Mittwoch, 10. November 2021

Wenn an diesem Sonntag Europawahl wäre (November 2021): S&D macht weiter Boden gut


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637037
Sept. 2154421419816070753332
Nov. 2150421449615575723635
dynamisch52481481071562312051

Basis-Szenario,
Stand: 8.11.2021.


Dynamisches Szenario,
Stand: 8.11.2021.

Die Wahlperiode nähert sich ihrem Mittelpunkt – diesen November liegt die Europawahl 2019 genau zweieinhalb Jahre zurück –, und es verspricht eine spannende zweite Halbzeit zu werden: Nachdem der Vorsprung der konservativen Europäischen Volkspartei (EVP) bereits in der Sitzprojektion von September auf den niedrigsten Wert seit dem Brexit gefallen war, konnten die Sozialdemokrat:innen (S&D) in den letzten Wochen noch einmal Boden gut machen. Der Abstand zwischen den beiden größten Fraktionen im Europäischen Parlament beträgt in der Projektion nun nur noch 11 Sitze (8 im dynamischen Szenario). Der Wettlauf um den ersten Platz ist nahezu zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen geworden.

Historisches Tief der EVP

Im Einzelnen kommt die EVP in der Sitzprojektion noch auf 155 Sitze (–5) und fällt damit noch einmal ein gutes Stück unter ihren historischen Tiefststand von September. Nachdem im Herbst die deutsche CDU/CSU bei der Bundestagswahl dramatisch abgestürzt war, verliert die EVP nun auch in zahlreichen weiteren Mitgliedstaaten: In Österreich schlug sich der Korruptionsskandal und der Rücktritt von Kanzler Sebastian Kurz auf die Umfragen durch, in Rumänien die Regierungskrise und die desaströse Entwicklung der Corona-Pandemie. Aber auch in Spanien wichen die Wahlerfolge der Konservativen im Frühling zuletzt parteiinternen Machtkämpfen und einem Rückgang in der Wählergunst.

Etwas besser ist die Lage der Konservativen in Tschechien, wo ein Wahlbündnis aus ODS (EKR), KDU-ČSL (EVP) und TOP09 (EVP) bei der nationalen Parlamentswahl im Oktober zur stärksten Kraft wurde. Auch in Portugal konnte der oppositionelle PSD angesichts des Haushaltsstreits der Linksregierung leicht zulegen, und die bulgarische GERB profitiert kurz vor der dritten nationalen Parlamentswahl innerhalb eines Jahres von der Uneinigkeit ihrer Gegner.

Dennoch: In der europäischen Gesamtschau wird deutlich, dass die Krise der Volksparteien inzwischen auch die EVP voll getroffen hat. Nachdem sie bei der Europawahl 2009 noch über 265 der 736 Sitze im Parlament (36%) erreicht hatte, wären es jetzt nur noch 155 von 705 (22%). Dieser deutliche Rückgang wurde lange Zeit dadurch verdeckt, dass auch die Sozialdemokrat:innen massive Verluste erlitten und die Position der EVP als stärkste Fraktion nicht gefährdet war. Dies hat sich nun geändert.

S&D legt zu

Die S&D wiederum verdankt ihren Höhenflug der letzten Wochen zu einem guten Teil dem erfolgreichen Abschneiden der deutschen SPD bei der Bundestagswahl. Aber auch der italienische PD konnte zulegen und ist nun in vielen Umfragen wieder knapp die stärkste nationale Partei. In Rumänien, Österreich und Litauen konnten sich die Sozialdemokrat:innen als wichtigste Oppositionspartei gegenüber angeschlagenen Regierungen profilieren. Größere Rückschläge mussten sie in den letzten Wochen nur bei der tschechischen Parlamentswahl verzeichnen, wo die ČSSD an der Fünfprozenthürde scheiterte.

Insgesamt erreicht die S&D in der Projektion nun 144 Sitze (+3). Damit setzt sie ihren seit Frühsommer 2021 andauernden Aufschwung fort, liegt aber immer noch nur auf dem Niveau der Europawahl 2019. Immerhin: Würde am nächsten Sonntag wieder gewählt, so hätten die sozialdemokratische Spitzenkandidat:in wohl deutlich bessere Aussichten auf die Kommissionspräsidentschaft als beim letzten Mal.

