahr zurückliegt, wurde stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament verwendet. Wo mehr als eine aktuelle Umfrage erschienen ist, wurde der Durchschnitt der letzten zwei Wochen berechnet. Für einige kleinere Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wurde auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlamentswahl zurückgegriffen. 
Stand der Prognose: 14.3.2014. Im Einzelnen wurden für folgende Länder Europawahl-Umfragen aus den letzten zwei Wochen verwendet: Deutschland (6./9./14.3.2014), Italien (5./6./7./10.3.2014), Polen (2./11.3.2014), Rumänien (1./4.3.2014), Griechenland (1./6.3.2014), Tschechien (10.3.2014), Österreich (7./13.3.2014), Bulgarien (9.3.2014), Dänemark (6.3.2014). Bei folgenden Ländern ist die jüngste verfügbare Europawahl-Umfrage bereits mehr als zwei Wochen alt: Frankreich (14.2.2014), England (9.2.2014), Wales (17.2.2014), Schottland (27.1.2014), Spanien (24.2.2014), Niederlande (13.2.2014), Portugal (25.1.2014), Schweden (10.2.2014), Finnland (17.1.2014). Aktuelle Umfragen für das nationale Parlament liegen den Werten folgender Länder zugrunde: Ungarn (5./7.3.2014), Kroatien (6.3.2014), Litauen (1.3.2014), Slowenien (10.3..2014), Estland (23.2.2014). Bei folgenden Ländern ist die jüngste verfügbare Umfrage für das nationale Parlament bereits mehr als zwei Wochen alt: Nordirland (Sept. 2013), Belgien (wallonische Parteien: 11.2.2014, flämische Parteien: 13.2.2014), Slowakei (22.2.2014), Irland (28.2.2014), Lettland (14.2.2014), Zypern (12.10.2013), Malta (Feb. 2014). Bei folgenden Ländern sind keine Umfragen verfügbar, sodass die Ergebnisse der letzten nationalen Wahl herangezogen wurden: Luxemburg (20.10.2013). Für den Vertreter der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens wurde auf die letzte regionale Wahl (2009) zurückgegriffen. 
In der Regel wurden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. In Frankreich, Großbritannien (England) und Irland, wo die Wahl in regionalen Wahlkreisen erfolgt, wurde die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, wobei jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen wurden. Für die Wahlkreise Nordirland, Schottland und Wales sowie für die regionalen Wahlkreise in Belgien wurden hingegen spezifische regionale Umfragedaten genutzt. Soweit vorhanden, wurden nationale Sperrklauseln in der Prognose berücksichtigt. In Ländern, in denen es üblich ist, dass Parteien zu Wahlen in Listenverbindungen antreten, wurden der Prognose jeweils die am plausibelsten erscheinenden Listenverbindungen zugrunde gelegt. Als Sonderfall wurde berücksichtigt, dass die italienische PD traditionell einen Kandidaten der Südtiroler Volkspartei auf ihrer Liste antreten lässt, der im Europäischen Parlament jedoch nicht in der S&D-, sondern in der EVP-Fraktion sitzt. Mangels zuverlässiger Umfragedaten nicht berücksichtigt sind die deutschen Kleinparteien, die nach Aufhebung der 3-Prozent-Sperrklausel voraussichtlich in das Parlament einziehen werden.

Zusammensetzung der Fraktionen
Nationale Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, wurden in der Prognose jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, sofern sie nicht ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der Wahl erklärt haben. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören oder ihr in der politischen Ausrichtung sehr nahe stehen, wurden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. Parteien, die nicht im Parlament vertreten sind und bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, wurden als „fraktionslos“ eingeordnet. Allerdings ist zu erwarten, dass viele dieser Parteien sich nach der Europawahl doch noch einer der bestehenden Fraktionen anschließen werden. Die Anzahl der fraktionslosen Abgeordneten wird in der Prognose also strukturell überschätzt. 
Für die Bildung einer Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 25 Abgeordnete aus sieben Mitgliedstaaten erforderlich. Fraktionen, die diese Kriterien nicht erfüllen, müssten deshalb nach der Europawahl zusätzliche (z. B. bisher fraktionslose) Abgeordnete für sich gewinnen, um weiter zu bestehen. Umgekehrt können auch bisher fraktionslose Abgeordnete mit ähnlicher politischer Ausrichtung eine neue Fraktion bilden. Um eine Orientierung für die Möglichkeiten einer solchen Um- und Neubildung der Fraktionen zu bieten, wurden die fraktionslosen Parteien in der Prognose in die Kategorien „fraktionslos (nationalkonservativ)“, „fraktionslos (rechts)“ und „fraktionslos (sonstige)“ unterteilt.
Diese Zuordnungen folgen natürlich auch einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung der Parteien. Jeder Leserin und jedem Leser sei es deshalb selbst überlassen, sie nach eigenen Kriterien zu korrigieren.

Weitere Artikel zur Europawahl in diesem Blog:


Bild: ZStoler at en.wikipedia [CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons.

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