Wiederholt sich 2014?

Betrachtet man sich etwas genauer, in welchen Mitgliedstaaten EVP oder S&D jeweils in den Umfragen vorn liegen, fällt allerdings noch etwas anderes auf: Während die EVP in dreizehn Ländern einen Sitzvorsprung hat, sind es bei der S&D nur neun; in fünf weiteren Ländern liegen die beiden Parteien in der Projektion gleichauf. Und während die S&D vor allem in einigen großen Mitgliedstaaten mit traditionell hoher Wahlbeteiligung – speziell Deutschland und Italien – stark ist, sammelt die EVP viele ihrer Sitze in mittelgroßen und kleinen Ländern: Bulgarien, Irland, Kroatien, Slowenien oder Zypern.

Das ist vor allem deshalb interessant, weil durch das Europawahlrecht (mit seinen festen nationalen Sitzkontingenten, deren Größe „degressiv-proportional“ zur Einwohnerzahl der Mitgliedstaaten ist) in größeren Ländern und Ländern mit höherer Wahlbeteiligung mehr Wählerstimmen notwendig sind, um einen Sitz im Parlament zu gewinnen. Bei der Europawahl 2014 hatte dies zur Folge, dass die Sozialdemokrat:innen europaweit mehr Stimmen, aber weniger Sitze als die EVP gewannen. Mit den heutigen Umfragewerten könnte sich dieses Szenario wiederholen. Für das ohnehin schwierige Verhältnis zwischen EVP und S&D verheißt das weitere Komplikationen: Was etwa würde es für das Spitzenkandidatenverfahren bedeuten, wenn gleich beide großen Fraktionen sich nach der Europawahl 2024 als Wahlsieger betrachten könnten?

Liberale stagnieren

Zurück zur Gegenwart: Die langfristige Schwächung von EVP und S&D stärkt natürlich die dritte Kraft im Parlament, die liberal-zentristische Renew Europe, in ihrer Rolle als Königsmacherin. In den Umfragen allerdings stagniert die RE derzeit eher: Seit etwa einem Jahr verharrt die Fraktion in der Projektion bei knapp unter (im dynamischen Szenario knapp über) 100 Sitzen.

Auch die letzten Wochen brachten den Liberalen in der Summe leichte Verluste (96 Sitze/–2). Während die deutsche FDP und die rumänische USR-PLUS etwas zulegen konnten, bezahlen die niederländischen VVD und D66 in den Umfragen einen Preis für die seit Monaten festgefahrenen Koalitionsgespräche. Die spanischen Ciudadanos, vor einigen Jahren noch Hoffnungsträger der europäischen Liberalen, kämpfen gegen den Fall in die völlige Bedeutungslosigkeit.

Linke erleiden Rückschläge

Weiter links im politischen Spektrum tritt die grüne G/EFA-Fraktion in den Umfragen auf der Stelle (42 Sitze/±0). Während die Grünen in Schweden und Volt in den Niederlanden nun wieder knapp ins Europäische Parlament einziehen könnten, würde es in Bulgarien (wo die Grünen sie in einem Bündnis mit dem EVP-Mitglied DSB antreten) nicht mehr für einen Sitz reichen. Auch die litauische LVŽS, die eine Zeit lang stärkste Kraft in ihrem Land war, fällt auf nationaler Ebene deutlich hinter die sozialdemokratische Konkurrenz zurück.

Die europäische Linke wiederum musste zuletzt einige Rückschläge hinnehmen – allen voran die enttäuschenden Ergebnisse bei der deutschen und der tschechischen Parlamentswahl, bei denen sie jeweils unter der nationalen Fünfprozenthürde blieben. Auch in Italien würde die Linke mit den aktuellen Umfrageergebnissen wieder knapp nicht ins Parlament einziehen. Leicht zulegen konnte hingegen die niederländische Tierschutzpartei PvdD. Insgesamt käme die Linksfraktion nun auf 50 Sitze (–4).

Rechte arbeiten weiter an der Einheitsfraktion

Für die rechtskonservative EKR-Fraktion brachten die letzten Wochen demgegenüber vor allem gute Nachrichten: In Polen, Spanien, Rumänien, Tschechien und den Niederlanden konnten EKR-Mitgliedsparteien in der Projektion jeweils leicht zulegen. Insgesamt kommt die EKR damit nun auf 75 Sitze (+5) und liegt als einzige Fraktion deutlich über ihrem Europawahlergebnis von 2019.

Umgekehrt stellt sich die Situation hingegen für die zweite Rechtsfraktion ID dar. Diese musste zuletzt in Deutschland, Belgien und Portugal jeweils leichte Einbußen hinnehmen und erreicht jetzt nur noch 72 Sitze (–2).

Interessanter als dieses Auf und Ab in den Umfragen bleibt für die europäische Rechte indessen die Frage nach der Einheitsfraktion, zu der sich die großen Mitgliedsparteien der EKR (vor allem die polnische PiS) und der ID (die italienische Lega und das französische RN) sowie die derzeit fraktionslose ungarische Fidesz gerne zusammenschließen würden. In den letzten Wochen gab es diverse Treffen zwischen Regierungs- und Parteichef:innen von PiS, Fidesz und Lega, Fidesz und RN, PiS und RN, aber auch RN und der slowenischen Regierungspartei SDS (EVP). Zu konkreten Ergebnissen führten diese Gespräche aber erst einmal offenbar nicht.

Zugewinne bei fraktionslosen und sonstigen Parteien

Leichte Zugewinne verzeichneten die fraktionslosen Parteien (36 Sitze/+3), unter denen das italienische M5S zuletzt etwas zulegen konnte. Außerdem wird nun auch die litauische DP, die tatsächlich bereits Anfang des Jahres aus der RE-Fraktion ausgeschlossen worden war, in der Projektion den fraktionslosen Parteien zugeordnet.

Auch die „sonstigen Parteien“, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind und keiner Fraktion eindeutig zugeordnet werden können, sind in der Projektion nun wieder etwas stärker (35 Sitze/+3). Größere Veränderungen gibt es hier vor allem in Bulgarien, wo sich die Parteienlandschaft in den letzten Monaten mehrmals umgewälzt hat. Die populistische ITN – 2020 gegründet und stärkste nationale Partei bei der Wahl im Juli 2021, fällt nun wieder weit zurück. Auch die nationalistische Vŭzrazhdane und das Mitte-links-Bündnis IBG-NI würden nun keinen Sitz mehr im Europäischen Parlament gewinnen. Dafür hat sich unter der Bezeichnung Prodŭlzhavame promyanata („Wir setzten den Wandel fort“) ein neues proeuropäisch-liberales Bündnis – unter anderem unter Beteiligung von Volt – gegründet, das bei der bevorstehenden Wahl zweit- oder drittstärkste nationale Kraft werden könnte.

Und noch vier weitere Parteien sind neu im Tableau: In den Niederlanden könnte die konservative Agrarpartei BBB nun mit einem Sitz im Europäischen Parlament rechnen. In Österreich würde die neu gegründete Partei MFG, die Impf- und Testpflichten in der Corona-Pandemie ablehnt, nach den aktuellen Umfragen knapp die nationale Vierprozenthürde überwinden. Und auch die litauische Mitte-links-Partei LRP, die sich 2018 von der sozialdemokratischen LSDP abspaltete, und die rechte LuK aus Lettland würden jetzt wieder ins Parlament einziehen.

Die Übersicht

Die folgende Tabelle schlüsselt die Sitzverteilung der Projektion nach nationalen Einzelparteien auf. Die Tabelle folgt dem Basisszenario, in dem nationale Parteien in der Regel jeweils ihrer aktuellen Fraktion (bzw. der Fraktion ihrer europäischen Dachpartei) zugeordnet sind; Parteien ohne klare Zuordnung werden als „sonstige Parteien“ ausgewiesen.

Demgegenüber geht das dynamische Szenario von stärkeren Annahmen aus. Zum einen ordnet es insbesondere die „sonstigen Parteien“ der Fraktion zu, der diese plausiblerweise am nächsten stehen. Zum anderen geht das dynamische Szenario von einer Neusortierung der Rechtsfraktionen aus, die hier näher beschrieben ist. Die Veränderungen im dynamischen Szenario gegenüber dem Basisszenario sind in der Tabelle durch farbige Schrift und durch einen Hinweis im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Da es keine gesamteuropäischen Wahlumfragen gibt, basiert die Projektion auf aggregierten nationalen Umfragen und Wahlergebnissen aus allen Mitgliedstaaten. Wie die Datengrundlage für die Länder im Einzelnen aussieht, ist im Kleingedruckten unter den Tabellen erläutert. Mehr Informationen zu den europäischen Parteien und zu den Fraktionen im Europäischen Parlament gibt es hier.


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
EP heute397314698179637037
Sept. 2154421419816070753332
Nov. 2150421449615575723635
dynamisch52481481071562312051

Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
DE 5 Linke 15 Grüne
1 Piraten
1 ÖDP
1 Volt
24 SPD 13 FDP
2 FW
20 Union
1 Familie

10 AfD 2 Partei 1 Tier
FR 9 FI 6 EELV 6 PS 25 LREM 9 LR
24 RN

IT

18 PD
7 FI
1 SVP
18 FdI 17 Lega 15 M5S
ES 6 UP
1 Bildu
2 ERC 16 PSOE 1 Cʼs
1 PNV
18 PP 11 Vox
1 JxC 2 MP
PL

4 Lewica
14 KO
22 PiS

7 PL2050
5 Konf
RO

15 PSD 5 USR-PLUS 7 PNL
6 AUR


NL 2 SP
2 PvdD
1 GL
1 Volt
2 PvdA 8 VVD
4 D66
1 CDA
1 CU
1 SGP
1 JA21
4 PVV
1 BBB
EL 6 Syriza
2 KINAL
9 ND 1 EL
2 KKE 1 MeRA25
BE 3 PTB-PvdA 1 Groen
1 Ecolo
1 Vooruit
2 PS
1 O-VLD
2 MR
2 CD&V
1 cdH
1 CSP
3 N-VA 3 VB

PT 2 BE
1 CDU

9 PS 1 IL 7 PSD
1 CH

CZ
3 Piráti
7 ANO 2 TOP09
1 STAN
2 KDU-ČSL
4 ODS 2 SPD
HU

5 DK
1 MM 1 KDNP

2 Jobbik
12 Fidesz

SE 2 V 1 MP 5 S 2 C 5 M
1 KD
5 SD


AT
2 Grüne 5 SPÖ 2 Neos 5 ÖVP
4 FPÖ
1 MFG
BG

3 BSP 2 DPS 5 GERB
2 DSB



3 PP
2 ITN
DK 1 Enhl. 1 SF 5 S 2 V
1 RV
2 K
1 DF
1 NB
FI 1 Vas 2 Vihreät 3 SDP 2 Kesk 3 Kok
3 PS

SK

3 Smer-SSD 1 PS 2 OĽANO
1 KDH
2 SaS 1 SR 1 REP 3 Hlas-SD
IE 6 SF

3 FF 4 FG



HR

2 SDP
6 HDZ


1 Most
3 Možemo
LT
2 LVŽS 4 LSDP 1 LRLS
2 TS-LKD

1 DP 3 LRP
LV

2 SDPS 1 AP!
1 ZZS
1 JV 1 NA

1 Prog
1 LuK
SI 1 Levica
2 SD 1 LMŠ 3 SDS-SLS
1 NSi




EE


2 RE
2 KE


2 EKRE
1 E200
CY 2 AKEL
1 EDEK
3 DISY



LU
1 Gréng 1 LSAP 2 DP 2 CSV



MT

4 PL
2 PN




Verlauf (Basisszenario)


Linke G/EFA S&D RE EVP EKR ID fʼlos Sonst.
08.11.2021 50 42 144 96 155 75 72 36 35
13.09.2021 54 42 141 98 160 70 75 33 32
21.07.2021 52 45 133 97 167 71 74 31 35
24.05.2021 50 50 125 95 167 74 73 33 38
29.03.2021 52 46 136 96 164 71 73 34 33
02.02.2021 52 45 135 94 184 70 71 21 33
09.12.2020 52 47 136 93 188 67 73 20 29
12.10.2020 51 49 127 96 193 67 71 21 30
14.08.2020 50 53 145 88 196 65 64 20 24
25.06.2020 48 55 143 91 203 64 63 20 18
26.04.2020 47 53 151 88 202 66 66 19 13
10.03.2020 51 58 138 88 188 67 82 21 12
09.01.2020 49 58 135 93 186 65 82 24 13
23.11.2019 48 57 138 99 181 62 82 22 16
23.09.2019 49 61 139 108 175 56 82 24 11
30.07.2019 47 64 138 108 180 57 82 22 7
Wahl 2019 40 68 148 97 187 62 76 27

Die Zeile „Wahl 2019“ kennzeichnet die Sitzverteilung zum 2. Juli 2019, dem Zeitpunkt der Konstituierung des Europäischen Parlaments nach der Europawahl im Mai 2019.
Angegeben sind jeweils die Werte im Basisszenario ohne das Vereinigte Königreich. Eine Übersicht der Werte mit dem Vereinigten Königreich für die Zeit bis Januar 2020 ist hier zu finden. Eine Übersicht älterer Projektionen aus der Wahlperiode 2014-2019 gibt es hier.

Die vollen Namen der Fraktionen und der nationalen Einzelparteien erscheinen als Mouseover-Text, wenn der Mauszeiger eine kurze Zeit regungslos auf der Bezeichnung in der Tabelle gehalten wird. Sofern eine Partei im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet ist als im Basisszenario, ist dies ebenfalls im Mouseover-Text gekennzeichnet.

Fraktionszuordnung

Basisszenario: Für die Projektion werden Parteien, die bereits im Europäischen Parlament vertreten sind, jeweils ihrer derzeitigen Fraktion zugerechnet, es sei denn, sie haben ausdrücklich ihren Entschluss zu einem Fraktionswechsel nach der nächsten Europawahl erklärt. Nationale Parteien, die derzeit nicht im Europäischen Parlament vertreten sind, aber einer europäischen Partei angehören, werden der Fraktion der entsprechenden europäischen Partei zugeordnet. In Fällen, bei denen sich die Mitglieder einer nationalen Liste nach der Wahl voraussichtlich auf mehrere Fraktionen aufteilen werden, wird jeweils die am plausibelsten scheinende Verteilung zugrundegelegt. Parteien, bei denen die Zuordnung zu einer bestimmten Fraktion unklar ist, werden im Basisszenario als „Sonstige“ eingeordnet.

Für die Bildung einer eigenständigen Fraktion sind nach der Geschäftsordnung des Europäischen Parlaments mindestens 23 Abgeordnete aus mindestens einem Viertel der Mitgliedstaaten erforderlich. Mit einem Asterisk (*) gekennzeichnete Gruppierungen würden diese Bedingungen nach der Projektion derzeit nicht erfüllen. Sie müssten deshalb gegebenenfalls nach der Europawahl zusätzliche Abgeordnete für sich gewinnen, um sich als Fraktion konstituieren zu können.

Dynamisches Szenario: Im dynamischen Szenario werden alle „sonstigen“ Parteien einer schon bestehenden Fraktion (oder der Gruppe der Fraktionslosen) zugeordnet. Außerdem werden gegebenenfalls Fraktionsübertritte von bereits im Parlament vertretenen Parteien berücksichtigt, die politisch plausibel erscheinen, auch wenn sie noch nicht öffentlich angekündigt wurden. Um diese Veränderungen gegenüber dem Basisszenario deutlich zu machen, sind Parteien, die im dynamischen Szenario einer anderen Fraktion zugeordnet werden, in der Tabelle mit der Farbe dieser Fraktion gekennzeichnet; zudem erscheint der Name der möglichen künftigen Fraktion im Mouseover-Text. Die Zuordnungen im dynamischen Szenario basieren auf einer subjektiven Einschätzung der politischen Ausrichtung und Strategie der Parteien und können daher im Einzelnen recht unsicher sein. In der Gesamtschau kann das dynamische Szenario jedoch näher an der wirklichen Sitzverteilung nach der nächsten Europawahl liegen als das Basisszenario.

Datengrundlage

Soweit verfügbar, wird bei der Sitzberechnung für jedes Land jeweils die jüngste Umfrage zu den Wahlabsichten für das Europäische Parlament herangezogen. Wo mehr als eine Umfrage erschienen ist, wird der Durchschnitt aller Umfragen aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten Umfrage berechnet, wobei jedoch von jedem einzelnen Umfrageinstitut nur die jeweils letzte Umfrage berücksichtigt wird. Stichtag für die Berücksichtigung einer Umfrage ist, soweit bekannt, jeweils der letzte Tag der Durchführung, andernfalls der Tag der Veröffentlichung.
Für Länder, in denen es keine spezifischen Europawahlumfragen gibt oder die letzte solche Umfrage mehr als zwei Wochen zurückliegt, wird stattdessen die jüngste verfügbare Umfrage für die Wahl zum nationalen Parlament bzw. der Durchschnitt aller Umfragen für das nationale oder das Europäische Parlament aus den letzten zwei Wochen vor der jüngsten verfügbaren Umfrage verwendet. Für Mitgliedstaaten, für die sich überhaupt keine Umfragen finden lassen, wird auf die Ergebnisse der letzten nationalen Parlaments- oder Europawahl zurückgegriffen.
In der Regel werden die nationalen Umfragewerte der Parteien direkt auf die Gesamtzahl der Sitze des Landes umgerechnet. Für Länder, in denen die Wahl in regionalen Wahlkreisen ohne Verhältnisausgleich erfolgt (aktuell Belgien und Irland), werden regionale Umfragedaten genutzt, soweit diese verfügbar sind. Wo dies nicht der Fall ist, wird die Sitzzahl für jeden Wahlkreis einzeln berechnet, dabei aber jeweils die nationalen Gesamt-Umfragewerte herangezogen. Nationale Sperrklauseln werden, soweit vorhanden, in der Projektion berücksichtigt.
In Belgien entsprechen die Wahlkreise bei der Europawahl den Sprachgemeinschaft, während Umfragen üblicherweise auf Ebene der Regionen durchgeführt werden. Für die Projektion werden für die französischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Wallonien, für die niederländischsprachige Gemeinschaft die Umfragedaten aus Flandern genutzt. Für die deutschsprachige Gemeinschaft wird das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (1 Sitz für CSP).
In Ländern, in denen es üblich ist, dass mehrere Parteien als Wahlbündnis auf einer gemeinsamen Liste antreten, werden der Projektion plausibel erscheinende Listengemeinschaften zugrunde gelegt. Dies betrifft folgende Parteien: Spanien: Más País (1., 3. Listenplatz), Compromís (2.) und Equo (4.); ERC (1., 3.-4.), Bildu (2.) und BNG (5.); PNV (1.) und CC (2.); Niederlande: CU (1., 3.-4.) und SGP (2., 5.); Tschechien: ODS (1., 3., 5., 7.), KDU-ČSL (2., 6.) und TOP09 (4., 8.); Piráti (1., 3.-4., 6.-7.) und STAN (2., 5., 8.); Ungarn: Fidesz (1.-6., ab 8.) und KDNP (7.); Bulgarien: DSB (1.-2.) und ZD (3.); Slowakei: PS (1.) und Spolu (2.).
In Ungarn haben sich mit Blick auf die nationale Parlamentswahl 2022 fast alle Oppositionsparteien (DK, MSZP, MM, LMP, Jobbik) zu einem Wahlbündnis zusammengeschlossen, sodass einige nationale Umfragen nur noch einen gemeinsamen Wert für sie ausweisen. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass dieses Wahlbündnis auch bei der nächsten Europawahl Bestand hat. Für die Sitzprojektion werden deshalb bevorzugt Umfragen berücksichtigt, die die Umfragewerte der Oppositionsparteien einzeln ausweisen. Bei Umfragen, die einen gemeinsamen Wert für das Oppositionsbündnis ausweisen, wird dieser Wert auf die einzelnen Parteien aufgeteilt, und zwar entsprechend dem Verhältnis der durchschnittlichen Umfragewerte der Parteien in den Umfragen, die diese einzeln ausweisen.
Da es in Deutschland bei der Europawahl keine Sperrklausel gibt, können Parteien bereits mit weniger als 1 Prozent der Stimmen einen Sitz im Europäischen Parlament gewinnen. Mangels zuverlässiger Umfragedaten wird für diese Kleinparteien in der Projektion in der Regel jeweils das Ergebnis der letzten Europawahl herangezogen (je 2 Sitze für PARTEI und FW, je 1 Sitz für Tierschutzpartei, ödp, Piraten, Volt und Familienpartei). Nur falls eine Kleinpartei in aktuellen Umfragen einen besseren Wert erreicht als bei der letzten Europawahl, wird stattdessen dieser Umfragewert herangezogen.
In Italien können Minderheitenparteien durch eine Sonderregelung auch mit nur recht wenigen Stimmen ins Parlament einziehen. In der Projektion wird die Südtiroler Volkspartei deshalb stets mit dem Ergebnis der letzten Europawahl (1 Sitz) geführt.

Die folgende Übersicht führt die Datengrundlage für die Mitgliedstaaten im Einzelnen auf. Die Daten beziehen sich auf den letzten Tag der Durchführung; falls dieser nicht bekannt ist, auf den Tag der Veröffentlichung der Umfragen:
Deutschland: nationale Umfragen, 29.10.-6.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Frankreich: nationale Umfragen, 21.6.2021, Quelle: Europe Elects.
Italien: nationale Umfragen, 27.10.-6.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Spanien: nationale Umfragen, 30.10.-7.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Polen: nationale Umfragen, 25.10.-6.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Rumänien: nationale Umfragen, 17.-30.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Niederlande: nationale Umfragen, 26.10.-7.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Griechenland: nationale Umfragen, 25.-31.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, französischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Wallonien) für die nationale Parlamentswahl, 14.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, niederländischsprachige Gemeinschaft: regionale Umfragen (Flandern) für die nationale Parlamentswahl, 14.9.2021, Quelle: Wikipedia.
Belgien, deutschsprachige Gemeinschaft: Ergebnis der Europawahl, 26.5.2019.
Portugal: nationale Umfragen, 31.10.-4.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Tschechien: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 8.-9.10.2021.
Ungarn: nationale Umfragen, 9.-21.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Schweden: nationale Umfragen, 25.-31.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Österreich: nationale Umfragen, 12.-24.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Bulgarien: nationale Umfragen, 10.-17.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Dänemark: nationale Umfragen, 21.-31.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Finnland: nationale Umfragen, 2.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Slowakei: nationale Umfragen, 27.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Irland: nationale Umfragen, 12.-22.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Kroatien: nationale Umfragen, 7.-20.10.2021, Quelle: Europe Elects.
Litauen: nationale Umfragen, 22.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Lettland: nationale Umfragen, Oktober 2021, Quelle: Wikipedia.
Slowenien: nationale Umfragen, 14.-25.10.2021, Quelle: Wikipedia.
Estland: nationale Umfragen, 20.10.-2.11.2021, Quelle: Wikipedia.
Zypern: Ergebnis der nationalen Parlamentswahl, 30.5.2021.
Luxemburg: nationale Umfragen, 24.11.2020, Quelle: Europe Elects.
Malta: nationale Umfragen, 6.10.2021, Quelle: Wikipedia.

Bilder: Eigene Grafiken.

2 Kommentare:

  1. Hallo, in der Projektions-Tabelle gibt es noch einige offenkundige Fehler bei Finnland.

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